Chronische Schmerzen: ADHS-Fälle doppelt so häufig wie in Normalbevölkerung
16.06.2026 - 03:52:58 | boerse-global.de
Aktuelle Forschungsergebnisse aus der ersten Jahreshälfte 2026 belegen einen klaren Zusammenhang mit chronischen Schmerzen, Entzündungen und Störungen des Immunsystems.
Die Symptomatik der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung lässt sich demnach nicht mehr rein psychiatrisch einordnen. Forscher entdecken zunehmend somatische Komponenten.
Doppelt so viele ADHS-Fälle bei Schmerzpatienten
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Eine im Juni in Scientific Reports veröffentlichte Studie analysierte 958 Erwachsene mit therapieresistenten chronischen Schmerzen. Das Ergebnis: ADHS-Anzeichen traten in dieser Gruppe doppelt so häufig auf wie in der Allgemeinbevölkerung.
Besonders betroffen waren Patienten mit extrem hohen Schmerzwerten zwischen 9 und 10 auf der Schmerzskala. Als mögliche Ursachen diskutieren Wissenschaftler die zentrale Sensibilisierung und Neuroinflammation – also Entzündungsprozesse im Nervensystem.
Diese könnten sowohl die Schmerzwahrnehmung verstärken als auch typische ADHS-Symptome beeinflussen. Betroffene haben zudem ein erhöhtes Risiko für chronische Beckenschmerzen und Migräne.
Immunsystem und ADHS – Eine unterschätzte Verbindung
Die Forschung aus dem Frühjahr 2026 zeigt eine statistische Häufung von ADHS mit immunologischen Erkrankungen. Patienten mit ADHS-Diagnose leiden häufiger unter Asthma, Allergien und Ekzemen.
Auch Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Typ-1-Diabetes und Schilddrüsenunterfunktion treten gehäuft auf. Bereits bei Einjährigen waren erhöhte Entzündungsmarker nachweisbar, wenn später eine ADHS-Diagnose erfolgte.
Personen mit ADHS tragen zudem ein höheres Risiko für Infektionen und Langzeitfolgen nach viralen Erkrankungen wie Long-COVID.
Genetik: 70 bis 80 Prozent Vererbungswahrscheinlichkeit
Die Erblichkeit von ADHS wird auf 70 bis 80 Prozent geschätzt – zumindest wenn Eltern oder Lehrer die Bewertung vornehmen. Bei Selbsteinschätzungen liegt der Wert unter 50 Prozent.
Eine genomweite Assoziationsstudie identifizierte rund 7.300 Genvarianten, die mit der Störung korrelieren. Die genetische Schnittmenge mit anderen psychischen Erkrankungen ist enorm: Über 90 Prozent der Risikovarianten finden sich auch bei Schizophrenie und Depressionen, 84 Prozent überlappen mit Autismus-Spektrum-Störungen.
Neben der genetischen Disposition spielen epigenetische Veränderungen eine Rolle. Auslöser können Stress, Traumata oder Giftstoffe sein. Auch Nikotinkonsum vor der Zeugung wird als Faktor diskutiert.
KI erkennt ADHS mit 92-prozentiger Trefferquote
Weltweit sind etwa 7,2 Prozent der Bevölkerung betroffen, bei Kindern liegt die Rate bei 11,4 Prozent. Doch nur ein Fünftel erhält eine offizielle Diagnose.
Hier setzt ein neuer KI-Algorithmus der Duke University an. Das System wertet elektronische Patientenakten von Kindern unter neun Jahren aus und erreichte eine Trefferquote von 92 Prozent. Ein überraschender Indikator: Vitamin-D-Mangel.
Digitale Therapie als Gamechanger
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Auch bei der Behandlung zeichnen sich Fortschritte ab. Eine Studie aus 2026 in Psychological Medicine untersuchte die App „Attexis“ an 337 Erwachsenen.
Nach drei Monaten Nutzung zusätzlich zur Standardmedikation oder Psychotherapie berichteten die Teilnehmer von signifikanten Verbesserungen. Die Effekte waren vergleichbar mit persönlicher Psychotherapie.
Das ist relevant: Seit 2015 hat sich die Zahl der Erstdiagnosen bei Erwachsenen in Deutschland etwa verdreifacht. Die Versorgungssysteme stehen vor enormen Herausforderungen – digitale Lösungen könnten hier entlasten.
