Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: 23 Millionen Deutsche warten über zwei Jahre

23.06.2026 - 07:07:20 | boerse-global.de

Millionen Deutsche leiden jahrelang unter chronischen Schmerzen. Neue Behandlungsansätze wie Cannabis und KI-Diagnostik bieten Hoffnung.

Chronische Schmerzen in Deutschland: Lange Wartezeiten und neue Therapien
Chronische - Eine Nahaufnahme einer Hand, die sanft eine Schläfe berührt, was Schmerz oder Nachdenklichkeit vermittelt. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Sechs Millionen sind im Alltag stark eingeschränkt. Doch der Weg zur richtigen Behandlung dauert oft Jahre.

Mehr als die Hälfte der Betroffenen wartet über zwei Jahre, bis eine adäquate Therapie beginnt. Nur jeder elfte Patient wird rechtzeitig an einen Spezialisten überwiesen. Die Folge: unnötiges Leid und enorme Kosten.

Wirtschaftlicher Druck durch unzureichende Versorgung

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Die jährlichen Behandlungskosten für chronische Schmerzen liegen zwischen 30 und 50 Milliarden Euro. Fast jede fünfte Krankschreibung in Deutschland geht auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zurück.

Dabei zeigen konservative Methoden durchaus Erfolge. Im Rehabilitationsinstitut des Bach Mai Krankenhauses helfen etwa Paraffin-Anwendungen und Dehnungsübungen bei Nervenkompressionen. Doch die korrekte Diagnose seltener Schmerzsyndrome bleibt schwierig – ein Wiener Gutachterstreit bei Cluster-Kopfschmerz zeigt die Probleme im Versicherungswesen.

Cannabis als Therapieoption

Seit April 2024 ist der Zugang zu medizinischem Cannabis einfacher. Das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) nahm die Substanz aus dem Betäubungsmittelgesetz. Eine Begleitstudie des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zeigt: Über 75 Prozent der Cannabis-Rezepte gehen an chronische Schmerzpatienten.

Moderne Ansätze: Mehr als nur Pillen

Die Therapie setzt zunehmend auf das biopsychosoziale Modell. Bei chronischen Rückenschmerzen – etwa ein Fünftel der Deutschen ist betroffen – kombinieren multimodale Programme Bewegungstherapie, Verhaltenstherapie und ergonomische Anpassungen.

Neue Erkenntnisse zeigen zudem die Bedeutung der Muskelzusammensetzung. Höhere Muskelmasse schützt vor Schmerzen, ein erhöhter Fettanteil in der Rückenmuskulatur erhöht dagegen das Risiko.

Schlafstörungen und die Folgen

Chronische Schmerzen und Schlafprobleme hängen eng zusammen. Laut einer Ipsos- und HelloBetter-Studie klagen 26 Prozent der Deutschen über sehr schlechte Schlafqualität.

Eine große Studie im Fachmagazin Nature mit 500.000 Teilnehmern der UK Biobank identifizierte ein optimales Schlaffenster: Für Frauen liegt es zwischen 6,4 und 7,8 Stunden, für Männer zwischen 6,4 und 7,7 Stunden. Abweichungen beschleunigen die Alterung von Organen wie Herz, Lunge und Gehirn.

Schnelltest für Übermüdung in Sicht

Ein Forschungsteam der Universität Zürich um Professor Thomas Krämer identifizierte zehn Biomarker im Speichel, die akuten Schlafentzug nachweisen. Da Übermüdung rund zehn Prozent aller Biomoleküle im Speichel beeinflusst, könnten künftig Schnelltests im Straßenverkehr oder in sicherheitsrelevanten Berufen zum Einsatz kommen.

Krankenhausreform gefährdet Schmerztherapien

Trotz medizinischer Fortschritte warnen Klinikvertreter vor einer Verschlechterung der Versorgung. Am Marien-Hospital Euskirchen betonten Experten beim Besuch von Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums die Risiken der geplanten Krankenhausreform.

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Schätzungen zufolge könnten 22 Prozent der Kliniken mit multimodalen Schmerztherapien betroffen sein. Das würde bis zu 44 Prozent der stationären Schmerzbehandlungen gefährden.

KI-gestützte Früherkennung als Ausweg?

Hochspezialisierte Präventionsangebote gewinnen an Bedeutung. Die Berliner Klinik YEARS setzt auf KI-gestützte Diagnostik mit über 230 Biomarkern, um gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen und Organfunktionen langfristig zu erhalten. Ob solche Ansätze die Versorgungslücke schließen können, bleibt abzuwarten.

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