Copilot Cowork: Microsoft führt verbrauchsbasierte Abrechnung ein
18.06.2026 - 03:19:15 | boerse-global.de
Mit der weltweiten Verfügbarkeit von Copilot Cowork führt der Konzern erstmals seit rund zwei Jahrzehnten ein verbrauchsbasiertes Abrechnungssystem ein.
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Hintergrund sind die hohen Rechenkosten für komplexe, eigenständig agierende KI-Agenten. Diese verbrauchen je nach Aufgabe unterschiedlich viel Rechenleistung – ein klassisches Pauschalmodell bildet das nicht mehr ab.
So funktioniert das neue Credit-System
Im Zentrum steht ein einfaches Prinzip: Ein Copilot Credit kostet 0,01 Euro beziehungsweise 0,01 US-Dollar. Wie viele Credits eine Aufgabe verbraucht, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Welches KI-Modell zum Einsatz kommt
- Wie viel Kontext abgerufen wird
- Wie viele Werkzeuge der Agent nutzt
- Wie lange die gesamte Laufzeit ist
Für einfache Anfragen rechnen Beobachter mit 100 bis 300 Credits. Voraussetzung bleibt eine bestehende Microsoft-365-Copilot-Lizenz für rund 30 Euro pro Nutzer und Monat.
Unternehmen haben zwei Optionen: ein reines Pay-as-you-go-Modell oder die Vorauszahlungsoption P3 mit Rabatten. Kunden des Frontier-Programms erhalten eine Übergangsfrist bis zum 1. Juli 2026.
Work IQ Engine als technische Basis
Copilot Cowork ist kein einfacher Chatbot. Das System führt komplexe, langlaufende Geschäftsprozesse eigenständig über mehrere Anwendungen hinweg aus.
Der Einsatz leistungsfähiger KI-Systeme wie Copilot erfordert nicht nur eine Kostenkontrolle, sondern auch eine klare Einordnung in die neuen gesetzlichen Risikoklassen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Anforderungen der EU AI Act konkret an Ihr Unternehmen stellt. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Technisch basiert es auf der Work IQ Engine, die innerhalb des Microsoft-365-Sicherheitsperimeters operiert. Der Agent kann Tausende Dokumente vergleichen oder Browser-Aktivitäten in einer gesicherten Cloud-Sandbox automatisieren.
Microsoft setzt auf einen Multi-Modell-Ansatz mit drei Leistungsstufen:
- Effiziente Stufe: Modelle wie Phi-4 für einfache Aufgaben
- Ausgewogene Stufe: GPT-5 oder Anthropic Sonnet 4.6
- Erweiterte Stufe: Hochleistungsmodelle wie GPT 5.5, Anthropic Opus 4.8 oder Prometheus-Max
Ein eigenes Modell namens Cowork 1 ist angekündigt. Auch die Integration von DeepSeek V4 über Azure AI Foundry wird geprüft – als kostengünstiere Alternative zu Anthropic.
Kostenkontrolle für Unternehmen
Verbrauchsbasierte Abrechnung bedeutet Unplanbarkeit. Microsoft begegnet dem mit einer klaren Regel: Copilot Cowork ist standardmäßig deaktiviert.
IT-Administratoren müssen den Dienst erst freischalten. Im Microsoft Admin Center lassen sich detaillierte Ausgabenlimits auf Mandanten-, Gruppen- oder Benutzerebene festlegen.
Erste Testergebnisse klingen vielversprechend: Mehr als die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen hat laut Microsoft an der Testphase teilgenommen. Das Beratungsunternehmen Accenture konnte seine KI-Ausgaben durch gezielte Modellwahl um 47 Prozent senken.
Ein Rechenbeispiel zeigt den Unterschied: Für eine mittelgroße Kanzlei mit 500 Mitarbeitern lägen die monatlichen Kosten im neuen Modell bei rund 4.200 US-dollar. Ein klassisches Lizenzmodell hätte etwa 15.000 US-Dollar gekostet.
Der Markt zieht nach
Microsoft ist nicht allein mit dem Trend zur nutzungsbasierten Abrechnung. Auch Sakana AI und GitHub führten zuletzt Credit-basierte Modelle ein – wobei GitHubs Modell in der Entwicklergemeinschaft auf Kritik stieß.
Microsoft positioniert Copilot Cowork preislich als wettbewerbsfähig: 30 bis 40 Prozent günstiger als vergleichbare Lösungen wie Claude Cowork, so das Unternehmen.
Neun Partner-Plugins stehen zum Start bereit, darunter Miro, monday.com, Moody’s und die London Stock Exchange Group. Weitere Integrationen von Adobe, Box und Canva sind in Vorbereitung.
