Claude, Mythos

Claude Mythos: KI-Modell findet 10.000 Sicherheitslücken – Zugang beschränkt

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 23:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Anthropic beschränkt Zugang zu Claude Mythos, das autonom kritische Sicherheitslücken in Systemen ausnutzt. US-Regierung verschärft Exportkontrollen.

Anthropic schränkt KI-Modell Claude Mythos nach Sicherheitsbedenken ein
Leuchtend blaues digitales Vorhängeschloss in einer Leiterplatte, das KI-Sicherheitsbeschränkungen und Cybersicherheitsrisiken darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Grund: Die Software kann selbstständig schwerwiegende Sicherheitslücken in Betriebssystemen und Browsern aufspüren und ausnutzen – und das auf einem Niveau, das selbst Experten überrascht hat.

Autonome Angriffsfähigkeiten erzwingen Beschränkungen

Das Modell, das im April zunächst an 50 Partner ausgeliefert wurde, hat bereits mehr als 10.000 hochkritische Sicherheitslücken in allen gängigen Betriebssystemen und Webbrowsern identifiziert. Besonders brisant: Mythos gelangen vollständige Kontrollfluss-Übernahmen auf vollständig gepatchten Systemen – eine Leistung, die als Sicherheitsstufe 5 eingestuft wird.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Tests erzielte Mythos 181 erfolgreiche Angriffe gegen die JavaScript-Engine von Firefox. Zum Vergleich: Der Vorgänger Claude Opus 4.6 schaffte gerade einmal zwei. Das Modell entdeckte zudem eine 27 Jahre alte Sicherheitslücke in OpenBSD sowie einen Fehler im Multimedia-Framework FFmpeg, der zuvor Millionen automatisierter Fuzzing-Versuchen standgehalten hatte. Das britische KI-Sicherheitsinstitut bescheinigte Mythos als erstem Modell, alle Schritte einer komplexen Netzwerkangriffssimulation erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Anthropic reagierte mit der Initiative Project Glasswing, einem Schutzprogramm, das den Zugang auf rund 150 ausgewählte Organisationen beschränkt. Zu den Partnern zählen Tech-Giganten wie AWS, Apple, Microsoft und Nvidia. Erst am 19. Juli stieß der Sicherheitsspezialist Nozomi Networks hinzu, um die Modelle für die Schwachstellensuche in operativen Technologien und industriellen Steuerungssystemen einzusetzen.

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Regierung greift ein – Exportkontrollen verschärft

Die Fähigkeiten von Mythos haben auch die US-Regierung auf den Plan gerufen. Bereits im Frühsommer verhängte das Handelsministerium vorübergehende Exportkontrollen für die Modelle Mythos und Fable 5, die am 15. Juni weltweit vom Markt genommen wurden. Nach zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen von Anthropic wurde der Zugang am 30. Juni für rund 100 genehmigte Organisationen teilweise wiederhergestellt.

Die Trump-Administration arbeitet derzeit am Programm "Gold Eagle", das die staatliche Genehmigung für den Zugang zu hochmodernen KI-Modellen von Unternehmen wie Anthropic und OpenAI zentralisieren soll. Das stößt bei Anthropic auf Widerstand – das Verhältnis zum Weißen Haus gilt als angespannt. Bundesbehörden sehen das Unternehmen als Lieferkettenrisiko, während Anthropic angeblich bestimmte Vertragsklauseln des Pentagons ablehnt.

Auch die Finanzwelt schlägt Alarm. JPMorgan-CEO Jamie Dimon verglich die unkontrollierte Verfügbarkeit von Mythos kürzlich mit der Bewaffnung von Privatpersonen mit ballistischen Raketen. Die nationalen Sicherheitsimplikationen seien enorm.

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Wettbewerb und IPO-Pläne

Trotz der regulatorischen Hürden treibt Anthropic seine Börsenpläne voran. Der Börsengang könnte bereits im Oktober erfolgen. Nach einer Series-H-Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar strebt das Unternehmen eine Bewertung von 965 Milliarden Dollar an. Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan sollen die Konsortialführer sein.

Die Beschränkungen für Mythos fallen in eine Zeit verschärfter Konkurrenz im Bereich der Cybersicherheits-KI. OpenAI hat kürzlich GPT-5.6 veröffentlicht, das in Exploit-Benchmarks die Vorschauversion von Mythos übertraf – bleibt aber unter Openais eigenem Daybreak-Programm beschränkt. Aus China kommen Open-Weight-Modelle wie Z.ais GLM-5.2, das bei der Erkennung bestimmter Web-Sicherheitslücken besser abschneidet als frühere Spitzenmodelle.

Branchenanalysten sehen ein grundlegendes Problem: Anthropic setzt mit Project Glasswing auf defensive Anwendungen. Doch die rasante Entwicklung ähnlicher Modelle durch internationale Konkurrenten und Open-Source-Entwickler könnte die Wirksamkeit nationaler Zugangsbeschränkungen langfristig infrage stellen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

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