Chronische, Entzündungen

Chronische Entzündungen: BIRC3-Gen-Mutationen erklären schwere Crohn-Verläufe

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 02:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Studien identifizieren genetische Ursachen für Morbus Crohn und zeigen systemische Wechselwirkungen zwischen Darmflora, Ernährung und Entzündungsprozessen auf.

Chronische Entzündungen: Neue Gen- und Mikrobiom-Erkenntnisse 2026
Mikroskopische Ansicht von entzündetem Darmgewebe mit Immunzellen und geschädigter Schleimhaut. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Medizin versteht Entzündungsprozesse zunehmend als systemisches Phänomen. Aktuelle Studien aus dem Jahr 2026 zeigen: Nicht nur genetische Veranlagungen, sondern auch metabolische Verbindungen zwischen Organen und die Darmflora spielen eine entscheidende Rolle.

Genetische Durchbrüche bei Morbus Crohn

Ein internationales Forscherteam unter Leitung der Ludwig-Maximilians-Universität München hat eine spezifische genetische Ursache für schwere Crohn-Verläufe identifiziert. In einer Studie im Fachmagazin Gastroenterology wiesen die Wissenschaftler Mutationen im BIRC3-Gen bei 14 Betroffenen aus zehn Familien nach.

Der Funktionsverlust von BIRC3 führt zu einer Fehlregulation des RIPK1-Signalwegs im Darmepithel. Die natürliche Schutzbarriere der Darmschleimhaut wird geschwächt – chronische Entzündungen entstehen.

Parallel dazu erforschte ein Kieler Team die Rolle von Immunreaktionen gegen den Hefepilz Candida albicans. Immunzellen gegen diesen Pilz stammen ursprünglich aus der Mundschleimhaut. Bei Crohn-Patienten entwickeln sie jedoch pathogene Eigenschaften und befeuern die Darmentzündung. Das könnte neue Therapieansätze eröffnen.

Systemische Wechselwirkungen entdecken

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) berichten im Fachblatt Cardiovascular Research über die sogenannte Oxalat-IL-17A-Achse. Im Mausmodell löste oxalatreiche Ernährung systemische Entzündungen aus, die Nieren- und Herzschäden begünstigten.

Eine Blockade des Botenstoffs IL-17A reduzierte diese Schäden im Experiment. Bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen korrelierten erhöhte Oxalatwerte zudem mit einem gesteigerten kardiovaskulären Risiko.

Auch Long-Covid liefert neue Daten zum Entzündungsgeschehen. Eine Studie in Redox Biology an 750 Erwachsenen untersuchte den Zusammenhang zwischen Selenstoffwechsel und Fatigue. 23,1 Prozent der Teilnehmenden litten durchschnittlich 21,9 Monate nach einer Infektion unter Erschöpfungszuständen.

Eine Kombination aus niedrigen Selenspiegeln und spezifischen Autoantikörpern gegen das Selenprotein P verdoppelte die Fatigue-Häufigkeit. Diese Autoantikörper wurden allerdings nur bei 3,9 Prozent der Probanden nachgewiesen.

Ernährung als Schutzfaktor

Anzeige

Die neue BIRC3-Studie zeigt: Bei schweren Crohn-Verläufen steckt oft eine genetische Ursache dahinter. Ein einfacher Test kann Klarheit schaffen und den Weg zu gezielten Therapien ebnen. Jetzt kostenlosen Report anfordern

Die Tufts University wertete Daten von 15.000 Teilnehmenden aus. Ergebnis: Wer mehr als 30 verschiedene Pflanzenarten pro Woche konsumiert, senkt das Risiko für Krankenhausaufenthalte aufgrund entzündlicher Erkrankungen um 31 Prozent.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aktualisierte im Juli 2026 ihre Leitlinien zur Demenzprävention. Bis zu 45 Prozent der Risikofaktoren seien durch Lebensstiländerungen beeinflussbar.

Weitere Studien fokussieren auf die Darmgesundheit:

Mikrobiom-Diagnostik: Forscher der Universität Hohenheim zeigen: Für die Diagnostik könnte die quantitative Gesamtmenge der Darmflora wichtiger sein als die bloße Artenzusammensetzung.

Darmkrebsprävention: Eine Analyse von NHANES-Daten (2001–2020) der Chung Shan Medical University deutet darauf hin, dass regelmäßiger Joghurt-Konsum sowie Prä- und Probiotika das Darmkrebsrisiko statistisch nahezu halbieren.

Altersmedizin: In Nature Communications dokumentierten Forscher einen Zusammenhang zwischen geringerer bakterieller Vielfalt im Darm und höherer Sturzhäufigkeit sowie Gebrechlichkeit bei älteren Frauen.

Neue Therapieansätze bei Autoimmunerkrankungen

Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2025 bestätigen die Wirksamkeit von IL-1-Blockern wie Anakinra und Canakinumab bei autoinflammatorischen Erkrankungen. Die Wirkstoffe reduzieren die Anzahl der Krankheitsschübe bei seltenen Syndromen wie CAPS oder FMF deutlich.

Bei Systemischem Lupus Erythematodes (SLE) zeigt eine aktuelle Analyse: Nicht Hormone, sondern die Anzahl der X-Chromosomen ist entscheidend für das Erkrankungsrisiko. Männer mit Klinefelter-Syndrom (XXY) haben ein 8,5-fach erhöhtes Risiko, Frauen mit Triple-X-Syndrom sogar ein 22-faches.

Anzeige

Systemische Entzündungen betreffen nicht nur den Darm – sie gefährden auch Herz und Nieren. Erfahren Sie, wie Sie mit Ernährung und neuen Medikamenten gegensteuern können. Entzündungs-Ratgeber jetzt sichern

Für den Wirkstoff Deucravacitinib wurden in Phase-III-Studien signifikante Verbesserungen der Proteinurie gemeldet. Der Umsatz des Medikaments Voclosporin stieg im ersten Quartal 2026 um 24 Prozent auf 77,7 Millionen US-Dollar.

Forscher wie Andreas Koeberle von der Universität Graz untersuchen zudem langkettige Vitamin-E-Metaboliten. Diese Stoffe zeigten in Labor- und Mausmodellen entzündungshemmende Eigenschaften – ähnlich wie Inhaltsstoffe der Bitterkola. Sie könnten die Auflösung von Entzündungsprozessen fördern.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69776118 |