Claude, Mythos

Claude Mythos: Anthropic öffnet Sicherheits-KI für NATO und EU

02.06.2026 - 17:59:55 | boerse-global.de

Anthropic weitet Sicherheitsprogramm auf NATO und EU aus. Claude Mythos soll kritische Infrastruktur vor Cyberangriffen schützen.

Claude Mythos: Anthropic öffnet Sicherheits-KI für NATO und EU - Bild: über boerse-global.de
Claude Mythos: Anthropic öffnet Sicherheits-KI für NATO und EU - Bild: über boerse-global.de

Das KI-Unternehmen Anthropic öffnet sein spezialisiertes Sicherheitsmodell Claude Mythos für rund 150 neue Partner – darunter NATO und EU-Behörden.

Der am heutigen Dienstag verkündete Ausbau von Project Glasswing bringt die Zahl der teilnehmenden Organisationen auf knapp 200 in über 15 Ländern. Deutschland, Frankreich, Japan, Südkorea, Kanada und Australien sind nun mit an Bord. Das Besondere: Erstmals erhalten mit der NATO und der EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA) auch internationale Sicherheitsinstitutionen Zugang zu dem System.

Schutz für Millionen Menschen

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Die neuen Partner kommen aus zentralen Bereichen der kritischen Infrastruktur: Energieproduktion, Wasserversorgung, Gesundheitswesen und Telekommunikation. Auch Technologiekonzerne wie Samsung, SK Hynix und SK Telecom sowie der Identitätsanbieter Okta sind Teil der zweiten Welle.

Das Ziel ist ambitioniert: Geschützt werden sollen Systeme, bei denen ein erfolgreicher Cyberangriff mehr als 100 Millionen Menschen treffen könnte. Bereits in der ersten Phase hatten Tech-Giganten wie Amazon, Google, Nvidia, Apple und Microsoft sowie die Sicherheitsspezialisten CrowdStrike und Palo Alto Networks bis Ende Mai über 10.000 hochriskante Sicherheitslücken gemeldet.

Rekord bei der Fehlersuche

Claude Mythos zeigt beeindruckende Fähigkeiten bei der automatischen Erkennung von Zero-Day-Schwachstellen – also bislang unbekannten Sicherheitslücken. Das Modell findet diese in allen gängigen Betriebssystemen und Webbrowsern. In über 83 Prozent der Fälle generiert es beim ersten Versuch einen funktionierenden Exploit. Partner berichten von einer Verzehnfachung ihrer internen Fehlererkennungsrate.

Aktuell läuft Claude Mythos noch in einer kontrollierten Umgebung. Doch Anthropic kündigt an, Mythos-ähnliche Modelle in den kommenden Wochen für alle Kunden freizugeben. Der Preis: 25 Dollar pro Million Input-Token, 125 Dollar pro Million Output-Token – umgerechnet etwa 23 bzw. 115 Euro.

Transatlantischer Durchbruch

Die Aufnahme der ENISA ist das Ergebnis intensiver Verhandlungen zwischen der EU-Kommission und den US-Behörden. Kommissionssprecher Thomas Regnier bestätigte mehrere Treffen Ende Mai, darunter eine formelle Sitzung am 28. Mai. Das Wochenende darauf wurde genutzt, um die letzten Details zu klären.

Es ist das erste Mal, dass das Mythos-Modell einer Institution außerhalb der USA und Großbritanniens zur Verfügung steht. Zuvor hatten nationale Sicherheitsbedenken in Washington eine Ausweitung des Programms verzögert. Parallel dazu erhalten im Juni drei große japanische Banken Zugang.

Europäische Alternativen in der Pipeline

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Während Anthropic seinen Sicherheitsdienst ausbaut, treibt die EU eigene Lösungen voran. Die französische Großbank BNP Paribas hat ihre Partnerschaft mit Mistral AI ausgeweitet, um eine regionale Alternative zum Mythos-System zu entwickeln. Ein klares Signal: Europa will bei der KI-gestützten Sicherheit nicht allein von US-Technologie abhängen.

Börsengang in Sicht

Der operative Ausbau von Claude Mythos fällt mit einem strategischen Schritt von Anthropic zusammen: Am Montag reichte das Unternehmen vertraulich die Unterlagen für einen Börsengang ein. Hintergrund ist eine kürzliche Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar, die die Bewertung des Konzerns auf fast eine Billion Dollar hievte. Zeitgleich veröffentlichte Anthropic mit Claude Opus 4.8 ein Update seines Standard-Sprachmodells mit verbesserten Leistungswerten.

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