Demenz-Risiko: Bewegungsmangel gefährdet bereits 20- bis 39-Jährige
16.06.2026 - 04:03:14 | boerse-global.de
Neue Forschung zeigt: Die Weichen für Demenz werden viel früher gestellt als gedacht.
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Falscher Lebensstil gefährdet das Gehirn
Eine Studie der Universität Leipzig hat alarmierende Daten vorgelegt. Forscher analysierten die Daten von rund 150.000 Teilnehmern der NAKO-Gesundheitsstudie im Alter zwischen 20 und 75 Jahren. Ihr Werkzeug: der LIBRA-Index (Lifestyle for Brain Health), der zwölf Lebensstilfaktoren bewertet.
Die Ergebnisse sind eindeutig. Bereits bei 20- bis 39-Jährigen zeigen Risikofaktoren messbare Auswirkungen auf die kognitive Leistung. Bewegungsmangel, Rauchen und Depressionen dominieren in dieser Gruppe. Bei älteren Probanden sind dagegen Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin und Herzkrankheiten die Haupttreiber.
Die Studie erschien im Mai 2026 im Fachjournal Alzheimer's & Dementia.
Frühe Prävention als Schlüssel
Prof. Riedel-Heller von der Universität Leipzig betont: Präventionsmaßnahmen müssen bereits im jungen Erwachsenenalter ansetzen. „Die Weichen für die kognitive Gesundheit im Alter werden wesentlich früher gestellt als bisher angenommen", so die Wissenschaftlerin.
Die Analyse zeigte zudem einen Zusammenhang zwischen niedrigem sozioökonomischem Status und höherem Risiko-Score.
Die Lancet-Kommission bestätigt die Relevanz: Weltweit wären rund 45 Prozent aller Demenz-Fälle durch die Beeinflussung von 14 spezifischen Risikofaktoren vermeidbar. Bewegungsmangel ist ein zentraler Punkt. Körperlich aktive Menschen haben ein um etwa 20 Prozent geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen als zusätzlicher Faktor
Forscher untersuchten im Frühjahr 2026 den Einfluss von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Alzheimer. Eine Studie mit knapp 790.000 Personen identifizierte niedrigen Blutdruck als signifikanten Risikofaktor. In der UK Biobank war das Alzheimer-Risiko bei Betroffenen um das 2,74-Fache erhöht.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift der American Heart Association veröffentlicht.
Deutschland vor massiven Herausforderungen
Aktuell sind in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen – etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Bis 2050 könnte diese Zahl auf 2,7 Millionen steigen. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) schätzt, dass rund 36 Prozent der Fälle auf veränderbare Risikofaktoren zurückgehen.
Die wirtschaftliche Belastung ist enorm. Bereits 2016 lagen die Kosten bei rund 73 Milliarden Euro. Eine Prognose des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) erwartet bis 2060 bis zu 2,1 Millionen Erkrankte.
Besonders ländliche Regionen in Ostdeutschland sind betroffen. Für 2060 prognostizieren Experten regionale Prävalenzen zwischen 1,7 Prozent in München und bis zu 6,2 Prozent im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis.
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Weniger Pflegekräfte für mehr Patienten
Die Belastung der erwerbsfähigen Bevölkerung nimmt zu. Kamen 2020 noch 38 Erwerbsfähige auf einen Demenzfall, werden es 2060 voraussichtlich nur noch 21 sein.
Experten sehen einen Ausweg: Konsequente Prävention könnte die Zahl der Neuerkrankungen bis 2060 stabilisieren. In einem optimalen Szenario wäre eine Begrenzung auf 1,3 bis 1,5 Millionen Fälle möglich.
Die Botschaft der Forscher ist klar: Mediterrane Ernährung, kognitive Aktivität und ausreichend Bewegung müssen bereits in jungen Jahren zum Alltag gehören. Das Gehirn dankt es – Jahrzehnte später.
