Demenz-Prävention: WHO setzt auf Bewegung, nicht auf Vitamin-Pillen
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 04:15 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das Vanderbilt Memory and Aging Project untersuchte über fünf Jahre hinweg 758 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 67 Jahren. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachmagazin Alzheimer's & Dementia, zeigen: Bei kognitiv unbeeinträchtigten Erwachsenen führt ein höherer Fettanteil in der Nahrung zu einer schnelleren Schrumpfung des Temporallappens.
Schutz fürs kranke Gehirn?
Bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) kehrt sich der Effekt um. Hier war eine höhere Fettzufuhr mit einer langsameren Vergrößerung der Hirnventrikel verbunden – ein möglicher Hinweis auf eine schützende Wirkung.
Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei Frauen und Trägern des APOE-?4-Gens. Die Forscher betonen jedoch: Als Beobachtungsstudie liefert die Untersuchung keine kausalen Belege.
Organfett als Risikofaktor
Eine zweite Studie, vorgestellt im Fachjournal Radiology, untersuchte die Verbindung zwischen Organfett und Hirnstruktur. Die MRT-Analyse von rund 26.000 Teilnehmern der UK Biobank zeigt: Ein Fettprofil mit Schwerpunkt auf der Bauchspeicheldrüse korreliert mit einer Reduktion der grauen Substanz um bis zu 3,4 Prozent.
Gleichzeitig steigt die Zahl der Hyperintensitäten im Gehirn massiv an. Das Risiko für neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Schlaganfall erhöht sich signifikant. Bei Frauen mit diesem Profil wurde ein dreieinhalbfach erhöhtes Risiko für Epilepsie festgestellt.
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Auch das sogenannte Skinny-fat-Profil – normales Körpergewicht bei hohem Körperfettanteil – steht laut den Analysen mit höheren Depressions- und Schlaganfallraten in Verbindung.
WHO aktualisiert Demenz-Leitlinien
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) reagierte im Juli 2026 auf die wachsende Datenlage. Schätzungen zufolge sind bis zu 45 Prozent des weltweiten Demenzrisikos durch veränderbare Lebensstilfaktoren beeinflussbar.
Neben bewährten Maßnahmen wie Bewegung, Rauchstopp und Blutdruckbehandlung setzt die WHO nun verstärkt auf soziale Aktivität und kognitive Anregung durch Lesen oder Spiele. Neu aufgenommen in den Risikofaktoren-Katalog: Luftverschmutzung.
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Von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin B, Vitamin E oder Omega-3-Fettsäuren rät die WHO ab – sofern kein klinisch nachgewiesener Mangel vorliegt.
Diabetes-Medikamente gegen Alzheimer?
Parallel zu Lebensstilanpassungen rücken Medikamente aus der Diabetestherapie in den Fokus der Demenzprävention. Eine Auswertung von 112.000 Teilnehmern, veröffentlicht im JAMA Network Open, deutet darauf hin: SGLT2-Inhibitoren könnten das Alzheimer-Risiko um bis zu 43 Prozent senken. Für GLP-1-Agonisten wurde eine Risikoreduktion von rund 33 Prozent ermittelt.
Bei spezifischen Anti-Tau-Therapien zeigen sich gemischte Resultate. Der Wirkstoff Diranersen verlangsamte in Phase-2-Studien den kognitiven Abbau bei niedriger Dosierung um bis zu 42 Prozent. Andere Ansätze, wie der OGA-Hemmer Ceperognastat, verfehlten trotz Reduktion von Tau-Fibrillen den klinischen Nutzen.
Experten betonen: Der Zeitpunkt der Intervention und die Kombination verschiedener Therapieansätze dürften entscheidend für den Erfolg bei der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen sein.
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