Demenzprävention, Fälle

Demenzprävention: 45% der Fälle könnten verhindert werden

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 20:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung zeigt: Bewegung, gesunde Ernährung und Hörvorsorge können das Demenzrisiko beeinflussen, während neue Modelle frühe Hinweise liefern.

Demenz vorbeugen: Bewegung, Ernährung und Hörtests im Fokus
Ein sonnendurchfluteter Waldweg in einem herbstlichen Park, der Ruhe und Naturverbundenheit ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des am 21. September begangenen Welt-Alzheimertags rücken die Universität Freiburg und das Uniklinikum Freiburg die Prävention von Demenzerkrankungen in das öffentliche Bewusstsein. Im Zentrum stehen dabei beeinflussbare Risikofaktoren, die einen signifikanten Einfluss auf die kognitive Gesundheit im Alter haben können.

Experten der Universität weisen in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung von regelmäßiger Bewegung, der konsequenten Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes sowie den Verzicht auf das Rauchen hin. Ebenso werden geistige und soziale Aktivitäten als wesentliche Säulen der Vorsorge hervorgehoben.

Präventionspotenzial und modifizierbare Faktoren

Die Relevanz dieser präventiven Maßnahmen wird durch den Bericht der Lancet Commission aus dem Jahr 2024 untermauert. Demnach zählen Depressionen und soziale Isolation zu insgesamt 14 modifizierbaren Risikofaktoren. Den Analysen zufolge könnten weltweit theoretisch rund 45 Prozent der Demenzfälle verzögert oder gänzlich verhindert werden, sofern alle diese Faktoren gezielt adressiert würden.

Ergänzende Forschungsergebnisse, die im British Journal of Sports Medicine im Jahr 2024 sowie in JAMA Neurology veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass bereits fünf spezifische Lebensgewohnheiten das Demenzrisiko um bis zu 40 Prozent senken können.

Allein regelmäßige körperliche Aktivität trage zu einer Risikoreduktion in dieser Größenordnung bei. Strukturierte kognitive Trainings können das Risiko laut Berichten in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia um bis zu 25 Prozent mindern.

Ernährung und Hörvermögen als Schlüsselelemente

Einen weiteren Schwerpunkt der aktuellen Forschung bildet der Zusammenhang zwischen Ernährung und dem biologischen Alter. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), die in Nature Communications erschien, untersuchte die Gewohnheiten von rund 7.500 Erwachsenen.

Zehn verschiedene gesunde Ernährungsstile, darunter die mediterrane Kost, die DASH-Diät und pflanzliche Ansätze, waren mit einem verlangsamten biologischen Altern assoziiert.

Während herzbezogene Signalwege spezifisch auf die DASH-Diät ansprachen, zeigten sich kognitive Pfade besonders empfänglich für die MIND-Diät. Eine konsequente Einhaltung der MIND-Diät könne das Demenzrisiko laut einer Studie aus dem Jahr 2025 um 25 Prozent senken.

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Die Bundesinnung der Hörakustiker (biha) informiert zudem über den Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und Demenz. Präsident Eberhard Schmidt betonte, dass ein deutlicher Korridor zwischen beiden Beeinträchtigungen bestehe.

Studien in der Fachzeitschrift The Lancet deuten darauf hin, dass der ausgleich eines Hörverlusts das Demenzrisiko senken kann. Da Hörverlust bei Demenzpatienten leicht übersehen wird, plädieren Fachleute für regelmäßige Hörtests als festen Bestandteil der Gesundheitsversorgung.

Statistische Entwicklung und Versorgungsmodelle

Die Relevanz präventiver Ansätze wird durch aktuelle Zahlen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft verdeutlicht. Demnach leben in Deutschland derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung.

Die statistische Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung steigt mit dem Alter massiv an: Während bei den 60-Jährigen jede hundertste Person betroffen ist, liegt die Quote bei den über 90-Jährigen bei mehr als einem Drittel.

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Jährlich nimmt die Gesamtzahl um bis zu 40.000 Personen zu, wobei mehr als 100.000 Betroffene jünger als 65 Jahre sind. Für Österreich schätzt die Ludwig Boltzmann Gesellschaft die Zahl der Betroffenen auf rund 170.000.

In der Versorgung kommen vermehrt interdisziplinäre Konzepte zum Einsatz. Die Memory Klinik der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz setzt beispielsweise auf das MAKS-Konzept, das motorische, alltagspraktische, kognitive und soziale Aspekte kombiniert. Obwohl eine Heilung derzeit nicht möglich ist, zielen solche Ansätze auf die Stabilisierung der Patienten ab.

Neue Erkenntnisse aus der neurologischen Forschung

Innovative Forschungsansätze untersuchen zudem technologische und physiologische Frühwarnsignale. Neurowissenschaftler Omer Sharon von der Universität Kalifornien Berkeley untersuchte den Zusammenhang zwischen Tau-Proteinen und Schlafmustern. Dabei zeigte sich, dass eine Tau-Belastung im Frontalkortex mit kürzeren, isolierten langsamen Wellen im Nicht-REM-Schlaf korreliert, was wiederum die Gedächtnisfestigung beeinträchtigen kann.

Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis entwickelten zudem Modelle, die anhand von GPS-Daten des Fahrverhaltens kognitive Einschränkungen mit einer Genauigkeit von bis zu 87 Prozent vorhersagen können. Personen mit sinkender Kognition fuhren demnach seltener, kürzere Strecken und vermieden fahrten bei Nacht.

Auch soziale Faktoren bleiben im Fokus: Daten der SHARE-Studie, die Dr. Keir Philip vom Imperial College London vorstellte, belegen eine Korrelation zwischen Rauchen und erhöhten Einsamkeitswerten bei älteren Erwachsenen, was wiederum als indirekter Risikofaktor für die kognitive Verschlechterung gilt.

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