Demenz-Prävention, Blutdruck

Demenz-Prävention: Blutdruck, Diabetes-Verzicht verzögern um 13 Jahre

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 10:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Osloer Forschende erkennen frühe Veränderungen der Hirnrinde. Bluttests, Darmflora und Lebensstil liefern weitere Hinweise auf Demenzrisiken.

Alzheimer-Forschung: Hirnveränderungen Jahre vor Amyloid-Nachweis
Abstrakte Darstellung neuronaler Vernetzungen im Gehirn mit leuchtenden Strukturen auf dunklem Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsergebnisse der Universität Oslo geben neue Einblicke in die zeitliche Abfolge der Alzheimer-Erkrankung. Den Untersuchungen zufolge lassen sich Veränderungen in der Hirnrinde bereits mindestens sieben Jahre vor dem ersten Nachweis von Amyloid-Ablagerungen feststellen.

In dieser frühen Phase wiesen Betroffene eine dickere Hirnrinde auf, die zudem langsamer dünner wurde als in späteren Stadien. Die in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience veröffentlichten Ergebnisse legen nahe, dass die Magnetresonanztomografie (MRT) künftig als präziser Marker für die Früherkennung dienen könnte.

Fortschritte in der Diagnostik und biologische Marker

Parallel zu bildgebenden Verfahren gewinnen Bluttests an Bedeutung für die klinische Praxis. Bereits im Mai 2025 erteilte die US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für den Lumipulse G pTau217/?-Amyloid 1-42 Plasma Ratio Test von Fujirebio Diagnostics.

Dieser Bluttest ist seit August 2025 kommerziell verfügbar und richtet sich an Personen ab 55 Jahren mit kognitiven Symptomen. In Studien erreichte das Verfahren eine positive Übereinstimmung von 97 Prozent mit PET-Scans. Zudem deutet die BioFINDER-Studie darauf hin, dass der Wert p-tau217 bereits Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome ansteigt.

Ergänzend dazu untersuchen Forscher in Australien den Zusammenhang zwischen der Darmflora und der Krankheitsentwicklung. Ein im August 2026 veröffentlichter Bericht in der Fachzeitschrift Nutrients zeigt, dass Veränderungen des Mikrobioms – etwa eine Abnahme von kurzkettige Fettsäuren produzierenden Bakterien wie Eubacterium und Roseburia bei gleichzeitiger Zunahme von Escherichia – Jahre vor Alzheimer-Symptomen auftreten können. Zur Unterstützung einer gesunden Darmflora werden Ernährungsformen wie die Mittelmeer-, DASH- oder MIND-Kost angeführt.

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Präventionsstrategien und Lebensstilfaktoren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziffert die Zahl der weltweit an Demenz erkrankten Menschen auf 57 Millionen, wobei jährlich rund 10 Millionen Neuerkrankungen hinzukommen. Angesichts dieser Zahlen rückt die Prävention in den Fokus. Experten wie Sarah Harper von der Universität Oxford gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller Demenzfälle vermeidbar wäre.

Eine Langzeitstudie der NYU, die über 25 Jahre hinweg mehr als 12.000 demenzfreie Probanden beobachtete, identifizierte drei zentrale Faktoren für das mittlere Lebensalter (45 bis 65 Jahre): Die Kontrolle des Blutdrucks, die Vorbeugung von Diabetes und der Verzicht auf das Rauchen können den Ausbruch einer Demenz um etwa 13 Jahre verzögern.

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Weitere präventive Ansätze werden in verschiedenen Forschungsbereichen diskutiert:
* Impfschutz: Eine Studie der Brown University mit Daten von über 500.000 Pflegeheimbewohnern deutet darauf hin, dass die Gürtelrose-Impfung Shingrix das Demenzrisiko um 24 Prozent senken könnte.
* Thermische Effekte: Eine finnische Langzeitstudie beobachtete bei Männern, die vier bis sieben Mal pro Woche die Sauna nutzten, ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz.
* Immunumgebung: Berichte vom September 2026 weisen darauf hin, dass sich bereits ab dem 50. Lebensjahr die Immunumgebung im Hippocampus verändert, was als früher Mechanismus der Neurodegeneration gewertet wird.

Klinische Studien und Versorgungsmodelle

Die pharmazeutische Industrie intensiviert die Suche nach präventiven Medikamenten. Das Unternehmen Roche hat in Großbritannien die Preventron-Studie gestartet, an der 1600 gesunde Personen im Alter zwischen 55 und 80 Jahren teilnehmen.

Über einen Zeitraum von vier bis sechs Jahren wird die Wirksamkeit des Wirkstoffs Trontinemab im Vergleich zu einem Placebo untersucht. In der Schweiz, wo jährlich 35.000 Neuerkrankungen verzeichnet werden, leben derzeit etwa 160.000 Menschen mit einer Demenzdiagnose.

Auch die Versorgungsstrukturen für Betroffene entwickeln sich weiter. Das niederländische Demenzdorf „The Hogeweyk“ gilt mit 188 Bewohnern in 27 Häusern und eigener Infrastruktur als Modellprojekt. In Deutschland existieren ähnliche Ansätze wie das Demenzdorf „Tönebön“, wobei hier die Eigenanteile der Bewohner mit monatlich 4.244 Euro deutlich über den Sätzen in den Niederlanden (200 bis 2500 Euro) liegen können.

Unabhängig von medizinischen Fortschritten bleibt die soziale Teilhabe ein zentraler Aspekt. Organisationen wie die KlinikClowns Bayern nutzen Humor und Musik zur Steigerung der Lebensqualität in Seniorenheimen, insbesondere im Hinblick auf den jährlich am 21. September stattfindenden Welt-Alzheimertag.

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