Darmmikrobiom, Zucker

Darmmikrobiom: Zucker verstärkte Enterokokken bei Antibiotika um das 33,4-Fache

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 08:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Blutkrebspatienten ging mehr Zucker unter Breitbandantibiotika mit geringerer Bakterienvielfalt einher; klinische Prüfungen stehen noch aus.
Leere Laborschalen auf einer weißen Arbeitsfläche in einer hellen, sterilen Laborumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Um die Wechselwirkungen zwischen Ernährung und Medikamenteneinnahme genauer aufzuschlüsseln, bereiten Forscher der NYU Langone derzeit randomisierte klinische Studien vor. Jonas Schluter von der NYU Langone empfiehlt, den Zuckerkonsum während der Gabe von Antibiotika vorsorglich zu begrenzen.

Den Hintergrund bilden wissenschaftliche Erkenntnisse aus einer am 30. September 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichten Untersuchung des Memorial Sloan Kettering Cancer Center, der NYU Langone und City of Hope. Die beteiligten Forscher hatten einen Zusammenhang zwischen hohem Zuckerkonsum und einer verringerten Bakterienvielfalt im Darm bei Krebspatienten festgestellt.

Beobachtete Effekte bei Krebspatienten

Die Nature-Studie der Forschungsgruppe um die Erstautorin Anqi Dai, Annamaria Ballweg und Jogia analysierte 9.419 Mahlzeiten von 173 hospitalisierten Blutkrebspatienten, die sich einer Stammzelltransplantation unterzogen hatten. Die Daten zeigten, dass eine erhöhte Zufuhr von Zucker während einer Behandlung mit Breitspektrum-Antibiotika mit einer geringeren bakteriellen Vielfalt und einer stärkeren Ausbreitung von Enterokokken einherging.

Pro zusätzlichen 100 g Zucker in den 48 Stunden vor der Gabe des Antibiotikums verzeichnete das Team eine um 21 Prozent stärkere Reduktion der Alpha-Diversität.

Eine weitere Modellauswertung, die für die Schwere der Erkrankung adjustiert wurde, bezifferte diesen Rückgang auf 24 Prozent. Zur mengenmäßigen Veranschaulichung entsprechen 100 g Zucker etwa acht Esslöffeln; eine Portion von 355 ml Coca-Cola enthält circa 39 g Zucker.

Eine ergänzende bayesianische Kausalanalyse bei 158 Patienten, basierend auf Längsschnitt-Mikrobiomproben aus über 1.000 Stuhlproben, belegte, dass der Diversitätsverlust mit einer Ausbreitung von Enterococcus faecium einherging.

Ohne den Einsatz von Antibiotika zeigte sich dieser negative Zusammenhang zwischen Zucker und der Vielfalt des Mikrobioms nicht. Bei betroffenen Patienten wuchs insbesondere Vancomycin-resistenter Enterococcus faecium besonders stark an.

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Bestätigung im Laborexperiment und Ausblick

Laborversuche untermauerten die Beobachtungen: In einem Mausmodell unter Gabe des Antibiotikums Biapenem vervielfachte die Gabe von Sucrose die Zahl der Enterokokken an Tag 3 um das 16,3-Fache und an Tag 6 um das 33,4-Fache. Marcel van den Brink von City of Hope betonte mit Blick auf die Befunde, dass die Ernährung einen vielversprechenden Interventionspunkt darstelle, hierfür jedoch weiterführende klinische Studien erforderlich seien.

Gleichzeitig verweisen die Autoren des Forschungskonsortiums darauf, dass die beobachteten Daten eine Assoziation und keine abschließend bewiesene Kausalität darstellen. Es bedürfe weiterer wissenschaftlicher Überprüfungen, um zu klären, ob eine gezielte Ernährungsumstellung die klinischen Behandlungsergebnisse tatsächlich verbessert.

Eine allgemeine Handlungsempfehlung für die Gesamtbevölkerung lasse sich daraus nicht ableiten, da die Resultate spezifisch für schwer kranke Patienten gelten und nicht auf gesunde Personen übertragen werden können, die eine kurze Behandlung mit Penicillin erhalten.

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Auch externe Fachleute mahnen zur Zurückhaltung bei Verallgemeinerungen. Tove Fall, Professorin für Molekulare Epidemiologie an der Universität Uppsala, unterstrich, dass die Resultate zunächst in mehreren unabhängigen Studien reproduziert werden müssten.

Für gewöhnliche Infektionskrankheiten ergebe sich daraus kein Beleg dafür, dass ein Zuckerverzicht während einer antibiotischen Therapie einen Nutzen bringe, da die untersuchte Kohorte durch immunsuppressive Therapien und Breitbandantibiotika geprägt war.

Zudem verwies die Epidemiologin darauf, dass es an klarer wissenschaftlicher Evidenz fehle, wonach Probiotika die Regeneration der Darmflora nachweislich unterstützen.

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