Depression: 17% der Erwachsenen betroffen – Selbsthilfe wächst
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 19:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Für viele wird die Selbsthilfe zur zentralen Anlaufstelle. Schätzungen zufolge gibt es bundesweit zwischen 70.000 und 100.000 Gruppen, die Betroffene und Angehörige unterstützen. Frauen sind mit 20 Prozent häufiger von Depressionen betroffen als Männer mit 13 Prozent.
Förderung bleibt stabil – trotz Sparzwang
Die Finanzierung der Selbsthilfe ist gesetzlich im Sozialgesetzbuch (§ 20h SGB V) verankert. Für 2026 liegt der Förderbetrag bei 1,44 Euro pro Versichertem. Fachleute betonen: Das GKV-Stabilisierungsgesetz hat die Selbsthilfeförderung nicht beeinträchtigt. Die Mittel fließen in Kontaktstellen, die Betroffene und Gruppen vernetzen.
Ein Beispiel ist das Selbsthilfezentrum KISS Stuttgart. Es pflegt eine Datenbank mit rund 500 Gruppen. Im Juli 2026 laufen dort Informationsveranstaltungen zu Osteoporose, den Herausforderungen des Älterwerdens und Hautkrebs. Auch im ländlichen Raum entstehen neue Gruppen – etwa im Landkreis Börde für Menschen mit bipolaren Störungen.
Depression: Zahlen, Fakten, Rückfallrisiko
Depressionen sind die häufigste psychische Erkrankung. Etwa 15 Prozent der Menschen erkranken mindestens einmal im Leben daran. Eine unbehandelte Episode dauert sechs bis acht Monate. Mit professioneller Hilfe verkürzt sich der Zeitraum oft auf rund 16 Wochen. Die Rückfallquote liegt bei 60 Prozent innerhalb von fünf Jahren nach der Ersterkrankung.
Die Angebote reagieren auf diese Komplexität mit immer spezialisierteren Formaten.
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Stationäre Anbindung: Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim ist seit 2012 als selbsthilfefreundliches Krankenhaus zertifiziert. Im Juli 2026 bietet es Infoveranstaltungen zu Sucht, Depression und zu den Anonymen Alkoholikern an.
Digitale Formate: Für spezifische Probleme wie familiären Kontaktabbruch bei psychischen Erkrankungen gibt es Online-Selbsthilfegruppen. Der Neustart ist für Ende August 2026 geplant.
Inklusive Projekte: In Bonn betreibt der „SeLe“-Treff einen offenen Kunstraum für Autisten und Psychiatrieerfahrene. Kreatives Arbeiten fördert hier den sozialen Austausch.
Pferde, Angehörige und Demenz: Neue Wege in der Therapie
Neben klassischen Gesprächsgruppen gewinnen komplementäre Ansätze an Bedeutung. Im baden-württembergischen Ittlingen bietet ein Verein seit 1976 pferdegestützte Therapien für Menschen mit schweren Depressionen oder Schizophrenie an. Rund 300 Patienten aus der Region werden betreut. Doch die Nachfrage ist hoch: Jährlich müssen bis zu 80 Anfragen abgelehnt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Debatte ist die Rolle der Angehörigen. Die Studie PazAng untersucht ihre Beteiligung im psychiatrischen Hilfesystem. Die Ergebnisse werden im Oktober 2026 in Berlin vorgestellt. Dass spezialisierte Beratung eine lange Tradition hat, zeigt die MemoryClinic in Essen. Sie feiert 2026 ihr 35-jähriges Bestehen und war eine der ersten Einrichtungen in Europa, die Diagnostik und Angehörigenberatung bei Demenz verknüpfte.
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Ergänzend zu den medizinischen Angeboten reagieren Kommunen auf spezifische soziale Notlagen. Die Stadt Mannheim veröffentlichte Mitte Juli 2026 einen Leitfaden gegen Zwangsheirat. Er bündelt rechtliche Grundlagen und Interventionswege – eine Orientierungshilfe für Betroffene und Fachkräfte.
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