Demenz, Fälle

Demenz: 36 Prozent aller Fälle durch Lebensstil vermeidbar

13.06.2026 - 12:47:45 | boerse-global.de

Akademien fordern bessere Datennutzung für Prävention. Neue Studien zeigen Risiken durch niedrigen Blutdruck und Fertigessen.

Demenz-Prävention: Lebensstil-Änderungen könnten 36% der Fälle verhindern
Demenz - Ein detailliertes Modell eines gesunden Gehirns mit leuchtenden neuronalen Pfaden und überlagerten Datenvisualisierungen. 13.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Wissenschaftler schlagen Alarm: Rund 36 Prozent aller Demenzfälle in Deutschland ließen sich durch gezielte Veränderungen von Lebensstil und Umweltfaktoren vermeiden. Das geht aus einer aktuellen Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und Acatech hervor.

Die Experten fordern eine systematischere Erhebung und Auswertung von Gesundheitsdaten. Nur so ließen sich passgenaue Präventionsstrategien entwickeln. Ihr Rechenbeispiel zeigt: Senkt man die zwölf wichtigsten Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Schwerhörigkeit um lediglich 15 Prozent, könnten bis 2050 rund 170.000 Neuerkrankungen verhindert werden.

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Das größte Hindernis: Die vorhandenen Daten sind bislang kaum miteinander verknüpft.

Unterschätzte Risikofaktoren: Niedriger Blutdruck und Fertigessen

Die Forschung erweitert derzeit das Verständnis davon, was unserem Gehirn schadet. Eine Analyse von 800.000 Datensätzen im „Journal of the American Heart Association" (Juni 2026) liefert überraschende Ergebnisse: Nicht nur Bluthochdruck ist gefährlich. Chronisch niedriger Blutdruck erhöht das Alzheimer-Risiko sogar um das Dreifache. Bluthochdruck steigert es „nur" um das 1,6-Fache.

Auch die Ernährung rückt in den Fokus. Der häufige Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel erhöht das Demenzrisiko um satte 58 Prozent. Eine französische Studie vom Juni 2026 zeigt zudem: Bestimmte Konservierungsstoffe wie Kaliumsorbat (E202) oder Natriumnitrit (E250) können Bluthochdruck und damit indirekt Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen.

Die gute Nachricht: Zwei bis drei Tassen Kaffee pro Tag scheinen das Demenzrisiko zu senken.

Neue Strategien in der Alzheimer-Forschung

Die Pharmaindustrie verändert ihre Strategie. Ein Pipeline-Report vom Januar 2026 zeigt: Von 158 Wirkstoffen in 192 klinischen Studien zielen nur noch 20 Prozent auf die Reduzierung von Amyloid-Ablagerungen ab. Vor zehn Jahren war es noch ein Drittel.

Stattdessen rücken andere Ansätze in den Mittelpunkt:
- Entzündungsprozesse (18 Prozent der Studien)
- Tau-Protein (20 Prozent)
- Neurotransmitter (24 Prozent)

Vielversprechende Kandidaten gibt es bereits. Der Diabetes-Wirkstoff Semaglutid senkte in der FLOW-Studie das Demenzrisiko bei Typ-2-Diabetikern um bis zu 53 Prozent. Donanemab von Lilly verzögert den geistigen Verfall über drei Jahre. Ab dem 1. Juli 2026 ist die Vergütung in Deutschland geregelt.

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Früherkennung: Apps und Bluttests

Die Diagnostik macht ebenfalls Fortschritte. Smartphone-Apps des Anbieters neotiv zeigen in Studien des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) eine höhere Sensitivität bei der Erkennung beginnender Gedächtnisstörungen als herkömmliche Kliniktests.

Neue Bluttests können fehlgefaltete Proteine bereits Jahre vor dem Auftreten erster Symptome nachweisen.

Pestizide als Berufskrankheit anerkannt

Ende Mai 2026 erkannte das Bundeskabinett das Parkinson-Syndrom durch bestimmte Pestizide als Berufskrankheit an. Betroffen sind vor allem Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau. In Deutschland leben rund 400.000 Menschen mit Parkinson. Weltweit rechnen Experten bis 2050 mit über 25 Millionen Fällen.

Der Darm als Schlüssel zum gesunden Altern

Forscher des Leibniz-Instituts für Alternsforschung entdecken einen weiteren wichtigen Faktor: die Darmbarriere. Deren Integrität spielt eine entscheidende Rolle beim sogenannten „Inflammaging“ – chronischen Entzündungsprozessen im Alter. Diese können Alzheimer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Eine intakte Immunüberwachung im Darm wird zunehmend als Schlüssel für gesundes Altern betrachtet.

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