Demenzprävention: WHO sieht bei bis zu 45 Prozent der Fälle Ansatzpunkte
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 03:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Experten betonen zunehmend, dass Wellness über die bloße Abwesenheit von Krankheiten hinausgeht. In der modernen Arbeitswelt gewinnen präventive Strategien zur Stärkung der mentalen Widerstandsfähigkeit bei beruflicher Belastung essenziell an Bedeutung. Aktuelle Daten und Analysen verdeutlichen einen steigenden Bedarf an systematischer Gesundheitsvorsorge und individueller Resilienzförderung.
Steigende Belastungswerte in der Arbeitswelt
Eine Umfrage der KKH unter 1.000 Personen ab 18 Jahren zeigt ein deutliches Bild der aktuellen Belastungssituation. Demnach fühlen sich 54 % der Befragten gestresster als noch vor ein bis zwei Jahren. Die gesundheitlichen Folgen sind vielfältig: 61 % berichten über Müdigkeit oder Schlafstörungen, 57 % über Erschöpfung oder ein Gefühl des Ausgebranntseins.
Mehr als jede dritte befragte Person gibt eine gedrückte Stimmung an. Obwohl fast 70 % der Teilnehmer die Bedeutung langfristiger Gesundheitsvorsorge kennen, nehmen sich in Stressphasen lediglich 33 % tatsächlich Zeit dafür.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Fehlzeiten wider. In der Schweiz stiegen die krankheits- oder unfallbedingten Absenzen von Vollzeitbeschäftigten laut Daten von Unia und der workzeitung von durchschnittlich 6,3 Tagen im Jahr 2010 auf 8,1 Tage im Jahr 2025. Dabei zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen den Berufsgruppen: Während Führungskräfte 2025 im Schnitt auf 5 Fehltage kamen, verzeichneten Büroberufe fast 9,5 Tage, das Handwerk fast 11 Tage und Maschinenbediener sowie Hilfsarbeiter über 12 Tage. Ein entsprechender Bundesratsbericht beziffert die daraus resultierenden Arbeitgeberkosten auf Milliardenhöhe.
Auch der Nachwuchs ist betroffen. Der DGB-Ausbildungsreport 2026, für den 13.227 Auszubildende befragt wurden, stellt fest, dass sich 50,6 % der Befragten psychisch belastet fühlen. Als wesentliche Faktoren werden finanzieller Druck, die Wohnsituation sowie Leistungs- und Zeitdruck angeführt.
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Digitalisierung und Technostress als Risikofaktoren
Eine gemeinsame Studie des ifo-Instituts, des IAB und der Universität Konstanz untersuchte den Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Wohlbefinden.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine stärkere Digitalisierung bei Beschäftigten ohne klassische Bürojobs mit einem geringeren gesundheitlichen Wohlbefinden und höheren Fehlzeiten korreliert. In digitalisierten Arbeitsumgebungen fehlen diese Arbeitskräfte im Schnitt rund 20 % mehr Tage pro Jahr.
Als Ursache wird sogenannter Technostress durch smarte Technologien identifiziert. Interessanterweise konnte bei Büro- und Wissensberufen kein derartiger negativer Zusammenhang nachgewiesen werden. Die Forscher weisen darauf hin, dass gezielte Digital-Schulungen und eine unterstützende Führung diese negativen Folgen abfedern können, während höhere Löhne statistisch keinen Ausgleichseffekt zeigten.
Medizinethische Forderungen und globale Leitlinien
Die Medizinethikerin Alena Buyx forderte in einem Interview, die Prävention im deutschen Gesundheitssystem stärker zu priorisieren. Deutschland verfüge zwar über das teuerste Gesundheitssystem Europas, liege bei Sterblichkeit und Erkrankungsraten jedoch nur im Mittelfeld.
Buyx plädiert unter anderem für eine bessere Ernährung in Schulen und regulatorische Maßnahmen wie eine Zuckersteuer. Zudem wies sie darauf hin, dass in den kommenden Jahren ein Drittel der medizinischen Fachkräfte in Rente gehen werde, was den Handlungsdruck erhöhe.
Auf globaler Ebene hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Leitlinien zur Demenzprävention aktualisiert. Angesichts von weltweit mehr als 57 Millionen Betroffenen betont die Organisation, dass bis zu 45 % der Fälle mit modifizierbaren Risikofaktoren verbunden sind. Empfohlen werden unter anderem körperliche Bewegung, soziale Aktivität, der Verzicht auf Tabak und übermäßigen Alkohol sowie die Behandlung von Bluthochdruck und Hörschäden.
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Ansätze zur individuellen und betrieblichen Prävention
Zur Bewältigung von Überforderung empfiehlt die Psychologin Eva Asselmann, auf Warnzeichen wie Getriebenheit, Gereiztheit oder die Unfähigkeit zum Abschalten zu achten. Praktische Gegenmaßnahmen seien das Priorisieren und bewusste Streichen von Aufgaben sowie ein handyfreier Start in den Tag.
In der Arbeitspsychologie bietet das sogenannte DRAMMA-Modell einen Rahmen für effektive Erholung. Diese gelinge demnach durch das Abschalten von der Arbeit (Detachment), Entspannung, Selbstbestimmung, Kompetenzerleben, Sinnstiftung und soziale Verbundenheit.
Ergänzend dazu rücken spezifische Belastungen in den Fokus. Die europäische Fachgesellschaft EASD hat eine Leitlinie zu „Diabetes Distress“ veröffentlicht, die eine routinemäßige Abfrage emotionaler Belastungen bei Diabetes-Patienten vorsieht. Parallel dazu untersuchen Studienprojekte, wie etwa in Augsburg, digitale Selbsthilfepakete als Unterstützung bei Depressionen, um dem Mangel an Therapieplätzen zu begegnen.
