WIN-Initiative: Bundesregierung und KfW wollen 25 Milliarden Wagniskapital für deutsche Start-ups mobilisieren
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 14:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundesregierung und Förderbank KfW wollen ihre WIN-Initiative ausbauen, um deutlich mehr privates Wagniskapital für junge Unternehmen in Deutschland zu mobilisieren.
Regierung und KfW werben um neue Investoren
In den kommenden Monaten wollen die schwarz-rote Koalition und die KfW verstärkt um neue Investoren für eine Beteiligung an der WIN-Initiative werben, die vor zwei Jahren gestartet wurde. Ziel ist es nach KfW-Angaben, die Finanzierungsbedingungen für Start-ups zu verbessern, zusätzliche Chancen für Investoren zu eröffnen und einen spürbaren Impuls für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu setzen.
Ziel: 25 Milliarden Euro bis 2030
Mit der Initiative sollen sich die Investitionen von Kapitalgebern mehr als verdoppeln. Bis 2030 sollen rund 25 Milliarden Euro von Großanlegern für Wagniskapital mobilisiert werden. Das zusätzliche Geld soll durch bessere Rahmenbedingungen, eine leistungsfähigere Marktinfrastruktur und eine stärkere Vernetzung in den Markt fließen. Dafür will die WIN-Initiative neue Partner gewinnen, darunter Investoren aus Stiftungen, Versicherungen, Pensionskassen und Konzernen.
Appell von Finanz- und Wirtschaftsministerin
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) betonte, Start-ups zeigten immer wieder die Innovationskraft des Standorts Deutschland. Zugleich gelinge es noch zu selten, diese Unternehmen hierzulande groß zu machen und dauerhaft zu halten. Deshalb würden die Rahmenbedingungen verbessert, damit vor allem mehr Wachstumskapital zur Verfügung steht. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verwies darauf, dass sechs von zehn Maßnahmen der WIN-Initiative bereits umgesetzt seien. In der nächsten Phase gehe es darum, noch mehr Kapital für Deutschland zu gewinnen.
Branchenexperten sehen Nachholbedarf
SPD und Union hatten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, mehr Wagniskapital zu mobilisieren. Branchenexperten sehen hier weiterhin Nachholbedarf. Auch die bisherige Bilanz der WIN-Initiative fällt verhalten aus: Seit ihrer Gründung im September 2024 wurden laut KfW bis Ende 2025 rund 2,6 Milliarden Euro am Markt investiert.
Abhängigkeit von ausländischen Geldgebern
Die deutsche Start-up-Branche ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Bei großen Finanzierungsrunden sind junge Firmen bislang jedoch häufig auf Investoren aus den USA angewiesen. Großanleger in Deutschland investieren nur begrenzt in Wagniskapital, unter anderem aufgrund strenger Vorschriften und eines insgesamt vorsichtigen Umgangs mit höheren Risiken.
Strukturelle Lücke bei Wachstumskapital
Die Ankündigung von Bundesregierung und KfW zielt auf ein seit Jahren bekanntes Kernproblem der deutschen Start-up-Landschaft: Es fehlt vor allem an großvolumigem Wachstumskapital, wenn junge Firmen aus der frühen Phase herauswachsen und international skalieren wollen. In dieser Phase greifen häufig US- oder britische Fonds zu, die deutlich größere Tickets vergeben und höhere Risiken tragen. Die scheidende Abhängigkeit von ausländischen Investoren nährt die Sorge, dass Schlüsseltechnologien und erfolgreiche Wachstumsunternehmen langfristig außerhalb Deutschlands wachsen.
Die WIN-Initiative setzt genau hier an, indem sie gezielt Großanleger wie Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen als Kapitalgeber adressiert. Diese Investoren verwalten Milliardenbeträge, investieren bisher aber nur begrenzt in Wagniskapital, unter anderem wegen regulatorischer Vorgaben und konservativer Anlagestrategien. Der geplante Hebel von 25 Milliarden Euro bis 2030 wäre, gemessen an bisherigen Volumina, ein deutlicher Sprung und könnte Fondsstrukturen stabiler finanzieren, längere Laufzeiten ermöglichen und mehr Anschlussfinanzierungen in späteren Finanzierungsrunden sichern.
Politische Bedeutung der Initiative
Politisch fügt sich die Intensivierung der WIN-Initiative in die Strategie der schwarz-roten Koalition, den Wirtschaftsstandort zu stärken und technologische Souveränität auszubauen. Wenn Finanz- und Wirtschaftsministerium gemeinsam auf Wachstumskapital drängen, signalisiert das, dass Start-ups nicht nur als Innovationsmotor, sondern als integraler Bestandteil der Industrie- und Standortpolitik betrachtet werden. Die bisherigen Investitionen von 2,6 Milliarden Euro seit 2024 zeigen jedoch, dass der Weg zu den anvisierten 25 Milliarden lang ist und zusätzliche Anpassungen bei Regulierung und Risikobewertung nötig sein könnten.
Konkrete Folgen für Gründerinnen und Gründer
Für Gründerinnen und Gründer in Deutschland ist die Initiative vor allem dann relevant, wenn das zusätzliche Kapital tatsächlich bei Fonds und Finanzierungsvehikeln ankommt, die in heimische Start-ups investieren. Gelingt die Mobilisierung großer institutioneller Anleger, dürften mehr Serien-B- und Serien-C-Runden im Inland finanziert werden können. Das würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass skalierende Unternehmen ihren Sitz und zentrale Wertschöpfung in Deutschland halten, Fachkräfte hier beschäftigen und Steuern im Land zahlen. Aus Sicht der Leser, die in Start-ups arbeiten oder investieren, hängt die Wirkung der Initiative maßgeblich davon ab, ob die angekündigte Intensivierung zügig in konkrete Fondsvolumina und einfachere Zugänge zu Wachstumskapital übersetzt wird.
