BPI-Score: Tofu ist beste Proteinquelle mit 36 von 40 Punkten
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 23:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bedeutung pflanzlicher Proteinquellen als Alternative zu Fleischprodukten hat in der Ernährungswissenschaft und der Lebensmittelindustrie in den letzten Jahren erheblich zugenommen.
Aktuelle Fachbeiträge aus dem September 2026 beleuchten dabei nicht nur den hohen Proteingehalt spezifischer Produkte wie Seitan oder Tofu, sondern untersuchen auch die gesundheitlichen Auswirkungen einer pflanzenbasierten Ernährung auf Basis umfangreicher Langzeitstudien.
Nährwertprofile im direkten Vergleich
In der Debatte um die Effizienz pflanzlicher Eiweißlieferanten dient häufig die Hähnchenbrust als Referenzwert. Diese weist einen Proteingehalt von etwa 23 bis 24 Gramm pro 100 Gramm auf. Im Vergleich dazu liefert Seitan, das aus Weizeneiweiß gewonnen wird, mit 25 bis 30 Gramm Protein pro 100 Gramm einen quantitativ höheren Wert.
Dennoch wird in Fachkreisen auf das vorteilhaftere Aminosäureprofil von Fleisch hintergewiesen. Thomas Henle von der TU Dresden empfiehlt daher, Seitan gezielt mit Hülsenfrüchten wie Bohnen, Linsen oder Soja zu kombinieren, um eine optimale Proteinqualität zu erreichen.
Neben dem Proteingehalt rücken auch Ballaststoffe und Mikronährstoffe in den Fokus. Haferflocken liefern beispielsweise neben etwa 5 Gramm Eiweiß pro 50-Gramm-Portion auch wichtige Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Zink sowie Vitamin B1 und E. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät dazu, solche Vollkornprodukte fest in den Speiseplan zu integrieren.
Auch Sonnenblumenkerne werden als wertvolle Ergänzung eingestuft: Eine Portion von 30 Gramm enthält 5 bis 6 Gramm pflanzliches Protein sowie Vitamin E und Selen.
Ganzheitliche Bewertung durch den BPI-Score
Um die Qualität von Proteinquellen über den reinen Eiweißgehalt hinaus zu bewerten, entwickelte Dr. Chris Macdonald von der University of Cambridge den sogenannten BPI-Score. Wie Forschungsberichte aus dem September 2026 darlegen, bewertet dieses System 20 Proteinquellen anhand der Kriterien Gesundheit, Umwelt, Preis und Verfügbarkeit mit maximal 40 Punkten.
Tofu belegt in diesem Ranking mit 36 von 40 Punkten den ersten Platz, bei einem Proteingehalt von 16 Gramm pro 100 Gramm. Es folgen Chiasamen (22 Gramm Protein), Bohnen (23 Gramm) und Quinoa (13 Gramm).
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Hähnchenbrust erreicht als erste tierische Quelle den siebten Platz. Weitere tierische Produkte wie Lachs (Platz 13), Eier (Platz 14) und Cheddar (Platz 20) rangieren deutlich dahinter.
Technologische Innovationen und Markteinführungen
Die Lebensmitteltechnologie nutzt zunehmend innovative Verfahren, um pflanzliche Alternativen attraktiver zu gestalten. Im September 2026 bringt das Unternehmen Revo Foods mit „Cottage Protein+“ eine fermentierte Alternative zu Hüttenkäse in den Handel.
Das Produkt basiert zu 40 Prozent auf Aprikosenkernen und verzichtet auf Kokos- oder Palmfett. In Blindverkostungen wurde die Variante auf Basis von Aprikosenkernen gegenüber herkömmlichem Hüttenkäse von einer Mehrheit der Teilnehmer bevorzugt.
Ein weiteres Forschungsfeld betrifft die Nutzung von Nebenströmen. Das niederländische Projekt VASCO, das von der Organisation NWO mit knapp 4 Millionen Euro für sechs Jahre gefördert wird, untersucht die Extraktion von Proteinen aus Raps, Kartoffeln und Hülsenfrüchten.
Ziel ist die Entwicklung von Fleischalternativen und Tempeh-ähnlichen Produkten mittels Trockenfraktionierung und Fermentation. Auch die Aufwertung herkömmlicher Lebensmittel wird erforscht: Eine im Journal of Food Science im Dezember 2023 veröffentlichte Studie zeigte, dass die Anreicherung von Pasta mit Quinoa-Keimen den Proteingehalt von 13,55 Prozent auf über 20 Prozent steigern kann.
Langfristige gesundheitliche Auswirkungen und Risiken
Aktuelle Metaanalysen liefern differenzierte Daten zu den Auswirkungen einer pflanzenbasierten Ernährung. Eine im August 2026 im British Journal of Nutrition veröffentlichte Untersuchung mit Daten von über 143.000 Menschen belegt, dass der regelmäßige Verzehr von etwa 28 Gramm Nüssen pro Tag das Risiko für Bluthochdruck um 20 Prozent senken kann. Eine Steigerung der Menge über 30 Gramm hinaus brachte laut den Autoren keinen zusätzlichen Nutzen.
Demgegenüber stehen Erkenntnisse zur Knochengesundheit. Die Langzeitstudie EPIC-Oxford mit fast 55.000 Teilnehmern wies für Veganer ein um etwa 43 Prozent höheres Gesamtrisiko für Knochenbrüche im Vergleich zu Fleischessern aus.
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Insbesondere bei Hüftfrakturen wurde ein deutlich erhöhtes Risiko festgestellt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung betont daher die Notwendigkeit, bei einem Verzicht auf tierische Produkte gezielt auf die Versorgung mit Vitamin B12, Eisen, Zink und Eiweiß zu achten.
Ein direkter Vergleich im Rahmen einer Zwillingsstudie am King's College London, die bereits im Frühjahr 2020 durchgeführt wurde, zeigte bei einer veganen Ernährung positive Effekte auf den Cholesterinspiegel und das Energieniveau, während die fleischbasierte Ernährung zu einem stärkeren Aufbau von Muskelmasse, aber auch zu einem höheren Körperfettanteil führte. Bei beiden Ernährungsformen wurde jedoch ein Rückgang der mikrobiellen Diversität im Darm beobachtet.
Themen wie der Nährstoffverlust durch industrialisierte Landwirtschaft und die Bedeutung des Bodenhumus für gesunde Lebensmittel stehen zudem im Mittelpunkt des Gaumen-Hoch-Symposiums, das für Oktober 2026 in Niederösterreich angekündigt ist.
