Chatkontrolle, EU-Parlament

Chatkontrolle: EU-Parlament billigt Scanning bis April 2028

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 15:28 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das EU-Parlament stimmt für eine zeitlich befristete Ausnahme vom Datenschutz, um Messenger-Dienste die Suche nach bekanntem Missbrauchsmaterial zu erlauben.

EU-Parlament erlaubt Messenger-Scan auf Missbrauchsmaterial
Hände halten ein Smartphone, von dem digitale Datenströme und Vorhängeschloss-Symbole ausgehen, im Hintergrund verschwommene Cloud-Symbole. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Europäische Parlament hat am Mittwoch eine Ausnahme vom Datenschutz beschlossen: Messenger-Dienste dürfen vorübergehend private Nachrichten auf Missbrauchsmaterial scannen. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von WhatsApp und Co. bleibt dabei unangetastet.

Die Regelung gilt bis April 2028 und wurde mit knapper Mehrheit verabschiedet: 286 Stimmen dafür, 276 dagegen, 30 Enthaltungen.

Strenge Auflagen für die Überwachung

Das Parlament knüpfte die Zustimmung an harte Bedingungen. Das sogenannte Client-Side Scanning – also die Prüfung von Inhalten noch vor der Verschlüsselung auf dem Endgerät – wurde abgelehnt. Die Suche darf sich ausschließlich auf bereits bekanntes Missbrauchsmaterial beziehen. Zudem ist eine menschliche Überprüfung der Funde Pflicht.

Die politischen Reaktionen fallen gespalten aus. Bundeskanzler Merz begrüßte den Beschluss als notwendigen Schritt gegen Internetkriminalität. EVP-Chef Weber betonte die Relevanz, kritisierte aber die Verzögerung. Datenschützer und einzelne Abgeordnete warnten vor einer Aushöhlung des Briefgeheimnisses und bemängelten das Eilverfahren.

WhatsApp baut Verschlüsselung aus

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Parallel zur politischen Debatte treibt WhatsApp die technische Sicherheit voran. Nutzer können ihre Chat-Backups in der Cloud mittels Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützen. Möglich ist das per Passkey, persönlichem Passwort oder 64-Bit-Schlüssel.

Weder Cloud-Anbieter noch der Messenger selbst haben dann Zugriff auf die gesicherten Inhalte.

Zudem arbeitet WhatsApp an einer Passkey-Lösung für die Geräteverknüpfung. Sie soll künftig als Alternative zum QR-Code dienen und eine Bestätigung per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung erlauben. Der klassische QR-Code bleibt aber erhalten.

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Neue Regeln für Android-Nutzer

Seit dem 7. Juli 2024 gibt es eine weitere Änderung: Android-Backups mit SMS, Anrufverläufen und App-Daten werden nun auf das Google-Speicherkontingent angerechnet. Branchenbeobachter rechnen mit einem Mehrbedarf von rund 40 Megabyte pro Nutzer.

WhatsApp-Backups werden bereits seit 2024 angerechnet. Die kostenlose Basisversion bietet weiterhin 15 Gigabyte Speicher. Wer mehr braucht, kann kostenpflichtige Erweiterungen ab 100 Gigabyte buchen. Neue Einstellmöglichkeiten in der App helfen, den Speicherbedarf individuell zu steuern.

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