Chronotyp: Nachteulen haben ein rund 70 Prozent höheres Risiko für Frühausstieg
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 23:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Menschen, die abends aufblühen und morgens schwer aus dem Bett kommen, verlassen das Erwerbsleben offenbar häufiger vorzeitig als sogenannte Lerchen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Oulu, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Occupational and Environmental Medicine, wie t3n.de berichtete. Demnach haben Menschen mit spätem Chronotyp ein rund 70 Prozent höheres Risiko, vorzeitig aus dem Beruf auszuscheiden.
Zwölf Jahre Beobachtung, fast 5.700 Teilnehmende
Für die Untersuchung werteten die Forschenden Daten von 5.679 Teilnehmenden einer finnischen Geburtskohorte aus dem Jahr 1966 aus. Die Probandinnen und Probanden wurden über zwölf Jahre hinweg begleitet, im Alter zwischen 46 und 57 Jahren – jener Lebensphase, in der berufliche Weichen für die zweite Lebenshälfte oft endgültig gestellt werden.
Die Größe der Kohorte und der lange Beobachtungszeitraum verleihen den Ergebnissen laut t3n.de Gewicht, auch wenn es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keine Kausalität belegt.
Erwerbsminderungsrente als zentraler Befund
Ein zentrales Resultat der Oulu-Forschenden: Nachteulen bezogen im Beobachtungszeitraum häufiger eine Erwerbsminderungsrente als Menschen mit frühem Chronotyp.
Bemerkenswert ist, dass dieser Zusammenhang zunächst bestehen blieb, selbst nachdem die Forschenden Bildung, Einkommen und berufliche Stellung statistisch berücksichtigt hatten. Erst als Gesundheitszustand und Arbeitszeiten in die Berechnung einflossen, schrumpfte die Lücke zwischen Nachteulen und Frühaufstehern deutlich.
Das deutet darauf hin, dass nicht der Chronotyp selbst unmittelbar zum vorzeitigen Erwerbsausstieg führt, sondern vermittelnde Faktoren wie gesundheitliche Beeinträchtigungen und die Passung zwischen individuellem biologischem Rhythmus und Arbeitszeitmodellen eine wesentliche Rolle spielen.
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Menschen mit spätem Chronotyp, die etwa in frühen Schichten arbeiten müssen, könnten demnach einem chronischen Missverhältnis zwischen ihrem inneren Rhythmus und äußeren Anforderungen ausgesetzt sein – mit gesundheitlichen Folgen, die sich über Jahre aufsummieren.
Methodische Grenzen der Studie
Wichtig für die Einordnung der Ergebnisse ist eine methodische Einschränkung: Der Chronotyp wurde in der Studie nur einmalig erfasst, und zwar im Alter von 46 Jahren.
Veränderungen des individuellen Rhythmus im Zeitverlauf – etwa durch Alterung oder veränderte Lebensumstände – konnten somit nicht abgebildet werden. Zudem handelt es sich, wie betont wird, um eine Beobachtungsstudie. Sie kann statistische Zusammenhänge aufzeigen, aber keine ursächlichen Wirkmechanismen beweisen.
Bedeutung für Arbeitswelt und Prävention
Die Befunde aus Oulu fügen sich in eine wachsende Forschungslinie ein, die den individuellen biologischen Rhythmus als relevanten Faktor für Gesundheit und Erwerbsfähigkeit im mittleren und höheren Lebensalter begreift.
Für Arbeitgeber und Arbeitsmedizin könnte dies bedeuten, dass eine stärkere Berücksichtigung individueller Chronotypen bei der Gestaltung von Arbeitszeiten – etwa durch flexiblere Schichtmodelle – dazu beitragen könnte, gesundheitsbedingte Frühausstiege aus dem Erwerbsleben zu verringern.
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Da der Zusammenhang zwischen Chronotyp and vorzeitigem Erwerbsausstieg maßgeblich über Gesundheit und Arbeitszeiten vermittelt wird, liegt hier ein möglicher Ansatzpunkt für betriebliche Präventionsmaßnahmen, auch wenn die Studie selbst keine konkreten Interventionsempfehlungen ausspricht.
Für Beschäftigte mit spätem Chronotyp legen die Ergebnisse nahe, frühzeitig auf das Zusammenspiel von Arbeitszeitgestaltung und eigenem gesundheitlichem Befinden zu achten, um einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben vorzubeugen.
