Darmflora: Zwei Bakterien schützen vor Autismus und ADHS
Veröffentlicht am: 01.07.2026 um 08:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forscher identifizierten zwei Stämme mit besonders vielversprechender Wirkung.
Mikrobielle Schutzschilde fürs Gehirn
Die in Cell Press Blue veröffentlichte Untersuchung analysierte DNA-Methylierungsmuster im Nabelschnurblut von 571 Neugeborenen sowie die Darmflora von 969 Säuglingen. Das Ergebnis: Das Bakterium Lachnospira pectinoschiza scheint als Schutzfaktor gegen Autismus zu wirken. Parabacteroides distasonis wiederum korreliert mit einem geringeren ADHS-Risiko.
Besonders bei Kindern mit epigenetischem Risikomuster entfalteten die Bakterien ihre Schutzwirkung. Die Art der Entbindung spielt dabei eine Rolle: Kaiserschnitte veränderten die Methylierungsmuster der Neugeborenen. Langfristig wollen die Forscher Probiotika als gezielte Frühintervention entwickeln.
Eine Parallelstudie des Child Mind Institute in Molecular Psychiatry belegte zudem: Autismus und ADHS weisen gemeinsame Muster in der Hirnkonnektivität auf. Diese korrelieren mit der Symptomschwere und spiegeln genetische Dispositionen wider – möglicherweise ein Hinweis auf verzögerte Hirnreifung.
Neue Wege in Therapie und Diagnostik
Beim Rett-Syndrom gibt es Fortschritte: Die EMA empfiehlt die Zulassung des Wirkstoffs Trofinetid für Patienten ab fünf Jahren. Eine Phase-III-Studie mit 197 Patientinnen zeigte signifikante Verbesserungen bei Verhaltensaspekten. Häufigste Nebenwirkungen waren Durchfall und Erbrechen.
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Alternative Ansätze gewinnen an Bedeutung. Eine Pilotstudie in Frontiers in Pediatrics untersuchte mikrobielle Transfertherapie (FMT) kombiniert mit wasserstoffreichem Wasser. Die Ergebnisse: eine Reduktion der Autismus-Symptomatik um etwa 29 Prozent. Sensorische Empfindlichkeit und Angstsymptome nahmen deutlich ab. Allerdings fehlen Kontrollgruppen und größere Stichproben.
In der Diagnostik setzen Forscher auf weniger invasive Methoden. Ein neuer Urintest (MDM System™) erkennt Autismus über mikrobielle Metaboliten mit hoher Genauigkeit. Die Entwickler schlagen basierend auf den Stoffwechselprofilen einen neuen Subtyp vor: ASD-MDM.
Evolution und Umweltfaktoren
Die Darmflora ist kein statisches System. Eine Studie der Universität Wien in Nature zeigt: Darmbakterien zerfallen in evolutionär differenzierte Populationen. Einige Linien sind global verbreitet und mit chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Darmentzündungen assoziiert.
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Auch Lebensstil und Umwelt beeinflussen die mikrobielle Stabilität:
- Ernährung: Mediterrane Kost gilt als vorteilhaft für die psychische Gesundheit. Ergebnisse zu Omega-3-Fettsäuren sind uneinheitlich. Bei veganer Ernährung betonen Experten die Notwendigkeit von Vitamin-B12-Supplementierung.
- Alkohol: Führt zu mikrobieller Dysbiose – nützliche Bakterien wie Laktobazillen werden reduziert, schädliche gramnegative Bakterien nehmen zu.
- Industrialisierung: Stämme wie Segatella copri entwickeln durch horizontalen Gentransfer Sauerstofftoleranz und werden in industrialisierten Gesellschaften überlebensfähiger.
Die Forschung wird intensiviert: Die ASBH-Stiftung spendete im Sommer 2026 über 193.000 Euro an Verbünde in Erlangen und Gießen-Marburg, um die Ursachen von Spina bifida zu erforschen. Gleichzeitig untersucht das Leibniz-Institut für Alternsforschung, wie ein alterndes Immunsystem die Kontrolle über die Mikrobiom-Diversität verliert – neue Ansätze zur Stärkung der Immunfunktion im Alter inklusive.
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