CKM-Syndrom: Studie zeigt deutlich erhöhtes Krebsrisiko
02.06.2026 - 19:04:45 | boerse-global.deDie Forschung rückt nun die gemeinsame Betrachtung von Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen in den Fokus.
Der gefährliche Dreiklang: Was ist CKM-Syndrom?
Das Cardiovascular-Kidney-Metabolic-Syndrom (CKM) beschreibt das komplexe Zusammenspiel von Herzkrankheiten, Nierenfunktionsstörungen und Stoffwechselproblemen wie Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit. Eine im Juni 2026 im Fachjournal Circulation: Population Health and Outcomes veröffentlichte retrospektive Studie legt nahe, dass genau diese Kombination das Krebsrisiko deutlich erhöht.
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Die Tschechische Atherosklerose-Gesellschaft hatte bereits 2025 in einem Positionspapier die zugrundeliegenden Mechanismen beschrieben. Demnach treiben vor allem viszerale Fettleibigkeit, Insulinresistenz sowie die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) und des sympathischen Nervensystems die Erkrankung voran. Die Gesellschaft betont: Lebensstiländerungen sind die Basis jeder Therapie, und Hausärzte spielen eine Schlüsselrolle bei der Früherkennung.
11 Millionen Euro für die CARDIO-DIABETES-CROSSTALK-Forschung
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat über 11 Millionen Euro für einen neuen Sonderforschungsbereich an der Universität Düsseldorf und dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) bewilligt. Das Projekt mit dem Titel „CARDIO-DIABETES-CROSSTALK“ (SFB 1774) ist auf knapp vier Jahre angelegt.
Unter der Leitung von Professor Michael Roden und Professor Maria Grandoch wollen die Forscher molekulare Faktoren im Herz-Stoffwechsel-Komplex identifizieren. Partner in München, Münster und Tübingen sind beteiligt. Ziel: neue Methoden zur Früherkennung und Prävention von Diabetes und seinen kardiovaskulären Komplikationen entwickeln.
Krebs bei Jüngeren: Steigende Raten trotz weniger Raucher
Eine in BMJ Oncology veröffentlichte Studie aus London zeigt für den Zeitraum 2001 bis 2019 einen Anstieg der Krebsraten bei 20- bis 49-Jährigen in England – bei elf verschiedenen Krebsarten. Während traditionelle Risikofaktoren wie Rauchen und Alkoholkonsum in dieser Gruppe zurückgingen, stieg die Fettleibigkeit deutlich an: bei jungen Frauen um jährlich 2,6 Prozent.
Die Forscher betonen: Allein mit Übergewicht lässt sich der Trend nicht erklären. Hochverarbeitete Lebensmittel und Bewegungsmangel gelten als weitere Verdachtsfaktoren.
Wie massiv Stoffwechselprobleme die Lebenserwartung beeinflussen, zeigt eine weitere Studie aus dem Juni 2026 im JAMA Internal Medicine. Demnach verkürzt die Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD) die Lebenserwartung ähnlich stark wie Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes – selbst bei Nichtrauchern.
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Neue Hoffnung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Die medizinische Forschung macht auch bei Krebserkrankungen Fortschritte, die mit Stoffwechsel- oder genetischen Faktoren zusammenhängen:
- Bauchspeicheldrüsenkrebs: Die Phase-III-Studie RASolute 302, veröffentlicht im New England Journal of Medicine (Mai/Juni 2026), zeigt: Der RAS-ON-Inhibitor Daraxonrasib verdoppelte die mediane Gesamtüberlebenszeit bei Patienten mit metastasiertem Pankreaskrebs und RAS-G12-Mutation auf 13,2 Monate – gegenüber 6,6 Monaten unter Standardchemotherapie. Die FDA hat dem Medikament den Breakthrough-Therapy-Status verliehen.
- Hautkrebs: Fünfjahresdaten einer Phase-II-Studie zu einem individualisierten mRNA-Impfstoff von Moderna und MSD zeigen: Die Kombination mit Immuntherapie senkt das Rückfallrisiko um 49 Prozent und das Risiko von Fernmetastasen um 59 Prozent im Vergleich zur alleinigen Immuntherapie. Ergebnisse einer größeren Phase-III-Studie werden für Ende 2026 erwartet.
- Prostatakrebs: Ein Cochrane-Review vom Juni 2026, der sechs randomisierte Studien mit rund 800.000 Teilnehmern analysierte, deutet darauf hin, dass PSA-Screening die Prostatakrebs-Sterblichkeit über 23 Jahre von 16 auf 15 Todesfälle pro 1.000 Teilnehmer senkt.
- Brustkrebs: Die Optima-Studie mit über 4.400 Teilnehmerinnen zeigt: Der genetische Test Prosigna kann identifizieren, welche Patientinnen mit frühem hormonrezeptorpositivem Brustkrebs auf Chemotherapie verzichten können. Allein im britischen Gesundheitssystem könnten so jährlich über 5.000 Frauen unnötige Behandlungen erspart bleiben.
Vorsorge: Noch viel Luft nach oben
Angesichts dieser Erkenntnisse appellieren Gesundheitsbehörden an die Bevölkerung, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. In Bayern etwa bieten die Krankenkassen ab 35 Jahren alle drei Jahre einen allgemeinen Gesundheitscheck an – die Teilnahmequote ist jedoch gering. 2023 nutzten nur 46 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen das Brustkrebs-Screening.
Seit April 2026 gibt es zudem ein neues Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm mit Niedrigdosis-CT für starke Raucher zwischen 50 und 75 Jahren.
Auch die Ernährung bleibt ein Thema. Eine Studie mit rund 112.000 Teilnehmern (Nutrinet-Santé) untersuchte den Zusammenhang zwischen Konservierungsstoffen und chronischen Erkrankungen. Zwar warnen Experten vor vorschnellen Kausalschlüssen – doch Stoffe wie Nitrate in verarbeitetem Fleisch gelten als plausibel krebserregend. Ein weiterer Grund, auf metabolische Gesundheit zu achten.
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