Chatkontrolle: EU-Parlament verlängert Nachrichtenscannen bis April 2028
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 06:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während Messenger-Dienste ihre Verschlüsselung gegen Quantencomputer wappnen, hat das EU-Parlament die Überwachung unverschlüsselter Nachrichten verlängert. Zwei Entwicklungen, die die Debatte um Datenschutz und technische Souveränität neu entfachen.
Messenger rüsten gegen Quantencomputer auf
Ein Schweizer Messenger-Dienst arbeitet mit IBM an quantensicherer Verschlüsselung. Ziel ist es, Nachrichten vor Angriffen zu schützen, bei denen Daten heute abgefangen und später durch Quantencomputer geknackt werden. Die Umstellung auf gitterbasierte Kryptographie nach NIST-Standard ist für Ende 2026 geplant.
Auch Blockchain-Netzwerke reagieren. Das TRON-Netzwerk aktivierte am 3. Juli quantenresistente Signaturen in einem Testnetz. Der Rollout fürs Hauptnetz soll im dritten Quartal 2026 folgen. Branchenexperten warnen: Quantencomputer könnten bereits Ende des Jahrzehnts gängige Verschlüsselungsknacken.
Die Hardware-Sicherung zieht nach. Die Unternehmen BTQ und ICTK stellten das Design für einen Sicherheitschip fertig. Er kombiniert Quanten-Compute-in-Memory mit physisch unklonbaren Funktionen. Erste Testchips sind noch 2026 zu erwarten.
EU verlängert Chatkontrolle – knappe Mehrheit
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Das EU-Parlament traf am 9. Juli eine Entscheidung zur Chatkontrolle. Die Ausnahmeregelung, die Plattformen das Scannen unverschlüsselter Nachrichten auf Kindesmissbrauch erlaubt, wurde bis April 2028 verlängert. Das Ergebnis war knapp: 286 Ja-Stimmen gegen 276 Nein-Stimmen bei 30 Enthaltungen.
Kritiker warnen vor einer Aufweichung des Datenschutzes. Telegram-Gründer Pavel Durov verglich die Praktiken mit denen einer Bananenrepublik. Er stellte klar: Sein Dienst werde private Nachrichten nicht scannen. Ende-zu-Ende-verschlüsselte Dienste sind offiziell ausgenommen. Bürgerrechtler fürchten dennoch langfristige Folgen für die digitale Kommunikation.
Die Bedenken betreffen auch die geplante EUDI-Wallet. Experten bemängeln mangelnde Transparenz und fehlende Post-Quanten-Sicherheit für die bis Anfang 2027 geplante Anwendung.
Dezentrale Alternativen im Aufwind
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Als Reaktion auf zentrale Überwachung rücken dezentrale Modelle in den Fokus. Am 11. Juli wurde eine neue Kanalfunktion für einen Messenger auf Basis von zk-SNARKs vorgestellt. Das System kommt ohne zentrale Server und Telefonnummern aus. Die Kontrolle über Inhalte bleibt vollständig beim Ersteller.
Auch netzunabhängige Lösungen gewinnen an Bedeutung. Das quelloffene System MeshCore überträgt Nachrichten direkt zwischen Teilnehmern via LoRa-Funktechnik im 868-MHz-Band. Es funktioniert unabhängig von Mobilfunknetzen und nutzt eine eigene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
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