Demenzrisiko: Studie mit 28.000 Teilnehmern verknüpft Persönlichkeit und Erkrankung
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 13:34 Uhr | Redaktion boerse-global.deUntersuchungen zur Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen richten den Blick zunehmend auf individuelle Charakterzüge und psychische Dispositionen.
Wissenschaftler der Universität Montpellier konnten in einer Untersuchung systematische Zusammenhänge zwischen bestimmten Persönlichkeitseigenschaften und dem individuellen Demenzrisiko identifizieren. Die Befunde verdeutlichen, dass emotionale Reaktionsmuster und Verhaltensweisen in engem Bezug zur langfristigen kognitiven Verfassung stehen.
Emotionale Faktoren und kognitiver Gedächtniserhalt
Die Analyse der Forscher der Universität Montpellier stützt sich auf eine breite Datengrundlage von über 28.000 Teilnehmern. Im Rahmen der Erhebung zeigte sich, dass Eigenschaften wie Angst und Nervosität mit einer gesteigerten Wahrscheinlichkeit für eine Demenzerkrankung verknüpft sind.
Demgegenüber erweisen sich Merkmale wie Verantwortungsbewusstsein und ein hoher Grad an Organisiertheit als Faktoren, die den Erhalt der Gedächtnisfunktionen begünstigen. Eine strukturierte Lebensführung und eine stabile psychische Verfassung scheinen demnach schützende Effekte gegen kognitive Abbauprozesse zu entfalten.
Genetische Grundlagen des Temperaments
Persönlichkeitsstrukturen sind dabei nicht isoliert von biologischen Faktoren zu betrachten. Erkenntnisse zur Genetik der sogenannten Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale belegen, dass mindestens 1260 Stellen im Erbgut das Wesen und das Temperament des Menschen insbesondere beeinflussen. Diese genetische Verankerung unterstreicht, dass die Neigung zu bestimmten Verhaltensmustern und Stressverarbeitungsprozessen auf tiefgreifenden neurobiologischen Voraussetzungen beruht, die das gesundheitliche Profil über die gesamte Lebensspanne hinweg mitprägen können.
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Frühe Erkrankungsformen und Persönlichkeitsveränderungen
Während Persönlichkeitszüge das Risiko für kognitive Verluste beeinflussen, führen bestimmte Krankheitsbilder ihrerseits zu einer direkten Veränderung des Wesens. Dies gilt insbesondere für die frontotemporale Demenz.
Wie die Forscherin Marit Mjørud vom Nasjonalt senter for aldring und helse darlegt, ist diese Form nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste Demenzart bei Personen unter 65 Jahren. Sie kann bereits ab dem 40. Lebensjahr auftreten und greift vorrangig Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns an. Dies wirkt sich unmittelbar auf essenzielle Steuerungsfunktionen wie die Impulskontrolle, das Urteilsvermögen sowie das allgemeine Sozialverhalten aus.
Versorgungsherausforderungen und fehlende Krankheitseinsicht
Die Folgen dieser Erkrankung stellen die medizinische und pflegerische Praxis vor erhebliche Anforderungen. Eine 2025 im Fachjournal Dementia and Geriatric Cognitive Disorders Extra veröffentlichte Fokusgruppenstudie mit 21 Gesundheitsfachkräften in Norwegen unterstreicht die bestehenden Defizite in der Betreuung.
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Die beteiligten Fachkräfte wiesen darauf hin, dass das betreuende Personal einen erhöhten Bedarf an Schulungen aufweist, um den spezifischen Verhaltensauffälligkeiten gerecht zu werden. Ein zentrales Hindernis in der Praxis stellt zudem der Umstand dar, dass die betroffenen Patienten infolge der hirnorganischen Veränderungen oft keine eigene Krankheitseinsicht besitzen.
