Darmmikrobiom, Bakterien

Darmmikrobiom: Wie Bakterien Lupus und MS auslösen

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Studien belegen den Einfluss der Darmflora auf Autoimmunerkrankungen. Neue Therapieansätze und Diagnoseverfahren werden vorgestellt.

Darmmikrobiom-Forschung: Neue Erkenntnisse zu MS, Lupus und CED
Ein medizinisches Labor mit Mikroskop und mikroskopischen Bakterienstrukturen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Forschung zum Darmmikrobiom revolutioniert das Verständnis von Autoimmunerkrankungen. Aktuelle Studien zeigen: Die Bakterien in unserem Darm beeinflussen nicht nur lokale Entzündungen, sondern sind maßgeblich an systemischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Lupus und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen beteiligt.

Multiple Sklerose: Bakterium als Schutzfaktor entdeckt

Forschende der Universität Bonn haben einen überraschenden Mechanismus der MS-Therapie entschlüsselt. Eine am 23. Juli in Science Translational Medicine veröffentlichte Studie zeigt: Die B-Zell-Depletionstherapie mobilisiert schützende regulatorische B-Zellen aus dem Darm. Diese wandern ins zentrale Nervensystem und dämpfen dort Entzündungen.

Die Erstautorinnen Dr. Neziraj und Dr. Pössnecker belegten: Höhere Konzentrationen dieser B-Zell-Faktoren verbessern die Behandlungsergebnisse. Parallel identifizierten italienische Forscher in Genes & Immunity das Bakterium Akkermansia massiliensis als potenziellen Schutzfaktor. Ein geringes Vorkommen korreliert mit erhöhtem MS-Risiko – vermittelt über das FcRL3-Gen.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Früherkennung und KI-Fortschritte

Die Diagnose von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa könnte künftig Jahre früher erfolgen. Eine im Juli in Gut veröffentlichte Studie des Mount Sinai Hospitals und der MedUni Wien zeigt: Spezifische Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus und bakterielle Proteine sind bereits bis zu zehn Jahre vor der Diagnose nachweisbar. Wearables könnten Krankheitsschübe sogar bis zu sieben Wochen im Voraus erkennen.

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In der Therapieentwicklung setzen Forscher auf Künstliche Intelligenz. Das Peptid LR wurde aus über 6.000 Kandidaten mittels einer speziellen Pipeline ermittelt. Im Mausmodell zeigte es eine stärkere entzündungshemmende Wirkung als herkömmliche Wirkstoffe wie 5-ASA. Es stärkt die Darmbarriere und fördert nützliche Bakterien wie Akkermansia muciniphila. Der Wirkstoff CICR-NAM, ein Vitamin-B3-Derivat, befindet sich bereits in der klinischen Phase II/III.

Systemischer Lupus: Bakterium als Krankheitsauslöser

Auch beim Systemischen Lupus Erythematodes rückt die Darmflora in den Fokus. Forscher von NYU Langone Health veröffentlichten am 24. Juli Erkenntnisse: Das Lipoglykan des Bakteriums Ruminococcus gnavus kann über den Rezeptor TLR2 eine Lupus-Nephritis auslösen. Etwa die Hälfte der untersuchten Patientinnen wies ein starkes Aufkommen dieses Bakteriums auf. Als Therapieansätze werden selektive Antibiotika oder TLR2-Blocker diskutiert.

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Für die Lupus-Diagnose wurde ein neues Verfahren entwickelt. Ein Panel von fünf Proteinen ermöglicht laut einer Studie in PLOS Computational Biology eine Diagnose mit einer Genauigkeit von 0,82 AUC. Die Kosten könnten dadurch um rund 87 Prozent sinken. Die Daten stammen aus der UK Biobank mit über 48.000 Kontrollpersonen.

PFAS: Umweltgifte als Risikofaktor

Ein weiterer Faktor beeinflusst die Darmgesundheit: per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Eine am 24. Juli veröffentlichte Untersuchung zeigt einen Zusammenhang zwischen früher PFAS-Exposition und erhöhten Entzündungswerten im Darm bei sechsjährigen Kindern.

Gleichzeitig gerät der Einsatz von PFAS in der Pharmaindustrie in die Kritik. Eine Studie der Universität Freiburg für das Umweltbundesamt vom 23. Juli ergab: 87 Prozent der PFAS-haltigen Humanarzneimittel könnten durch PFAS-freie Alternativen ersetzt werden. Die Substanzen sind meist nicht für die medizinische Wirkung verantwortlich, belasten aber die Umwelt. Eine weitere Untersuchung wies nach: Auch Stofftiere geben PFAS an den Speichel ab – regelmäßiges Waschen reduziert die Migration jedoch deutlich.

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