Cholesterin: WHO bringt erhöhtes LDL mit 3,6 Millionen Todesfällen in Verbindung
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 22:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deErgebnisse aus internationalen Vorsorgeuntersuchungen und Registern verdeutlichen eine erhebliche Verbreitung erhöhter Cholesterinwerte in der erwachsenen Bevölkerung.
Da Fettstoffwechselstörungen meist symptomlos verlaufen, bleiben sie über lange Zeiträume unbemerkt, erhöhen jedoch das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle und Herzinfarkte deutlich. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stand ein erhöhtes LDL-Cholesterin im Jahr 2023 weltweit mit rund 3,6 Millionen Todesfällen in Verbindung.
Hohe Prävalenz und Defizite in der Versorgung in Europa
In Frankreich betrifft eine Hypercholesterinämie nach Angaben von Santé publique France etwa einen von fünf Erwachsenen, was rund 12 Millionen Menschen entspricht. Eine im September 2026 von OpinionWay für Danacol und Alliance du Cœur durchgeführte Erhebung ergab zudem, dass 66 Prozent der Befragten das Thema Cholesterin in der öffentlichen Wahrnehmung als unterrepräsentiert betrachten.
In Kroatien weisen nach Angaben von Prof. Ivan Pe?in mehr als 65 Prozent der Bevölkerung erhöhte Cholesterinwerte und mehr als 50 Prozent einen Bluthochdruck auf, wobei zahlreiche Betroffene unzureichend therapiert seien.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Tschechien anhand der Querschnittsstudie EHES 2019 unter Erwachsenen im Alter von 25 bis 64 Jahren (1.057 Teilnehmende: 426 Männer, 631 Frauen). Dyslipidämie stellte dort mit einer Rate von 71,7 Prozent den häufigsten Risikofaktor dar.
Auffälligkeiten betrafen das Gesamtcholesterin bei 54,3 Prozent, LDL-C bei 52,3 Prozent, Non-HDL-C bei 41,1 Prozent, Triglyzeride (TAG) bei 27,6 Prozent und HDL-C bei 8,7 Prozent. Lediglich 33,4 Prozent der Betroffenen wussten von ihrer Störung; von diesen erhielten 27,7 Prozent Lipidsenker, und nur 23,7 Prozent der Behandelten erreichten die studienbezogenen Zielwerte.
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Auch die Abrechnungsdaten des Nationalen Gesundheitsdienstes Lettlands (NVD) belegen die Dimension: Im Jahr 2025 bezogen dort 237.177 Patienten cholesterinsenkende Medikamente über das staatliche Erstattungssystem, was Kosten von 9.312.994 Euro verursachte. Viele Diagnosen werden im dortigen System zu 75 Prozent bezuschusst, während eine vollständige Kostenübernahme nur bestimmten Gruppen wie Bypass- oder Stent-Patienten vorbehalten ist.
Screenings und Risikoprofile in Asien
In der chinesischen Provinz Zhejiang liegt die Dyslipidämie-Prävalenz bei Erwachsenen bei 49,19 Prozent, begleitet von Raten von 23,56 Prozent bei Hypertonie, 17,83 Prozent beim metabolischen Syndrom sowie 5,94 Prozent bei Diabetes. Die Kardiologin Xiang Meixiang hob hervor, dass 77 Prozent der Todesfälle durch koronare Herzkrankheit auf erhöhtes Cholesterin zurückzuführen seien.
In Indonesien wurden im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen von Januar bis September 2026 insgesamt 1.357.772 Personen untersucht, was 24,01 Prozent des Zielwerts von 5.653.919 entspricht.
Bei 832.723 Getesteten – einem Anteil von 61,33 Prozent – zeigte das Lipidprofil Auffälligkeiten als Schlaganfall-Risikofaktor. Das dortige Screening richtet sich an Personen ab 40 Jahren mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Hypertonie.
Daten der Erhebungen GBD 2023 und SKI 2023 beziffern die jährlichen Schlaganfall-Neuerkrankungen in Indonesien auf rund 664.000 Fälle bei einer Prävalenz von 8,3 pro 1.000 Einwohner ab 15 Jahren.
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Atherosklerose und genetische Vorbelastung
Aus medizinischer Sicht vollzieht sich die durch LDL-Cholesterin getriebene Gefäßverkalkung schleichend. Der Nephrologe Volker Schettler wies darauf hin, dass Gefäßablagerungen Arterien verengen und ein Aufplatzen dieser Plaques zu Gerinnseln, Herzinfarkten, Schlaganfällen oder der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) führen kann. Er rät zu Lipidmessungen bei Kindern ab 5 Jahren im Fall familiärer Vorbelastungen sowie regulär spätestens mit 18 Jahren.
Gesetzlich Versicherte in Deutschland haben Anspruch auf einen einmaligen Test vor 35 sowie alle drei Jahre ab dem 35. Lebensjahr. Fachärztin Juliane Willecke vom Herz- und Diabeteszentrum NRW erläuterte, dass LDL-Werte über 190 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) ein deutlich erhöhtes Risiko bedeuten.
Angestrebt würden für gesunde Menschen oft Werte unter 116 mg/dl, bei relevanten Vorerkrankungen unter 55 mg/dl. Rund 80 bis 90 Prozent des Cholesterins synthetisiert der Körper selbst.
Besondere Risiken birgt die familiäre Hypercholesterinämie (FH). Nach Angaben der Stiftung Kindergesundheit und von Prof. Berthold Koletzko verläuft die Erbkrankheit in der Kindheit meist symptomlos, erfordert aber Kaskadenscreenings und familiäre Abklärungen.
Die heterozygote Form betrifft schätzungsweise eine von 250 bis 500 Personen (in Polen etwa 150.000 bis 200.000 Menschen, laut djd jeder 300. Mensch in Deutschland), wobei eine 50-prozentige Vererbungswahrscheinlichkeit je Kind besteht.
Unbehandelt verringert FH die Lebenserwartung im Schnitt um 15 bis 21 Jahre; betroffene Männer erleiden ohne Therapie häufig vor dem 40. Lebensjahr ein koronares Ereignis. Eine frühe Kombinationstherapie mit Statinen und Ezetimib kann das LDL um 50 bis 60 Prozent drücken und das Infarktrisiko um rund 80 Prozent reduzieren.
Die seltenere biallelische beziehungsweise homozygote Form (etwa 1 von 160.000 bis 300.000) erfordert neben Medikamenten oftmals regelmäßige Blutreinigungen per LDL-Apherese.
