COPD, Fett

COPD: Fett und Zucker als stille Lungenkiller entdeckt

27.05.2026 - 17:30:14 | boerse-global.de

Helmholtz Munich untersucht, wie ungesunde Ernährung und Stoffwechselstörungen die Lungenkrankheit COPD vorantreiben.

COPD: Fett und Zucker als stille Lungenkiller entdeckt - Foto: über boerse-global.de
COPD: Fett und Zucker als stille Lungenkiller entdeckt - Foto: über boerse-global.de

Rauchen bleibt der Hauptrisikofaktor – doch die Forschung entdeckt einen neuen, gefährlichen Treiber für die chronische Lungenerkrankung COPD.

Ein internationales Team unter der Leitung von Helmholtz Munich hat Ende Mai 2026 eine umfassende Untersuchung gestartet. Die Frage: Wie treiben ungesunde Ernährung und Stoffwechselstörungen die Zerstörung des Lungengewebes voran? Ziel sind neue Präventions- und Therapiestrategien für eine Krankheit, von der allein in Deutschland drei bis sechs Millionen Menschen betroffen sind.

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Fett und Zucker als stille Lungenkiller

Die Forschungsinitiative unter Prof. Dr. Ali Önder Yildirim konzentriert sich auf die biochemischen Mechanismen. Eine fett- und zuckerreiche Ernährung wirkt demnach weit über die reine Gewichtszunahme hinaus. Bestimmte Nährstoffe lösen Entzündungsprozesse aus, die die Lungenfunktion beeinträchtigen.

Im Fokus stehen sogenannte Adipokine – Botenstoffe aus dem Fettgewebe. Sie können die empfindlichen Lungenbläschen schädigen. Die Forscher wollen nun detailliert abbilden, wie ein ungesunder Stoffwechsel COPD-Symptome beschleunigt. Könnte eine gezielte Ernährungsanpassung den Gewebeabbau in der Lunge stoppen?

Die Dringlichkeit ist enorm: Schätzungsweise 70 Prozent der COPD-Erkrankungen in Deutschland bleiben zunächst unerkannt. Die heute gestartete Untersuchung könnte frühzeitige diagnostische Marker liefern.

Rauchen bleibt die Hauptgefahr

Trotz der neuen Erkenntnisse: Der Konsum von Tabakprodukten ist und bleibt die Hauptursache für COPD. Aktuelle Daten regionaler Krankenkassen zeigen die dramatische Lage in deutschen Kommunen.

Im Kreis Unna sind rund 21.400 Menschen ab 40 Jahren betroffen – über neun Prozent dieser Altersgruppe. In Hagen leidet fast jeder zehnte Einwohner über 40 an der chronischen Verengung der Atemwege.

Anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai 2026 wies die AOK NordWest darauf hin: Rauchen ist für etwa 90 Prozent der COPD-Fälle verantwortlich. Über 80 Prozent der Lungenkrebsfälle gehen auf Tabaksucht zurück. Besonders Frauen tragen ein erhöhtes Risiko – ihre Bronchien reagieren empfindlicher auf Schadstoffe.

„Der Verzicht auf das Rauchen bleibt der effektivste vermeidbare Risikofaktor", betont Jörg Kock, Serviceregionsleiter der AOK. Suchtmediziner wie Prof. Tobias Rüther ergänzen: Für einen erfolgreichen Rauchstopp sind oft mehrere Anläufe nötig – im Durchschnitt sechs Versuche. Hilfsmittel wie Notfallkarten oder Verhaltensalternativen erhöhen die Erfolgschancen deutlich.

Revolution bei der Behandlung: Steroide bald überflüssig?

In der Behandlung akuter COPD-Verschlechterungen zeichnen sich technologische Sprünge ab. Eine Studie des King’s College London und der University of Oxford, veröffentlicht in „The Lancet Respiratory Medicine", testete das Biologikum Benralizumab.

Der Wirkstoff, bereits für schweres Asthma zugelassen, wurde als Alternative zu herkömmlichen Steroid-Tabletten wie Prednisolon geprüft. Die Ergebnisse der ABRA-Phase-2-Studie sind beeindruckend: Benralizumab reduzierte das Risiko eines Behandlungsversagens über 90 Tage im Vergleich zur Standardtherapie um das Vierfache.

Patienten berichteten über eine signifikant bessere Symptomkontrolle und mussten seltener Notaufnahmen aufsuchen. Das ist besonders relevant, da Steroide oft mit Nebenwirkungen verbunden sind und bei einem Teil der Patienten nicht wirken. Die Forscher sehen in gezielten immunologischen Therapien einen vielversprechenden Weg, um Sterblichkeit und Krankenhausaufenthalte zu senken.

Zelluläre Alterung: Wenn die Kraftwerke der Zellen schlappmachen

Die Verbindung zwischen Lebensstil und chronischen Krankheiten wird durch Grundlagenforschung weiter untermauert. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Alternsforschung in Jena veröffentlichten im Frühjahr 2026 in „Nature Communications" Erkenntnisse über die Mitochondrien – die Kraftwerke der Zellen.

Ein Mangel an dem Fettmolekül Phosphatidylcholin führt dazu, dass die Mitochondrienmembranen ihre Beweglichkeit verlieren. Die Energieversorgung der Zelle stockt. Besonders betroffen: Frauen in der Menopause und Menschen mit Diabetes. In Versuchen stabilisierte die Gabe von Cholin oder Phosphatidylcholin die Mitochondrienstruktur – ein möglicher Ansatzpunkt für die Behandlung degenerativer Prozesse.

Pestizide auf dem Teller: Verstecktes Risiko für Nichtraucher

Selbst eine vermeintlich gesunde Ernährung kann versteckte Risiken bergen. Eine Studie von Dr. Jorge Nieva von der University of Southern California untersuchte Daten von Nichtrauchern unter 50 Jahren. Das paradoxe Ergebnis: Bei jenen mit hohem Konsum von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten fand sich ein höheres Lungenkrebsrisiko.

Als mögliche Ursache vermuten die Forscher Pestizidrückstände auf konventionell angebauten Produkten. Experten wie Prof. Stephen Duffy warnen jedoch vor einer voreiligen Kausalitätsumkehr. Ihr Rat: weiterhin pflanzenbasierte Ernährung, idealerweise aus biologischem Anbau, um Schadstoffbelastungen zu minimieren.

Lebensstil schlägt Gene: Siebenfach höheres Risiko

Der 60. Deutsche Diabeteskongress im Mai 2026 in Berlin unterstrich die Bedeutung des Lebensstils. Eine Langzeitstudie mit über 332.000 Teilnehmern zeigt: Ein ungesunder Lebensstil erhöht das Erkrankungsrisiko um das Siebenfache. Genetische Faktoren steigern es lediglich um das 2,6-Fache.

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Über die Hälfte aller Neuerkrankungen wäre demnach durch Verhaltensänderungen vermeidbar. Auch Lebensmittelzusatzstoffe rücken in den Fokus. Untersuchungen der NutriNet-Santé-Studie belegen: Bestimmte Konservierungsstoffe wie E202 oder E250 können das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen messbar steigern.

Jugendliche im Visier: Nikotinkonsum steigt wieder

Fachleute bereitet besonders die Entwicklung bei Jugendlichen Sorge. Eine Untersuchung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit aus dem Jahr 2025 belegt einen deutlichen Anstieg des Nikotinkonsums bei 12- bis 17-Jährigen. Der Anteil der Raucher stieg auf fast zehn Prozent. Auch E-Zigaretten und Nikotinbeutel verbreiten sich rasant.

Prof. Dr. Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, fordert strengere Regulierungen. Besonders ein Verbot von Aromen in E-Zigaretten, die gezielt auf Jugendliche wirken, steht auf seiner Agenda.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Kombination aus neuen medikamentösen Therapien, vertiefter Stoffwechselforschung und politischer Prävention die globale Belastung durch COPD senken kann.

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