Claude, Mythos

Claude Mythos 5: US-Regierung sperrt KI-Modell weltweit

17.06.2026 - 07:02:43 | boerse-global.de

US-Exportkontrollen zwingen Anthropic zur weltweiten Abschaltung seiner Spitzen-KI. G7-Staaten kritisieren die Maßnahmen scharf.

Anthropic deaktiviert KI-Modelle nach US-Exportverbot
Claude - A glowing blue neural network with a padlock icon is partially covered by a red 'X', symbolizing AI model restrictions. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die US-Regierung und der KI-Entwickler Anthropic haben sich nicht auf eine Lockerung der Exportkontrollen einigen können. Die Folge: Die hochmodernen Modelle Claude Mythos 5 und Fable 5 wurden weltweit deaktiviert. Das sorgt für diplomatischen Zoff bei den G7-Staaten und Alarmrufe aus der Finanzbranche.

Eskalation per Regierungsanordnung

Am 12. Juni 2026 erließ das US-Handelsministerium eine strenge Exportverfügung. Sie untersagt ausländischen Staatsangehörigen die Nutzung von Anthropics Fable 5 und Mythos 5. Das Handelsministerium stuft die automatisierten Schwachstellen-Erkennungsfunktionen dieser Modelle als regulierte Güter ein – vergleichbar mit physischen Waffen. Es ist einer der massivsten Eingriffe einer Regierung in die Geschäfte eines privaten KI-Unternehmens.

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Anthropic, zuletzt mit über 900 Milliarden Euro bewertet, reagierte prompt: Beide Modelle wurden für alle Nutzer weltweit abgeschaltet. Zuvor hatten Organisationen in mehr als 15 Ländern Zugriff auf die Technologie.

Sicherheitslücken und der Jailbreak-Streit

Auslöser der Regulierungsaktion waren offenbar Forschungen bei Amazon. Sie legten nahe, dass die Modelle manipuliert werden könnten, um Sicherheitsprotokolle zu umgehen. Amazon-CEO Andy Jassy informierte Finanzminister Scott Bessent über die Befürchtung, die KI könnte Anleitungen für Cyberangriffe liefern. Die National Security Agency (NSA) bestätigte später, dass die internen Schutzmechanismen der Modelle ausgehebelt werden könnten.

Im Zentrum des Streits steht ein dreiwortiger Befehl zur Behebung bestimmter Programmierfehler. Die US-Regierung sieht darin ein Sicherheitsrisiko. Sicherheitsforscherin Katie Moussouris widerspricht: „Das Modell hat Standard-Aufgaben der defensiven Sicherheit erledigt – keinen bösartigen Angriff."

Anthropic-CEO Dario Amodei argumentiert, die Fähigkeiten von Mythos 5 und Fable 5 seien nicht einzigartig. Vergleichbare Funktionen fänden sich auch in anderen Spitzenmodellen wie GPT-5.5.

Diplomatische Krise beim G7-Gipfel

Das Exportverbot belastet die Beziehungen zwischen den G7-Staaten. Beim aktuellen Gipfel in Frankreich äußerten EU-Vertreter und Kanadas Premierminister Mark Carney Bedenken. Carney verglich die systemischen Risiken hochentwickelter KI mit der Finanzkrise 2008. Er warnte vor einer zu großen Abhängigkeit von US-kontrollierter Infrastruktur.

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US-Handelsminister Howard Lutnick stellte zwar die Möglichkeit in Aussicht, ausgewählten „vertrauenswürdigen Partnern" Zugang zu gewähren. Europäische Vertreter bezeichnen die aktuellen Maßnahmen jedoch als diskriminierend. Japans Finanzministerin Satsuki Katayama erklärte, die Sperrung stelle zwar noch keine operative Bedrohung für japanische Banken dar. Man werde aber beim G7-Gipfel eine formelle Erklärung verlangen.

Finanzstabilität in Gefahr?

Die Fähigkeiten von Mythos 5 beunruhigen die globale Finanzwelt. Bei einer IWF-Sitzung in Washington diskutierten Finanzminister und Notenbankchefs Berichte, wonach das Modell Schwachstellen in großen Betriebssystemen identifiziert habe.

In den USA warnen Gesetzgeber vor den Risiken „agentischer KI" für das Bankensystem. Abgeordneter Bill Foster erklärte, solche Technologie könne theoretisch in Sekundenschnelle Bank-Runs auslösen – weit schneller als der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank 2023. Zur Risikominimierung gibt es Vorschläge für einen staatlich festgelegten Open-Source-Software-Stack, der kleineren Banken Stabilität sichern soll.

Widerstand aus der Tech-Branche

Die Beschränkungen stoßen auf erheblichen Widerstand. Fast 100 Experten – darunter Vertreter von Nvidia, Adobe und Google – unterzeichneten einen offenen Brief. Sie fordern die Aufhebung der Exportkontrollen. Die aktuellen Maßnahmen seien intransparent und behinderten Sicherheitsexperten, die KI für legitime Schutzaufgaben nutzten.

Anthropics leistungsfähigste Modelle bleiben vorerst offline. Das Unternehmen verhandelt weiter mit dem Finanzministerium, dem Handelsministerium und dem Nationalen Cyber-Direktorat der USA.

de | wissenschaft | 69559087 |