Corona-Impfung: Stiko hebt Basisimpfung auf, Auffrischung erst ab 75
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 08:55 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während die Ständige Impfkommission die Basisimpfung gegen Corona aufhebt, sorgt das neue GKV-Spargesetz für Kürzungen bei Honoraren und Zuzahlungen. Gleichzeitig halten komplementärmedizinische Angebote wie TCM in der Hauptstadt eine Nische.
Stiko kippt Corona-Basisimpfung für alle
Am 9. Juli 2026 zog die Ständige Impfkommission einen Schlussstrich: Die bisherige Basisimpfempfehlung gegen das Coronavirus entfällt. Grund dafür ist eine Immunitätsrate von über 95 Prozent bei Erwachsenen – erreicht durch Infektionen oder Impfungen. Zudem sinken die Zahlen bei Krankenhauseinweisungen und Todesfällen.
Die neuen Empfehlungen für jährliche Auffrischungen gelten jetzt erst ab 75 Jahren. Zuvor lag die Altersgrenze bei 60. Weiterhin empfohlen wird der Schutz für Menschen mit Grunderkrankungen und für Pflegepersonal.
GKV-Spargesetz: Weniger Geld für Ärzte, höhere Zuzahlungen
Am 10. Juli 2026 verabschiedeten Bundestag und Bundesrat das Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will damit bis 2027 rund 18,8 Milliarden Euro einsparen.
Die wichtigsten Maßnahmen:
- Honorarkürzung für bestimmte Leistungserbringer um 4,5 Prozent
- Höhere Zuzahlungen zwischen 7,50 und 15 Euro
- Streichung der Kostenübernahme für Homöopathie durch die Krankenkassen
- Absenkung des Zahnersatzzuschusses auf 50 Prozent
- Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um 300 Euro
Burkhard Ruppert, Vorstandsvorsitzender der KV Berlin, warnte vor einem langfristigen Ärztemangel. „Leistungen werden erbracht, aber nicht vollständig bezahlt", kritisierte er. Besonders chronisch Kranke träfe das hart. Bereits 2025 wurden diagnostische und psychotherapeutische Gespräche in Berlin nur zu 76 Prozent vergütet.
Kinderpsychotherapie: Wartezeiten drohen zu explodieren
Psychotherapeut Florian Grauer schlug Alarm: Die Budgetdeckelung führe bei der Versorgung von Kindern zu verlängerten Wartezeiten. Dabei sei die tägliche Nachfrage von Familien auf Therapiesuche enorm hoch. Die Sparmaßnahmen verschärften eine ohnehin prekäre Lage.
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TCM-Angebote in Berlin: Nische mit Potenzial
Parallel zu den Sparmaßnahmen etablieren sich in Berlin spezialisierte Praxen für Traditionelle Chinesische Medizin. In Kreuzberg und Neukölln bieten Heilpraktiker ein breites Spektrum: Akupunktur, Kräutertherapie und energetische Methoden wie Reiki.
Die Behandlungen richten sich an Patienten mit Erschöpfungszuständen, Schmerzen oder Allergien – aber auch an Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Eine TCM-Anamnese dauert 60 bis 90 Minuten, die Nadeltherapie selbst 20 bis 30 Minuten. Akute Beschwerden lassen sich oft in ein bis sechs Sitzungen behandeln, chronische Leiden erfordern eine längerfristige Begleitung.
Erleichterung für chronisch Kranke: Rezept ohne Rezept
Seit dem 1. Juli 2026 ermöglicht das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz Apotheken, verschreibungspflichtige Medikamente einmalig ohne aktuelles Rezept an chronisch Kranke abzugeben. Voraussetzung: eine nachgewiesene Dauermedikation über mindestens drei Quartale. Die Kosten müssen Patienten zunächst selbst tragen.
Geburtshilfe in Potsdam: Babyklappe schließt
Die stationäre Versorgung im Berliner Umland steht vor einem Einschnitt. Zum 1. August 2026 stellt das St. Josefs Krankenhaus in Potsdam die Geburtshilfe ein – und damit auch die dortige Babyklappe. Das Ministerium begründet den Schritt mit mangelnder Nutzung in den letzten fünf Jahren. Kommunalpolitiker fordern eine Verlagerung des Angebots an andere Kliniken.
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Peerprojekte für Familien: „DiaConnect" bleibt aktiv
Trotz der Sparmaßnahmen halten soziale Projekte die Versorgung aufrecht. In Berlin-Charlottenburg fördert „DiaConnect" den Austausch für Familien mit Typ-1-Diabetes-Patienten. Solche Peer-Angebote gewinnen angesichts der angespannten Versorgungslage zunehmend an Bedeutung.
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