Dankbarkeit, Studien

Dankbarkeit: 24 Studien verbinden die Haltung mit gesünderem Verhalten

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 14:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Auswertung von 24 Studien verbindet Dankbarkeit mit gesundheitsbewusstem Verhalten, lässt die Ursache des Zusammenhangs jedoch offen.
Ein minimalistischer Holztisch mit einer Schale frischem Obst in warmem Sonnenlicht, der eine ruhige und positive Stimmung vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Eine systematische Aufarbeitung wissenschaftlicher Daten verdeutlicht, dass eine dankbare Grundhaltung eng mit gesundheitsförderndem Verhalten verknüpft ist.

Eine Meta-Analyse der Durham University unter Leitung der Psychologin Fuschia Sirois, die 24 Studien mit insgesamt 6967 Probandinnen und Probanden sowie Daten aus einem Zeitraum von neun Jahren zusammenfasst, belegt eine deutliche positive Korrelation zwischen Dankbarkeit und einem gesundheitsbewussten Lebensstil.

Wie aus den Untersuchungen hervorgeht, achten dankbare Personen intensiver auf ihre Ernährung, betätigen sich häufiger körperlich, berichten über erholsameren Schlaf und bewältigen alltägliche Belastungen effektiver.

Relevanz auch bei chronischen Erkrankungen

Auffällig an den Ergebnissen der Durham University ist, dass sich keine bedeutsamen Unterschiede bezüglich des Alters, des Geschlechts oder der Ausprägung – ob als stabile Charaktereigenschaft oder als kurzfristige Stimmung – zeigten.

Der beobachtete Zusammenhang zwischen Dankbarkeit und gesundheitsbezogenen Faktoren trat zudem nicht nur bei gesunden Personen auf, sondern bestätigte sich auch bei Patientengruppen mit chronischem Erschöpfungssyndrom, Fibromyalgie und Krebserkrankungen.

Trotz der statistischen Zusammenhänge betonen die Forschenden, dass die Kausalrichtung weiterhin unklar bleibt. Es lasse sich somit nicht zweifelsfrei ableiten, ob Dankbarkeit das Verhalten direkt steuert oder gesündere Lebensumstände das Empfinden von Dankbarkeit begünstigen.

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Weitere Studien stützen den allgemeinen Trend: Eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2024 ermittelte bei dankbaren Menschen ein um 9 Prozent niedrigeres Sterberisiko.

Physiologische Mechanismen und Studienlage zu Interventionen

Überblicksarbeiten zu den physiologischen Mechanismen beschreiben, dass das Empfinden von Dankbarkeit die Ausschüttung von Neurotransmittern anregt, das parasympathische Nervensystem aktiviert und das Stresshormon Cortisol senkt. Langfristig könnten solche Reaktionen den Blutdruck verringern und den Vagustonus erhöhen.

Forschungen weisen zudem darauf hin, dass dankbare Personen seltener unter Beschwerden wie Kopfschmerzen, Infektionen der Atemwege, Magen-Darm-Problemen oder Schlafstörungen leiden und ein aktives Praktizieren diese Symptome lindern kann.

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In einer Untersuchung zeigte sich zudem ein kultureller Unterschied: Männer in den USA empfanden Dankbarkeit demnach seltener und verbargen sie häufiger als Männer in Deutschland.

Ein systematisches Review randomisierter Interventionsstudien mahnt jedoch zur Differenzierung. Zwar verbesserte sich die subjektive Schlafqualität in fünf von acht untersuchten Studien, und vereinzelt wurden positive Veränderungen bei Entzündungsmarkern oder kardiovaskulären Werten gemessen, die Befundlage blieb in diesen Punkten jedoch inkonsistent.

Fachleute unterstreichen, dass die Assoziation mit gesunden Verhaltensweisen keinen Kausalitätsbeweis darstellt und entsprechende Übungen keinesfalls eine medizinische Behandlung ersetzen.

Experimente von Forschenden wie Fredrickson und Levenson aus den Jahren 1998 und 2004 zeigten zudem, dass positive Emotionen die kardiovaskuläre Erholung nach Belastungsphasen beschleunigen und die Resilienz steigern können. Meta-Analysen weisen darauf hin, dass Dankbarkeit und Selbstmitgefühl Ängste sowie depressive Symptome mindern können.

Praktische Ansätze und Grenzen ohne Druck

In der Praxis empfehlen die Autorinnen und Autoren der Meta-Analyse strukturierte Übungen, etwa ein Dankbarkeitstagebuch mit wenigen, aber dafür ausführlichen Einträgen, die ein- bis zweimal pro Woche verfasst werden. Ein weiterer Ansatz rät dazu, vor dem Einschlafen drei konkrete Aspekte des Tages schriftlich festzuhalten. Zu den weiteren geläufigen Methoden zählen Selbstwertübungen vor dem Spiegel, Dankesbriefe sowie Achtsamkeitsmeditationen.

Gleichzeitig warnen Expertinnen und Experten vor toxischem Druck. Forschende wie Dr. Brené Brown von der University of Houston heben hervor, dass ein ständiger Zwang zur Dankbarkeit Gefühle von Schuld und Scham erzeugen könne.

Auch Dr. Kristin Neff merkt an, dass erzwungene Dankbarkeit Selbstkritik verstärke, während Dr. Albert Ellis darauf hinwies, dass gesellschaftliche Erwartungshaltungen in schwierigen Lagen Ressentiments schüren können.

Psychologische Ansätze betonen daher, dass Dankbarkeit schwierige Emotionen wie Trauer, Wut oder Frustration nicht verdrängen darf. Ein gesunder Umgang bestehe vielmehr darin, kleine Momente des Trostes wahrzunehmen, ohne schmerzhafte Gefühle zu leugnen.

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