Calcium, Vitamin

Calcium und Vitamin D: Meta-Analyse mit 154.000 Erwachsenen findet keinen Schutz

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Erwachsenen ohne Osteoporose verhindern die Präparate Stürze und Brüche nicht wirksam; Training senkt die Sturzrate.
Ein heller, minimalistischer Therapieraum mit einem hölzernen Balancebalken auf dem Boden, der körperliche Aktivität symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die weitverbreitete Annahme, dass die vorbeugende Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ältere Menschen zuverlässig vor Knochenbrüchen bewahrt, wird durch wissenschaftliche Untersuchungen zunehmend relativiert.

Eine im Juni 2026 im Fachjournal BMJ erschienene systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zieht eine ernüchternde Bilanz: Die Auswertung von 69 randomisierten klinischen Studien mit über 150.000 beziehungsweise rund 154.000 Erwachsenen ergab, dass Calcium und Vitamin D weder einzeln noch in Kombination einen klinisch relevanten Nutzen zur Verhinderung von Stürzen oder Knochenbrüchen bei Erwachsenen ohne Osteoporose bieten. Die mediane Nachbeobachtungszeit der analysierten Daten lag bei zwei Jahren.

Behörden und Mediziner raten von routinemäßiger Einnahme ab

Die Ergebnisse decken sich mit den Einschätzungen offizieller Stellen. Die US Preventive Services Task Force empfiehlt in einer finalisierten Aktualisierung, von einer routinemäßigen Einnahme der Präparate bei selbstständig lebenden älteren Personen abzusehen. Auch die französische Behörde Anses spricht sich gegen eine systematische Supplementierung der gesamten Bevölkerung aus.

Mediziner betonen die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung. Dr. Jean-Marc Sène wies darauf hin, dass Vitamin D den Calciumspiegel steigere und dadurch Risiken für die Nieren bergen könne; eine Supplementierung solle daher nicht ohne medizinischen Grund erfolgen.

Sinnvoll bleibe die gezielte Gabe hingegen bei Menschen über 65 Jahren, diagnostizierten Osteoporose-Patienten sowie Personen mit wiederholten Stürzen. Zudem herrsche von November bis März ein UVB-Mangel, der die körpereigene Synthese bremse. Sène verwies zudem auf eine Untersuchung, nach der eine reine Vitamin-D-Gabe das Auftreten von Knochenbrüchen nach fünf Jahren nicht verringerte.

Bewegung und Training zeigen messbare Schutzwirkung

Als wirkungsvollere Maßnahme zur Sturzprophylaxe gilt die körperliche Aktivierung. Laut einem Cochrane-Review aus dem Jahr 2019 senkt Bewegung die Sturzrate bei selbstständig lebenden älteren Erwachsenen um 23 Prozent.

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Ein strukturiertes Balance- und Funktionstraining in Verbindung mit Krafttraining reduziert die Rate demnach sogar um 34 Prozent. Experten raten entsprechend primär zu gezieltem Krafttraining, Gleichgewichtsübungen sowie einer ausgewogenen Ernährung mit ausreichender Proteinzufuhr.

Die Dringlichkeit wirksamer Schutzkonzepte verdeutlichen Daten aus Frankreich: Dort registrieren die Behörden jährlich rund zwei Millionen Stürze bei über 65-Jährigen, die zu mehr als 130.000 Krankenhausaufenthalten und etwa 10.000 Todesfällen führen. Rund vier Millionen Menschen in Frankreich leben mit geschwächten Knochen.

Früherkennung und Risikofaktoren im Fokus

Neben Trainingsprogrammen gewinnt die gezielte Diagnostik an Bedeutung. Die US Preventive Services Task Force empfiehlt ein systematisches Osteoporose-Screening für alle Frauen ab 65 Jahren sowie für jüngere Frauen nach den Wechseljahren, sofern ein erhöhtes Risiko vorliegt.

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Wie die SWAN-Studie an 862 Teilnehmerinnen zeigte, schreitet der Knochendichteverlust an der unteren Wirbelsäule und der Hüfte etwa ein Jahr vor bis zwei Jahre nach der letzten Menstruation am schnellsten voran, bevor sich der Abbau verlangsamt.

Eine britische Studie mit über 12.000 Frauen im Alter von 70 bis 85 Jahren belegte, dass ein Screening mit anschließenden Therapieempfehlungen die Hüftbruchrate über fünf Jahre senken konnte, auch wenn eine statistisch signifikante Reduktion sämtlicher osteoporosebedingter Knochenbrüche ausblieb.

Eine australische Studie aus dem Jahr 2018 ergab zudem, dass ein achtmonatiges überwachtes schweres Krafttraining die Knochendichte bei postmenopausalen Frauen mit niedriger Knochenmasse im Vergleich zu einem reinen Heimprogramm verbesserte; ein direkter Nachweis für die Vermeidung von Frakturen wurde in diesem Rahmen jedoch nicht erbracht.

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