CED, Lebensmittel

CED und Lebensmittel: Fehlende Darmbakterien können Reaktionen auslösen

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei CED gehen bestimmte Darmbakterien verloren, wodurch Gluten und Milchprodukte schlechter abgebaut werden und Immunreaktionen auslösen können.
Eine Petrischale mit Nährboden in einem sterilen, hellen Laborumfeld bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Viele Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden unter Beschwerden nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel. Rund 2/3 der Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) berichten über lebensmittelbezogene Symptome.

Eine im Fachjournal Gastroenterology im Jahr 2026 erschienene Untersuchung liefert nun neue Erklärungsansätze für die biologischen Mechanismen hinter diesen Reaktionen.

Wie das Fachportal biermann-medizin.de in einem Bericht vom 18. Oktober 2026 darlegt, zeigt die Arbeit eines Forschungsteams um den Studienautor Alberto Caminero von der McMaster University in Hamilton (Kanada), wie Entzündungsschübe das bakterielle Gleichgewicht im Verdauungstrakt stören und in der Folge allergieähnliche Reaktionen begünstigen.

Fehlende Bakterienstämme lösen Immunreaktion im Kolon aus

Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit steht die Wechselwirkung zwischen akuten Entzündungsschüben und der Zusammensetzung der Darmflora. Den Erkenntnissen zufolge führt eine Entzündung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen dazu, dass spezifische Darmbakterien dezimiert werden. Dabei handelt es sich um Mikroorganismen, die für den Abbau von Gluten sowie Milchprodukten zuständig sind.

Bleiben diese nahrungsspaltenden Bakterien infolge der Entzündung aus, verbleiben die entsprechenden Nahrungsbestandteile weitgehend unvollständig abgebaut im Darm. Infolgedessen kommt es im Dickdarm zu einer allergieartigen Immunantwort. Die Entzündung schafft somit eine Umgebung, in der Nahrungsmittel, die zuvor beschwerdefrei vertragen wurden, plötzlich Abwehrreaktionen des Immunsystems hervorrufen.

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Tiermodelle belegen Rolle des Mikrobioms

Die Mechanismen wurden unter anderem anhand von zwei Colitis-Mausmodellen analysiert. Die Wissenschaftler stellten fest, dass eine Exposition gegenüber Milchprodukten oder Gluten nach einer vorangegangenen akuten Entzündung eine entsprechende Reaktion auslöste.

Um den direkten Einfluss der mikrobiellen Zusammensetzung zu überprüfen, führten die Forscher zudem Übertragungsversuche durch: Ein Bakterientransfer von Tieren mit akuter Entzündung erhöhte die Anfälligkeit für die Unverträglichkeitsreaktionen bei den Empfängern.

Wurden den Tieren hingegen die fehlenden Bakterien gezielt erhalten oder zugeführt, schwächte dies die negativen Effekte messbar ab. Dieser Befund unterstreicht die funktionelle Schutzwirkung, die eine intakte Bakteriengemeinschaft gegen nahrungsvermittelte Entzündungsreaktionen entfaltet.

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Verminderter Abbau von Trigger-Lebensmitteln bei CED-Patienten

Die Beobachtungen aus dem Labor decken sich mit Daten von betroffenen Menschen. Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die über Unverträglichkeiten klagten, wiesen die Forschenden geringere Konzentrationen der relevanten Bakterien nach. Parallel dazu zeigte sich bei diesen Personen ein verminderter Abbau der jeweiligen Trigger-Lebensmittel.

Die Ergebnisse der McMaster University verdeutlichen, dass nahrungsmittelbezogene Beschwerden bei chronischen Darmentzündungen eng an mikrobielle Veränderungen gekoppelt sind. Der Verlust spezifischer Abbaukapazitäten im Mikrobiom stellt demnach ein zentrales Bindeglied zwischen entzündlichen Phasen und nachfolgenden Überempfindlichkeitsreaktionen dar.

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