Darmgesundheit: Ein Apfel liefert 100 Millionen nützliche Bakterien
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 04:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die mikrobielle Beschaffenheit von Lebensmitteln rückt zunehmend in den Mittelpunkt ernährungswissenschaftlicher Untersuchungen. Die österreichische Bio-Marke „Ja!
Natürlich“ aus dem Rewe-Konzern und die Mikrobiomforscherin Gabriele Berg von der Technischen Universität Graz haben ein Forschungsprojekt gestartet, das den direkten Zusammenhang zwischen gesunden Böden, biologisch erzeugten Lebensmitteln und der menschlichen Darmgesundheit analysiert. Im Zentrum der gemeinsamen Arbeit steht die Frage, welche Rolle die mikrobielle Vielfalt entlang der gesamten Lebensmittelkette spielt.
Diversitätsverlust im Verdauungstrakt
Die Dringlichkeit solcher Untersuchungen begründet Berg mit dem fortschreitenden Rückgang der Artenvielfalt im menschlichen Körper. Nach ihren Angaben ist bereits rund die Hälfte des ursprünglichen menschlichen Darm-Mikrobioms verloren gegangen. Dieser anhaltende Diversitätsverlust befördere das Auftreten chronischer Zivilisationskrankheiten.
Zugleich verweist die Forscherin darauf, wie reichhaltig naturbelassene pflanzliche Produkte besiedelt sind: So fänden sich in einem einzigen Apfel über 100 Millionen Bakterien. Welche Effekte solche Mikroorganismen auf das Verdauungssystem haben, wird in der Fachwelt intensiv diskutiert.
Prof. Dr. W. Florian Fricke von der Universität Hohenheim betonte in diesem Kontext die grundlegenden Aufgaben des Mikrobioms für den Stoffwechsel und die Abwehr von Krankheitserregern. Neben der ursprünglichen Prägung durch Geburt und Stillzeit spiele vor allem eine pflanzenbasierte, ballaststoffreiche Ernährung eine tragende Rolle für die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaft.
Darmbarriere und kurzkettige Fettsäuren
Aus gastroenterologischer Sicht kommt es jedoch nicht allein auf die Zufuhr einzelner Bakterienstämme an. Der Gastroenterologe Prof. Martin Storr hebt hervor, dass die intakte Darmbarriere für einen gesunden Darm entscheidend sei und Probiotika allein hierfür nicht ausreichten. Die Darmschleimhaut und das Mikrobiom bildeten ein eng aufeinander abgestimmtes Ökosystem.
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Als zentrale Energiequelle für die Zellen der Schleimhaut diene dabei Butyrat. Zudem existiere bislang keine wissenschaftlich anerkannte Definition eines optimalen Mikrobioms, weshalb kommerzielle Stuhltests kritisch zu bewerten seien; als vielversprechend gälten hingegen Postbiotika.
Dass pflanzliche Ausgangsstoffe spezifische Stoffwechselprodukte im Darm fördern, zeigen auch weitere wissenschaftliche Analysen. Eine Übersichtsarbeit von Dr. Anna Prescha an der Universität für Medizinische Wissenschaften Wroc?aw befasste sich mit Präparaten aus Blättern und Früchten von Maulbeeren, die reich an Polyphenolen, Polysacchariden und Anthocyanen sind.
Entsprechende Präparate steigerten in Studien den Anteil nützlicher Bakterien sowie die Produktion der kurzkettigen Fettsäuren Acetat, Propionat und Butyrat. Prescha gab jedoch zu bedenken, dass Veränderungen im Tiermodell nicht automatisch auf den Menschen übertragbar seien und weitere klinische Prüfungen erfolgen müssten.
Pflanzliche Wirkstoffe im mikrobiellen Stoffwechsel
Einen ähnlichen Mechanismus identifizierten Forschende der University of Louisville: Durch bakterielle Umsetzung von Ellagitanninen aus Granatäpfeln, Walnüssen oder Beeren entsteht der Metabolit Urolithin A. Dieser aktiviert in Darmepithelzellen den AHR-Rezeptor sowie das NLRP6-Inflammasom, was die Schleimproduktion, die Abwehr von Keimen und die Geweberegeneration anregt.
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Ergänzend belegte eine Beobachtungsstudie der japanischen Unternehmen Saikins? und Kanery? Kais? mit 1.000 Datensätzen zur Darmflora, die Mitte September 2026 auf einer Fachtagung in Japan vorgestellt wurde, den Wert pflanzlicher Nahrungsergänzungen: Ein regelmäßiger Konsum von Algen war demnach mit einem signifikant höheren Vorkommen Butyrat-produzierender Bakterien wie Butyricicoccus assoziiert.
Die Initiativen unterstreichen das wachsende Interesse daran, wie landwirtschaftliche Anbaumethoden und pflanzliche Inhaltsstoffe funktionale Abläufe im Verdauungstrakt stabilisieren können.
