Demenzrisiko, WHO

Demenzrisiko: WHO sieht bis zu 45 Prozent durch Vorsorge beeinflussbar

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 06:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die WHO benennt veränderbare Risikofaktoren; Schlafstudien zeigen Zusammenhänge, während Alter und Gene nicht beeinflussbar bleiben.

WHO-Leitlinien: Bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos beeinflussbar
Ein minimalistisch eingerichtetes, ruhiges Schlafzimmer mit einfallendem Tageslicht und einem unbesetzten, ordentlich gemachten Bett. Illustration mit AI erstellt.

Bis zu 45 Prozent des individuellen Demenzrisikos lassen sich potenziell verhindern oder zumindest zeitlich verzögern. Zu diesem Ergebnis kommt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der zweiten Ausgabe ihrer Leitlinien zur Reduzierung des Demenzrisikos, die im Juli 2026 als Aktualisierung der ursprünglichen Empfehlungen aus dem Jahr 2019 herausgegeben wurde. Die Auswertung verdeutlicht das erhebliche Potenzial präventiver Maßnahmen, rückt zugleich aber auch die Grenzen individueller Vorsorge in den Blick.

Veränderbare Risiken und unveränderliche Faktoren

In ihren aktualisierten Leitlinien identifiziert die WHO eine Reihe konkreter Lebensstil- und Umweltfaktoren, die maßgeblich zum Demenzrisiko beitragen. Dazu zählen Bewegungsmangel, der Konsum von Tabak sowie schädlicher Alkoholkonsum.

Zudem spielen chronische Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes eine entscheidende Rolle. Weitere relevante Aspekte sind soziale Isolation, unbehandelter Hörverlust und die Belastung durch Luftverschmutzung.

Gleichzeitig betont die Organisation, dass die Leitlinien kein Versprechen auf eine vollständige Prävention darstellen. Nicht beeinflussbare Faktoren wie das fortschreitende Alter sowie die genetische Veranlagung bleiben zentrale Risikotreiber, die sich durch Verhaltensänderungen nicht ausschalten lassen.

Die Rolle von Schlafdauer und Schlafphasen

Neben den von der WHO erfassten Kernbereichen unterstreichen neuere wissenschaftliche Erhebungen die Bedeutung weiterer Verhaltensweisen für die neurologische und allgemeine Gesundheit.

Anzeige

Wer sich mit der Vorbeugung neurologischer Erkrankungen befasst, sollte auch die Rolle der geistigen Fitness im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber liefert 11 praktische Gehirn-Jogging-Übungen und wertvolle Alltagstipps, um die mentale Leistungsfähigkeit nachhaltig zu stärken. 11 Alltagsübungen zur Demenzvorbeugung jetzt kostenlos entdecken

Eine Auswertung der UK-Biobank-Studie an 95.559 Erwachsenen untersuchte den Zusammenhang zwischen Schlafmustern und Krankheitsrisiken. Die Teilnehmer trugen eine Woche lang Handgelenksensoren zur Erfassung des Schlafs; die anschließende Nachbeobachtung der Gesundheitsdaten umfasste einen Median von 8,9 Jahren.

Dabei zeigten sich Verbindungen der Schlafmuster zu insgesamt 156 Krankheitsbildern:

  • Ein höherer Anteil an REM-Schlaf war mit einem geringeren Risiko für 83 Erkrankungen assoziiert, darunter Demenz, Parkinsonismus, koronare Herzkrankheit, Herzschwäche und Vorhofflimmern.
  • Ein höherer Tiefschlafanteil ging mit einer Risikoreduktion bei 7 Erkrankungen einher, zu denen Typ-2-Diabetes, Depressionen, Parkinson und Schlafapnoe gehörten.
  • Für 69 Krankheitsbilder erwies sich eine Schlafdauer von überwiegend 6 bis 8 Stunden als statistisch am günstigsten. Bei weniger als 5 Stunden Schlaf zeigten sich in 37 von 41 relevanten Zusammenhängen erhöhte Risiken im Vergleich zur Spanne von 6 bis 8 Stunden.

Die Autoren der UK-Biobank-Untersuchung weisen jedoch darauf hin, dass es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, die statistische Zusammenhänge beschreibt, aber keine ursächliche Kausalität belegt.

Anzeige

Da chronische Vorerkrankungen wie Bluthochdruck das Risiko für geistigen Abbau massiv erhöhen, ist eine frühzeitige Kontrolle der Werte entscheidend. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, mit welchen 8 natürlichen Maßnahmen Sie Ihren Blutdruck ganz ohne Medikamente und Nebenwirkungen positiv beeinflussen können. Gratis-Report: 8 natürliche Wege gegen Bluthochdruck

Mikrobiom und Ernährung als präventive Ansätze

Ergänzend zu Schlaf und Bewegung weisen Fachleute auf den Einfluss der Darmgesundheit hin. Die Ernährungsmedizinerin Michaela Axt-Gadermann empfiehlt zur Unterstützung des Darmmikrobioms eine pflanzenbetonte, ballaststoffreiche Kost mit vielfältigen Präbiotika und rät zu mindestens 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag.

Im Darm existieren abhängig von Lebensweise und Ernährung zwischen 150 und 450 Keimstämme. Grüne, unreife Bananen liefern beispielsweise rund 12 Gramm resistente Stärke je 100 Gramm.

Zudem habe eine Studie gezeigt, dass der tägliche Verzehr von einem Esslöffel Leinsamen nach sechs Wochen das Wachstum von über 30 gesundheitsförderlichen Bakterienstämmen anregte. Neben der Ernährung könnten auch regelmäßiger sozialer Austausch und Aufenthalte in der Natur zur Stabilisierung beitragen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70190925 |