Schmerzmittel: Cannabis-Präparat Exilby ohne Abhängigkeitsrisiko zugelassen
13.06.2026 - 12:39:08 | boerse-global.de
Das Münchner Biotech-Unternehmen Vertanical hat im Juni 2026 die Zulassung für Exilby erhalten – ein Präparat auf Basis eines Cannabis-Vollspektrum-Extrakts. Es ist für chronische Kreuzschmerzen mit neuropathischer Komponente sowie für neuropathische Schmerzen zugelassen.
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Die Opioid-Falle: Zahlen, die alarmieren
Die Risiken der herkömmlichen Opioid-Therapie sind dramatisch. Eine im Fachmagazin JAMA veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2026 zeigt: Knapp 9 Prozent der Patienten, die eine Opioid-Überdosis überlebt haben, sterben innerhalb eines Jahres. Rund 21 Prozent erleiden eine erneute Überdosierung.
In Deutschland werden jährlich etwa 20 Millionen Opioid-Rezepte ausgestellt. Weltweit leiden mehr als eine Milliarde Menschen an chronischen Schmerzen. Der Bedarf an Alternativen ist riesig.
Was die Studien zeigen
Die Zulassung von Exilby basiert auf zwei Phase-3-Studien mit über 1.200 Patienten. Die Ergebnisse wurden in Nature Medicine und Pain & Therapy veröffentlicht. Sie belegen eine signifikante Schmerzreduktion über zwölf Monate. Zudem verbesserten sich Schlafqualität und Mobilität der Patienten.
Im direkten Vergleich mit Opioiden schnitt das Cannabis-Präparat besser ab: stärkere Schmerzreduktion bei gleichzeitig besserer Verträglichkeit. Der entscheidende Vorteil: kein Abhängigkeitsrisiko. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte dem Wirkstoff bereits den Status einer Breakthrough Therapy verliehen.
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Markteinführung im September
Exilby kommt im September 2026 in Deutschland und Österreich auf den Markt. Acht Jahre Forschung und Entwicklung stecken drin – und mehrere hundert Millionen Euro, so Unternehmensgründer Clemens Fischer.
Vertanical plant bereits die nächsten Schritte: klinische Studien zu diabetischer Polyneuropathie und Arthrose. Parallel läuft eine Phase-3-Studie in den USA. Ziel ist die internationale Expansion.
Schatten über dem Pharmastandort Deutschland
Trotz dieser Erfolge sorgt sich die Branche um den Standort Deutschland. Gesundheitsministerin Nina Warken hat im Juni ein Sparpaket in den Bundestag eingebracht. Es sieht Entlastungen für die Krankenkassen von 16,3 Milliarden Euro vor – unter anderem durch Ausgabenbremsen und höhere Herstellerrabatte bis 2030.
Die Reaktion großer Pharmaunternehmen: Sie überprüfen ihre Investitionszusagen. Eli Lilly und Boehringer Ingelheim haben Milliardeninvestitionen für Deutschland bereits reduziert oder infrage gestellt. Die Verabschiedung des Sparpakets wird für Mitte Juli 2026 vor der Sommerpause erwartet.
