Chronischer Stress: 43% höheres Herzinfarkt-Risiko durch Entzündung
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chronischer Stress hinterlässt Spuren am Herzen, lange bevor sich Beschwerden bemerkbar machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London, die im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlicht wurde.
Die Forschenden zeigen, dass durch Stress ausgelöste Entzündungsprozesse das Herz schleichend schädigen und das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen können – ohne dass Betroffene davon zunächst etwas bemerken.
Große Datenbasis aus der UK Biobank
Die Studie stützt sich auf Daten von rund 480.000 Menschen in Großbritannien, die im Rahmen der UK Biobank erhoben wurden. Als Maß für chronische Entzündung nutzten die Forschenden den Blutmarker Glykoprotein-Acetyl, kurz GlycA. Dieser Marker erlaubt es, entzündliche Prozesse im Körper unabhängig von akuten Infektionen oder Verletzungen abzubilden und damit ein Bild der langfristigen Belastung des Organismus zu zeichnen.
Deutlich erhöhtes Risiko bei hohen Entzündungswerten
Die Auswertung ergab, dass Menschen mit den höchsten Entzündungswerten – den obersten 20 Prozent der untersuchten Gruppe – ein um 43 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall aufwiesen als jene mit den niedrigsten Werten in den unteren 20 Prozent.
Bemerkenswert ist dabei, dass dieser Zusammenhang auch bei Personen ohne bestehende Herzerkrankung bestand. Die Entzündung wirkte also unabhängig von bereits diagnostizierten kardiovaskulären Vorerkrankungen als eigenständiger Risikofaktor.
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Strukturelle Veränderungen am Herzen bleiben lange unbemerkt
Neben dem erhöhten Risiko für akute Ereignisse fanden die Wissenschaftler auch messbare Veränderungen an der Herzstruktur selbst. Bei höheren Entzündungswerten zeigten sich verdickte Herzwände, kleinere Herzkammern und eine geringere Füllung des Herzens.
Solche strukturellen Veränderungen können laut einem Bericht vom 20. September 2026 jahrelang symptomlos bleiben und im weiteren Verlauf zu einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion führen – einer Form der Herzschwäche, bei der die Pumpfunktion des Herzens zunächst noch normal erscheint, während sich die Füllung zunehmend verschlechtert.
Vielschichtige Ursachen zwischen Lebensstil und sozialer Lage
Der beobachtete Zusammenhang steht nicht isoliert da, sondern korreliert mit einer Reihe weiterer Faktoren: sozialen und psychischen Belastungen, sozioökonomischer Benachteiligung, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel.
Zusätzlich beeinflussen genetische Faktoren, wie anfällig ein Mensch für diese entzündlichen Prozesse ist. Die Studie zeichnet damit ein komplexes Bild, in dem individuelle Lebensumstände und biologische Veranlagung zusammenwirken.
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Mögliche Ansatzpunkte für künftige Behandlungen
Als mögliche molekulare Treiber der beobachteten Entzündungsprozesse gelten Entzündungsproteine aus der Interleukin-1- und der TNF-Familie. Medikamente, die gegen diese Signalwege wirken, werden bereits in klinischen Studien untersucht, wie ein Bericht vom 20. September 2026 festhält. Eine allgemeine Behandlungsempfehlung gibt es bislang jedoch nicht – die Forschung dazu steht noch am Anfang.
Studienleiter Declan O'Regan vom Imperial College London beziehungsweise dem MRC Laboratory of Medical Sciences brachte die Tragweite der Ergebnisse auf den Punkt: Millionen von Menschen könnten mit einer versteckten Entzündung leben, ohne es zu wissen. Auch Prof. Bryan Williams von der British Heart Foundation äußerte sich zu den beobachteten Herzveränderungen und unterstrich damit die Relevanz der Befunde für die kardiologische Forschung.
Die Ergebnisse legen nahe, dass Entzündungsmarker künftig eine größere Rolle bei der frühzeitigen Einschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos spielen könnten – auch bei Menschen, die bislang als unauffällig gelten.
