Demenz-Prävention, Rauchen

Demenz-Prävention: Rauchen erhöht Risiko um 40 Prozent

23.06.2026 - 07:12:07 | boerse-global.de

Lebensstilfaktoren wie Rauchen beeinflussen Demenz massiv. Eine Studie zeigt: Früher Rauchstopp senkt das Risiko wieder auf Normalniveau.

Metaanalyse: Raucher haben 30 Prozent höheres Demenzrisiko
Demenz-Prävention - Eine einzelne, glühende Zigarette in einem Aschenbecher, Rauch steigt auf. Der Hintergrund ist unscharf und deutet auf eine medizinische Umgebung hin. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders Raucher sind betroffen.

Die am 22. Juni veröffentlichte Untersuchung wertete 37 Einzelstudien aus. Das Ergebnis ist eindeutig: Aktive Raucher haben ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko für allgemeine Demenz. Bei Alzheimer steigt das Risiko sogar um 40 Prozent.

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Die Intensität des Konsums spielt eine entscheidende Rolle. Pro 20 täglich gerauchter Zigaretten erhöht sich das Risiko statistisch um 34 Prozent. Die gute Nachricht: Ehemalige Raucher zeigen in der Analyse kein erhöhtes Risiko mehr. Ein frühzeitiger Rauchstopp lohnt sich also.

Prävention muss früh ansetzen

Forscher der Universität Leipzig haben im Juni in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia publiziert. Sie untersuchten Daten von knapp 150.000 Teilnehmern im Alter zwischen 20 und 75 Jahren.

Das Ergebnis: Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen zeigen bereits bei den 20- bis 39-Jährigen messbare Unterschiede in der kognitiven Leistungsfähigkeit. Rund 36 Prozent aller Demenzfälle wären durch frühzeitige Interventionen vermeidbar.

Dabei gibt es deutliche soziale Unterschiede. Personen mit geringerem Bildungsstand oder niedrigerem Einkommen weisen höhere Risikowerte auf. Auch Männer sind im Durchschnitt stärker gefährdet als Frauen.

Blutdruck: Das überraschende Paradox

Bluthochdruck ist ein bekannter Risikofaktor. Er steigert das Alzheimer-Risiko um das 1,57-Fache. Doch eine aktuelle Analyse von über 700.000 Datensätzen zeigt: Niedriger Blutdruck ist noch gefährlicher. Er erhöht das Risiko um das 2,74-Fache.

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Auch Herzrhythmusstörungen und vorangegangene Schlaganfälle wurden als relevante Faktoren identifiziert. Sie steigern das Risiko um das 1,52- beziehungsweise 1,49-Fache.

Impfungen und Medikamente: Überraschende Effekte

Daten der Brown University von über 500.000 Pflegeheimbewohnern belegen: Eine Impfung gegen Gürtelrose senkt das Demenzrisiko um 24 Prozent.

Auch Diabetes-Medikamente zeigen positive Effekte. SGLT2-Inhibitoren reduzieren das Alzheimer-Risiko bei Diabetikern um 43 Prozent, GLP-1-Rezeptoragonisten um 33 Prozent.

Vorsicht ist dagegen bei Glucosamin geboten. Eine Untersuchung von UF-Health warnt: Bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung erhöht die Einnahme das Alzheimer-Risiko um 25 Prozent.

Fortschritte in der Früherkennung

Ein Bluttest des Herstellers Roche zur Bestimmung von p-Tau217 erhielt im Frühjahr die CE-Kennzeichnung. Das Verfahren ermöglicht den Nachweis einer Amyloid-Pathologie mit hoher Präzision.

Noch schneller geht es mit einer neuen Analyseplattform von Sysmex. Sie bestimmt das Verhältnis von p-Tau217 und Amyloid innerhalb von 17 Minuten mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent. KI-gestützte Ansätze der Washington University erreichen sogar Genauigkeitsraten von über 92 Prozent.

Demografische Entwicklung: Die Zeit drängt

Eine Prognose der AOK für Baden-Württemberg zeigt die Dimensionen. Die Zahl der Demenzkranken könnte von aktuell 150.000 auf über 280.000 im Jahr 2060 ansteigen. Durch konsequente Präventionsmaßnahmen ließe sich der Zuwachs auf 170.000 bis 200.000 Fälle begrenzen.

Besonders kritisch ist das Versorger-Verhältnis. Kamen im Jahr 2020 statistisch noch 48 Erwerbstätige auf einen Demenzfall, wird dieser Wert bis 2060 voraussichtlich auf 23 sinken. Die ökonomische Notwendigkeit, modifizierbare Risikofaktoren frühzeitig zu adressieren, war nie größer.

de | wissenschaft | 69607852 |