CO2-Fußabdruck, Essen

CO2-Fußabdruck beim Essen: Männer liegen bei 4,36, Frauen bei 3,43 Kilo

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 22:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie zeigt höhere ernährungsbedingte Emissionen bei Männern; zugleich sieht der EU-Haushaltsentwurf deutliche Kürzungen der Agrarförderung vor.

EU-Haushalt 2028 bis 2034: Agrarkürzungen und Streit um den Finanzrahmen
Weitläufige, strukturierte Ackerlandschaft mit verschiedenen Anbauflächen unter natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Untersuchungen zum individuellen Konsumverhalten zeigen deutliche Unterschiede im ökologischen Fußabdruck von Männern und Frauen. Während Daten belegen, dass Männer im Schnitt für spürbar höhere ernährungsbedingte Treibhausgasemissionen verantwortlich sind als Frauen, rückt das Thema Ernährung zeitgleich in den Fokus der europäischen Politik: Bei den Verhandlungen über den künftigen EU-Haushalt stehen weitreichende Kürzungen der gemeinsamen Agrarförderung zur Debatte.

Geschlecht und Bildung prägen ernährungsbedingte Emissionen

Eine in der Fachzeitschrift Nature Food veröffentlichte Untersuchung der Wirtschaftsuniversität Wien beleuchtet die globalen Zusammenhänge zwischen Demografie und Treibhausgasemissionen durch Ernährung. Das weltweite Ernährungssystem zeichnet demnach für 25 bis 30 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Analyse erfasste 72 soziodemografische Gruppen in 165 Ländern und zeigt erhebliche Diskrepanzen zwischen den Geschlechtern auf.

Über alle untersuchten Regionen hinweg liegt der Median der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen bei Männern bei 4,36 kg CO2-Äquivalenten pro Tag, während Frauen einen Median von 3,43 kg CO2-Äquivalenten pro Tag aufweisen.

Die höchsten ernährungsbedingten Werte verzeichnet die Gruppe der hochgebildeten Männer im Alter von 15 bis 34 Jahren in städtischen Gebieten mit einem Median von 5,66 kg CO2-Äquivalenten täglich.

Die geringsten Emissionen entfallen auf Frauen im Alter von 35 bis 54 Jahren mit niedrigem Bildungsniveau in ländlichen Regionen, deren Wert bei 2,85 kg CO2-Äquivalenten pro Tag liegt. Wie Mitautor Martin Bruckner von der Wirtschaftsuniversität Wien hervorhob, steigt der CO2-Fußabdruck der Ernährung generell mit dem Bildungsniveau an.

Streit um den mehrjährigen EU-Finanzrahmen

Die Frage nachhaltiger Ernährungssysteme trifft auf eine verfahrene finanzpolitische Lage in Brüssel. Der irische EU-Ratsvorsitz legte einen Kompromissvorschlag für den EU-Haushalt der Jahre 2028 bis 2034 vor. Dieser sieht ein Gesamtvolumen von 1,826 Billionen Euro vor, was einer Reduzierung um rund 159 Milliarden Euro gegenüber dem ursprünglichen Kommissionsentwurf von knapp 1,985 Billionen Euro entspricht. Die Europäische Kommission bedauerte diese deutliche Absenkung.

Der Entwurf der irischen Präsidentschaft sieht Einschnitte in mehreren Kernbereichen vor:
- Verteidigung, Raumfahrt und Forschung sollen um 66,6 Milliarden Euro gekürzt werden; das EU-Parlament, darunter die Abgeordneten Ehler von der CDU und Repasi von der SPD, kritisierte dabei Einschnitte beim Forschungsprogramm Horizon Europe.
- Für die Außenhilfe sind Einsparungen von 33,1 Milliarden Euro vorgesehen, für die Verwaltung 9,2 Milliarden Euro.
- Die Einkommensstützung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) soll bei mindestens 293,7 Milliarden Euro liegen, was einem Rückgang um rund 20 Prozent entspricht.

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Die Agrarreserve soll von 6,3 Milliarden Euro auf 4,4 Milliarden Euro schrumpfen.
- Das Fischerei-Budget soll dagegen auf knapp 4 Milliarden Euro nahezu verdoppelt werden, während für den Kohäsionsbereich ein leichtes Plus von 7,8 Milliarden Euro vorgesehen ist.

Politische Blockaden und Verhandlungen der Staats- und Regierungschefs

Gegen den Vorschlag regt sich von unterschiedlichen Seiten Widerstand. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete das irische Papier als unzureichend und erklärte, dass Deutschland diesem nicht zustimmen könne, da die Kürzungen nicht weit genug gingen.

Merz verlangt Einsparungen von mindestens 400 Milliarden Euro bei einem vorgeschlagenen Budget von 2.000 Milliarden Euro. Nach diesen Vorstellungen könnte die Basisprämie für Landwirte von derzeit rund 147 Euro pro Hektar auf etwa 94 Euro pro Hektar sinken, während die DABIS-Zahlungen im Schnitt zwischen 90 Euro und 240 Euro pro Hektar lägen.

Unterstützung für weitgehende Kürzungen um mehrere Hundert Milliarden Euro kommt von weiteren Nettozahlern wie den Niederlanden, Schweden und Österreich. Demgegenüber fordern Staaten wie Frankreich, Spanien und Polen ein größeres Budget und stemmen sich gegen Abstriche bei den Agrarbeihilfen.

Auch EVP-Chef Manfred Weber stellte sich gegen Merz: Gemeinsam mit den Spitzen von S&D, Renew und den Grünen, die zusammen 454 der 720 Sitze im EU-Parlament halten, lehnte Weber den Kompromiss ab, weil die Einsparungen zu drastisch ausfielen.

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Widerstand formiert sich zudem in der Agrarwirtschaft: Der Bayerische Bauernverband verlangt mindestens 500 Milliarden Euro für die Erste und Zweite Säule der GAP, während der Deutsche Bauernverband Pläne zu Kappung und Degression scharf zurückweist.

Der irische Europastaatsminister Thomas Byrne strebt dennoch eine Einigung bis zum Jahresende oder Anfang 2027 an, auch mit Blick auf die französische Präsidentschaftswahl am 18. April. Die EU-Regierungschefs beraten den Finanzrahmen am 15. und 16. Oktober 2026 auf einem Sondergipfel in Brüssel unter der Leitung von EU-Ratspräsident António Costa.

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