BrainEXP, Euro

BrainEXP: 372.437 Euro für KI-Auswertung von MRT-Daten bei Alzheimer

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien beleuchten altersbedingte Entzündungen; neue Tests und Forschungsprojekte erweitern die Diagnostik, während viele Ansätze noch geprüft werden.

Altersforschung: Neue Biomarker, Therapien und Diagnostikansätze
Symbolbild: Wärmflasche, Handtuch und Kräutertee Illustration mit AI erstellt.

Neue Ansätze in der Diagnostik sowie die Erforschung chemischer Verbindungen zielen darauf ab, altersbedingte Entzündungsprozesse genauer zu verstehen und die medizinische Versorgung älterer Menschen gezielt zu verbessern. Wissenschaftliche Untersuchungen liefern dazu neue Erkenntnisse über zelluläre Alterungsmechanismen, während moderne Diagnoseplattformen den Weg für eine präzisere Früherkennung ebnen.

Neutrophile Granulozyten und zelluläre Alterungsprozesse

Eine in der Fachzeitschrift Aging Cell veröffentlichte Untersuchung analysierte einen Einzelzell-Atlas aus acht Geweben junger und alter Mäuse, der insgesamt 66 Proben und 256.949 Zellen umfasste.

Die Daten zeigten, dass der Anteil an Neutrophilen bei alten Mäusen in der Leber von 0,75 auf 5,26 Prozent, in der Lunge von 0,88 auf 4,14 Prozent, in den Gefäßen von 1,05 auf 3,68 Prozent und im Darm von 1,22 auf 3,57 Prozent anstieg. Im Gehirn war hingegen kein vergleichbarer Anstieg zu beobachten.

Alte Neutrophile wiesen zudem eine veränderte Genaktivität auf und konnten in Zellversuchen Seneszenzmarker erhöhen. Diese Befunde besitzen überwiegend assoziativen Charakter, wenngleich sich in menschlichen Datensätzen teilweise ähnliche Muster zeigten.

Parallel dazu untersuchte eine kalifornische Studie Haut- und Blutproben gesunder Freiwilliger im Alter von 23 bis 80 Jahren sowie daraus kultivierte Nervenzellen. In den Hautzellen von 23 Männern nahm die Autophagie mit dem Alter ab, während sie bei 21 Frauen stabil blieb. In den Nervenzellen von acht Spenderinnen stieg die Autophagie an, wohingegen sie bei 14 Männern andere Verläufe zeigte.

In Blutproben von 23 Personen verlief der Prozess unberechenbarer; bei über 70-Jährigen war eine höhere Autophagie mit schlechteren Fitnesswerten verbunden. Ein 12-wöchiger Vorversuch mit fünf Teilnehmenden wies nach körperlichem Training eine niedrigere Autophagie in Blutzellen bei besserer Leistung auf, lieferte mangels Kontrollgruppe jedoch keinen Kausalnachweis.

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Veränderungen im mitochondrialen Bereich beschreibt eine veröffentlichung in Nature Aging: Sowohl bei Mäusen als auch beim Menschen sank die Cardiolipin-Produktion in der Skelettmuskulatur mit zunehmendem Alter.

Dieser Rückgang stößt über den Rezeptor ERR-gamma eine Signalkaskade an, die Muskelfasertyp und Stoffwechsel verändert. Mögliche therapeutische Eingriffe beruhen bislang auf Zell- und Tierversuchen; große klinische Studien am Menschen stehen noch aus.

Neue Ansätze durch Nanozyme und Wirkstoffkombinationen

In der Fachzeitschrift Advanced Science wurde der Einsatz des Nanozyms PCN vorgestellt, eines palladiumverstärkten Ceroxid-Nanozyms mit aktivierter Neutrophilenmembran. In einem Modell für perioperative neurokognitive Störungen (PND) bei 18 Monate alten Mäusen reicherte sich das verkleidete Nanozym im entzündeten Gehirn sowie an einer Tibiafraktur an.

Die Signale blieben nach intravenöser Verabreichung länger als 24 Stunden nachweisbar. Das Konstrukt verbesserte Ergebnisse in Gedächtnistests, reduzierte Entzündungsmarker und schützte sowohl Synapsen als auch die Blut-Hirn-Schranke. Während erste Sicherheitsdaten bei Mäusen ermutigend ausfielen, erfordern Wirksamkeit und Langzeitsicherheit weitere Untersuchungen.

Auf klinischer Ebene überprüfte eine randomisierte, doppelblinde Phase-2-Studie am Amsterdam UMC den Einsatz von Dasatinib in Kombination mit Quercetin bei 31 Personen mit metabolisch bedingter Steatohepatitis (MASH).

Nach 21 Behandlungswochen verringerte sich die Leberfibrose bei acht von 17 Behandelten (47 Prozent) um mindestens eine Stufe ohne MASH-Verschlechterung, verglichen mit einem von 14 Teilnehmenden (sieben Prozent) unter Placebo.

Neun von 17 behandelten Personen (53 Prozent) erfüllten die MASH-Kriterien nicht mehr, in der Placebogruppe war dies bei einer von 14 Personen (sieben Prozent) der Fall. Unerwünschte Wirkungen traten bei 14 von 17 Teilnehmenden (82 Prozent) unter dem Wirkstoffmix auf, verglichen mit sechs von 14 (43 Prozent) unter Placebo.

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Für präklinische Screeningverfahren entwickelte ein Team um Giorgos Skretas das Molekül RSQ-020 mittels gentechnisch veränderter Bakterien, die eine korrekte Proteinfaltung durch Fluoreszenz anzeigen. Das Molekül zielt auf fehlgefaltetes Tau und stellte in Tiermodellen mit Alzheimer-Merkmalen Lernfähigkeiten wieder her; Belege für eine klinische Wirksamkeit beim Menschen liegen nicht vor.

Als Forschungschemikalie zur Analyse seneszenzbezogener Beta-Galaktosidase-Aktivität dient zudem Chelidonsäure, der mögliche antioxidative und hepatoprotektive Eigenschaften zugeschrieben werden. Eine Untersuchung in Discover Chemistry analysierte zudem Extrakte aus Ricinus communis, deren Cremeformulierungen im Laborversuch bei 6.400 µg/ml Proteindenaturierungen signifikant hemmten.

Fortschritte in Bildgebung, Biomarkern und Diagnostik

In der Diagnostik neurologischer Alterserkrankungen ließ die US-Arzneimittelbehörde FDA am 20. August 2026 den Bluttest PrecivityAD2 für Erwachsene ab 40 Jahren mit Anzeichen kognitiver Beeinträchtigung zu. Der Test bestimmt Verhältnisse von Amyloid- und p-tau217-Proteinen und ordnet diese auf einer Skala von 0 bis 100 ein.

In den Zulassungsdaten wurden Amyloid-Plaques bei positivem Resultat in rund 98 Prozent der Fälle korrekt erkannt und bei negativem Ergebnis in etwa 93 Prozent der Fälle korrekt ausgeschlossen. Der Test ist nicht als Screening für symptomfreie Personen gedacht; die zugelassene Version soll laut Hersteller Ende 2026 in US-Kliniken bereitstehen.

Ergänzend veröffentlichte ein Forschungsteam der Universität Tokio in Clinical Proteomics eine acetylierungsgerichtete Proteomkarte des Blutplasmas, basierend auf Massenspektrometriedaten von 20 Alzheimer-Patienten und 20 Kontrollpersonen.

Am Luxembourg Institute of Health startete im Oktober 2026 das Projekt BrainEXP, das über zwei Phasen mit 372.437 Euro durch den FNR gefördert wird. Ziel ist eine KI-gestützte Software, die Biomarker wie Amyloid-beta, Tau und Stoffwechselparameter direkt aus MRT-Daten ableitet, um zusätzliche PET-Scans zu vermeiden.

Ein vergleichbares Ziel verfolgt das Verbundprojekt BMDNow von Fraunhofer IGD, Goethe-Universität Frankfurt und garritz online media international: Mittels CT-Bilddaten soll die Knochendichte einzelner Wirbelkörper softwarebasiert bestimmt werden. Neben Dual-Energy-CT wird die Anpassung an Single-Energy-CT erprobt, eine Medizinprodukt-Zulassung wird in ein bis zwei Jahren angestrebt.

Um die Schnittstelle zwischen Forschung und Klinik weiter zu stärken, schrieb die Universitätsmedizin Mainz das Förderprogramm ACTIVATE für Fachärztinnen und Fachärzte in der Immunologie und angrenzenden Gebieten aus.

Gefördert durch das BMFTR mit 1,06 Millionen Euro in der ersten Phase bis zum 31. Juli 2028, konzentriert sich das Programm auf translationale Immuntherapien und Biomarkerforschung, um entzündliche und altersassoziierte Erkrankungen künftig gezielter behandeln zu können.

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