Calcium und Vitamin D: Metaanalyse stellt Schutzwirkung infrage
17.06.2026 - 18:39:17 | boerse-global.de
Eine neue Mega-Studie stellt die jahrelange Praxis infrage: Bei gesunden Senioren schützen Calcium und Vitamin D offenbar kaum vor Knochenbrüchen. Fachleute widersprechen – und verweisen auf eine wichtige Ausnahme.
Metaanalyse sieht kaum Effekt
Im Juni veröffentlichte das Fachjournal „The BMJ“ eine Metaanalyse, die es in sich hat. Kanadische Forscher werteten 69 klinische Studien mit fast 154.000 Teilnehmern aus. Ihr Fazit: Die isolierte Einnahme von Calcium, Vitamin D oder beidem bietet gesunden älteren Menschen kaum klinisch bedeutsamen Schutz vor Stürzen oder Brüchen.
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Die Ergebnisse waren über verschiedene Altersgruppen, Geschlechter und Risikoprofile hinweg konsistent. Die Autoren empfehlen daher eine Überprüfung der Routine-Supplementierung. Allerdings schränken sie ein: Die Erkenntnisse gelten nicht für Menschen mit diagnostizierten Knochenerkrankungen oder in aktiver Osteoporose-Behandlung.
Fachleute halten dagegen
Trotz der Studie bleiben einige Experten bei ihren Empfehlungen. Dr. Friederike Thomasius vom Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrum betont: Die Kombination beider Wirkstoffe senke das Risiko für Hüftfrakturen um 16 Prozent und für andere Knochenbrüche um neun Prozent.
Das hat auch handfeste finanzielle Gründe. In Deutschland gibt es jährlich zwischen 130.000 und 160.000 Hüftfrakturen. Jeder Fall kostet mindestens 20.000 Euro Folgekosten. Schon eine absolute Risikoreduktion von 0,3 Prozent könnte Einsparungen zwischen 7,8 und 9,6 Millionen Euro pro Jahr bringen. Voraussetzung: die konsequente Kombinationstherapie bei Risikopersonen. Einzelgaben gelten oft als unwirksam.
Deutschlandweit massive Defizite
Unabhängig von der Fraktur-Debatte zeigt sich ein anderes Problem: Die Nährstoffversorgung in Deutschland ist schlecht. Rund 30 Prozent der Erwachsenen haben einen Vitamin-D-Mangel. Insgesamt 60 Prozent liegen unter dem optimalen Wert von 50 nmol/l.
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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 20 µg täglich. Die durchschnittliche Ernährung liefert nur 2 bis 4 µg. Sonnenexposition allein reicht oft nicht: Arbeit in Innenräumen, Kleidung, Sonnencreme, Alter und Hauttyp verhindern eine ausreichende körpereigene Bildung. Bei Verdacht auf Unterversorgung empfehlen Fachleute einen medizinischen Check.
Was wirklich hilft
Angesichts der uneinheitlichen Datenlage rücken andere Strategien in den Fokus. Experten und Studienautoren sind sich einig: Eine gesunde Lebensführung ist der Schlüssel.
Dazu gehören regelmäßiges Gleichgewichtstraining und Widerstandsübungen zur Sturzprävention. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Protein sowie ein aktiver Lebensstil mit Krafttraining ab dem Kindesalter. Für Hochrisikogruppen ist eine personalisierte medizinische Betreuung entscheidend.
Supplemente bleiben bei nachgewiesenem Mangel oder Osteoporose unter ärztlicher Aufsicht sinnvoll. Die aktuelle Forschung plädiert aber für einen differenzierteren Einsatz bei gesunden älteren Erwachsenen.
