Chiasamen, Studie

Chiasamen: Studie zeigt 27,5 Prozent weniger Triglyzeride nach acht Wochen

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Untersuchungen verbinden Chiasamen und Vollkornkost mit günstigeren Blutfettwerten; zugleich kennen viele Deutsche ihren LDL-Wert nicht.

Chiasamen, Vollkorn und Hafer: Studien zeigen Effekte auf Blutfette
Eine Glasschale mit Chiasamen und Walnüssen auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt der Frage, wie gezielte Ernährungsinterventionen und funktionelle Lebensmittel das kardiovaskuläre Risiko beeinflussen können. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Regulierung der Kohlenhydratzufuhr, die Substitution raffinierter Getreideprodukte sowie der therapeutische Einsatz nährstoffreicher Saaten wie Chiasamen zur Senkung erhöhter Triglyzerid- und Cholesterinwerte.

Chiasamen als Ansatz bei Fettstoffwechselstörungen

Klinische Untersuchungen zeigen deutliche Effekte von Chiasamen auf das Lipidprofil. In einer im Journal of Functional Foods publizierten italienischen Studie erhielten 52 Personen mit moderater Dyslipidämie über einen Zeitraum von acht Wochen täglich vier Kapseln einer nutraceutischen Formulierung aus kryogemahlenen Chiasamen und Vitamin E. Jede Kapsel enthielt 500 mg Chiasamen sowie 15 mg Vitamin E. Gegenüber Placebo sank der Triglyzeridspiegel um 27,5 Prozent, das Gesamtcholesterin um 8 Prozent und das LDL-Cholesterin um 10,2 Prozent, während das gefäßschützende HDL-Cholesterin statistisch signifikant um 5,7 Prozent anstieg.

Diese Ergebnisse decken sich mit breiteren Auswertungen: Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024, die 14 randomisierte Studien mit insgesamt 835 Teilnehmenden umfasste, wies je nach Dosiskategorie eine Reduktion der Triglyzeridwerte um 8,69 beziehungsweise 13,11 mg/dL nach.

Ein weiterer randomisierter Trial aus dem Jahr 2024 an 66 Personen mit Hypertriglyceridämie verglich den täglichen Konsum von 30 Gramm Chiasamen über acht Wochen mit Fischöl. Beide Interventionen führten zu einer Senkung der Triglyzeridwerte, ohne dass ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen festgestellt wurde.

Der Kardiologe Dr. Lars Sondergaard von Abbott empfiehlt Chiasamen-Pudding mit Walnüssen als herzgesundes Frühstück. Chiasamen seien reich an Alpha-Linolensäure, einer pflanzlichen Omega-3-Fettsäure, die entzündungshemmend wirke, Triglyzeride reduziere und den Blutdruck leicht senken könne. Zudem liefern die Samen lösliche und unlösliche Ballaststoffe, deren Effekte auf Cholesterin und Blutzucker mit jenen von Hafer vergleichbar seien.

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Vollkornprodukte reduzieren Entzündungs- und Stoffwechselmarker

Neben funktionellen Saaten rückt die generelle Kohlenhydratqualität in den Fokus der Kardiologie. Eine im European Heart Journal veröffentlichte Metaanalyse von 87 randomisierten Studien mit mehr als 6.500 Erwachsenen aus Regionen wie Europa, Asien, den USA, Kanada, Australien und Brasilien belegt kardiovaskuläre Vorteile beim Ersatz raffinierter Getreide durch Vollkornprodukte.

Pro 48 Gramm Vollkorn am Tag auf Trockenmassebasis sanken das Körpergewicht um 0,2 Kilogramm, der Taillenumfang um 0,22 Zentimeter, das Gesamtcholesterin um 0,10 mmol/l, das LDL-Cholesterin um 0,07 mmol/l und der systolische Blutdruck um 0,82 mmHg.

Zudem wurde der Entzündungsmarker Interleukin-6 gesenkt. Die stärksten Wirkungen zeigten sich bei einer Zufuhr von 60 bis 100 Gramm Vollkorn pro Tag, was vier bis sechs Portionen entspricht.

Ergänzend belegt eine im Fachjournal Nature Communications publizierte Untersuchung der Universität Bonn an 68 Erwachsenen mit metabolischem Syndrom die Rolle von Hafer.

Der Verzehr von dreimal rund 100 Gramm Haferflocken täglich über zwei Tage senkte das LDL-Cholesterin um 10 Prozent und das Gesamtcholesterin um 8 Prozent, wobei die Effekte über sechs Wochen anhielten. Darmbakterien bildeten dabei vermehrt Ferulasäure und Dihydroferulasäure, was direkt mit der Cholesterinsenkung korrelierte.

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Defizite bei der Risikowahrnehmung

Trotz der belegten Ernährungszusammenhänge besteht in der Bevölkerung Aufklärungsbedarf. Eine repräsentative Umfrage des Instituts Bilendi im Auftrag von Amgen unter 1.096 Personen ergab, dass 77 Prozent der Deutschen ihren LDL-Cholesterinwert nicht kennen; bei 27 Prozent wurde er noch nie bestimmt.

Obwohl 86 Prozent wissen, dass erhöhtes LDL das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko steigert, zählen lediglich 21 Prozent den Wert zu den drei wichtigsten Risikofaktoren. Im Jahr 2024 stellten Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit rund 339.200 Todesfällen die häufigste Todesursache in Deutschland dar.

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