Demenz-Prävention: 150 Min. Sport senken Risiko um 40%
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 03:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medizinische Fachleute und aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen rücken Faktoren in den Fokus, die den menschlichen Alterungsprozess beschleunigen. Dabei werden insbesondere unentdeckte Gesundheitsrisiken sowie die Bedeutung des Lebensstils für die langfristige Vitalität thematisiert.
Erkenntnisse der Paracelsus-10.000-Studie zu metabolischen Risiken
Umfangreiche Daten zur Gesundheitslage liefert die Paracelsus-10.000-Studie, deren erste Phase im Zeitraum von 2013 bis Februar 2020 durchgeführt wurde. In Salzburg wurden dabei 10.044 Teilnehmer im Alter zwischen 40 und 77 Jahren untersucht, darunter 5176 Frauen und 4868 Männer.
Die Ergebnisse belegen eine hohe Verbreitung von Risikofaktoren: Demnach waren 58 Prozent der Probanden übergewichtig oder adipös. Bei 31,3 Prozent fanden sich Hinweise auf eine Insulinresistenz, während 24,4 Prozent einen Blutdruck von über 140/90 mmHg aufwiesen, ohne hierfür Medikamente einzunehmen.
Hinsichtlich der körperlichen Aktivität zeigte die Studie Defizite auf. Lediglich 35 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer erreichten das empfohlene Maß von 150 Minuten Bewegung pro Woche. Eine derzeit laufende zweite Phase der Untersuchung konzentriert sich speziell auf die Gehirngesundheit mittels Magnetresonanztomographie (MRT) und Magnetoenzephalographie (MEG).
Bluthochdruck und Nierengesundheit als schleichende Gefahren
Ein wesentlicher Faktor für Organschäden ist Bluthochdruck, der oft symptomlos bleibt. Laut Professor Bernhard Kuch vom Stiftungskrankenhaus Nördlingen sind 20 bis 25 Prozent der 40- bis 49-Jährigen betroffen.
In der Altersgruppe der 60- bis 70-Jährigen steigt dieser Anteil auf 60 bis 61 Prozent, bei den über 70-Jährigen auf 75 Prozent. Als optimal gelten Werte zwischen 120–129/70–79 mmHg. Der Experte empfiehlt regelmäßiges Messen ab dem 35. Lebensjahr.
Eng mit Herz-Kreislauf-Problemen verknüpft ist die chronische Nierenerkrankung (CKD), an der knapp 10 Prozent der österreichischen Bevölkerung leiden. Aktuelle Leitlinien raten zu einem jährlichen Screening bei Patienten mit Diabetes oder Hypertonie.
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In der Therapie kommen neben bewährten RAS-Blockern auch SGLT2-Inhibitoren zum Einsatz. Eine chinesische Studie vom August 2026 deutet zudem darauf hin, dass der Wirkstoff Hederagenin, der in Efeu oder Schwarzkümmel vorkommt, die Nierenfunktion durch die Reaktivierung des Klotho-Gens verbessern könnte.
Lebensstilfaktoren und Prävention von Demenz
Untersuchungen, unter anderem in JAMA Neurology veröffentlicht, identifizieren das Nichtrauchen als wichtigsten Faktor zur Senkung des Demenzrisikos. Eine sportliche Betätigung von 150 Minuten pro Woche kann das Risiko laut Daten aus dem Jahr 2024 um bis zu 40 Prozent reduzieren.
Zudem zeigen Studien aus demselben Jahr, dass die Kombination aus Nichtrauchen, normalem Blutdruck und stabilen Blutzuckerwerten das Leben ohne Demenz um bis zu 13 Jahre verlängern kann.
Beim Alkoholkonsum wird zur Mäßigung geraten: Maximal ein Getränk pro Tag für Frauen und zwei für Männer gelten als Richtwert. Ein chronischer Alkoholmissbrauch verkürzt die Lebenserwartung laut Studien der Universitäten Greifswald und Lübeck im Mittel um etwa 20 Jahre. Männer versterben in diesem Zusammenhang durchschnittlich mit 58 Jahren, Frauen mit 60 Jahren.
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Biologische Marker und äußere Einflüsse auf das Altern
Der Longevity-Experte Professor Dr. Thomas Kälicke benennt insgesamt 12 Faktoren, die das Altern beschleunigen. Neben dem Lebensstil spielen auch biologische Prozesse eine Rolle. Ernährungsmedizinerin Michaela Axt-Gadermann weist darauf hin, dass oxidativer Stress und Nährstoffmangel wie ein Defizit an Selen, Zink oder Kupfer das Ergrauen der Haare fördern können, was meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr beginnt.
Zudem beeinflussen Umwelteinflüsse die Gesundheit massiv. Eine Analyse der UK-Biobank bei rund 73.000 Menschen zeigte, dass eine hohe Nachtlicht-Belastung von über 3 Lux das Risiko für Herzschwäche um 29 Prozent und für Schlaganfälle um 33 Prozent steigern kann.
Auf molekularer Ebene wies Professor Tomohisa Toda von der FAU Erlangen-Nürnberg nach, dass bestimmte RNA-Moleküle in den Neuronen ein Leben lang stabil bleiben und die Chromatin-Integrität regulieren, was für die Alzheimer-Forschung von hoher Relevanz ist.
Ganzheitliche Ansätze und Ernährungsstrategien
Für eine verzögerte Alterung empfahl der Neurochirurg Dr. Joseph Maroon ein Modell aus vier Säulen: Beruf, Familie, Spiritualität und Gesundheit. Praktische Ernährungsratschläge beinhalten den Verzicht auf zuckerhaltige Fertigprodukte und die Bevorzugung von Lebensmitteln mit niedrigem glykämischem Index, wie etwa Overnight Oats.
Experten raten zudem zur Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln: Hochkonzentrierte Anthocyane oder Isoflavone können laut Doris Marko von der Universität Wien Wechselwirkungen mit Medikamenten oder Therapien aufweisen.
Zentren wie Bad Wörishofen setzen verstärkt auf moderne Longevity-Angebote, die auf dem Fundament der klassischen Kneippkur basieren. Diese integrieren heute spezialisierte Formate für Schlafkuren und Stressbewältigung, um den Herausforderungen des modernen Alterns zu begegnen.
