Botsitting-Problem, Stunden

Botsitting-Problem: 6,4 Stunden wöchentlich für KI-Kontrolle

05.07.2026 - 00:01:25 | boerse-global.de

KI verändert Berufsbilder in Handwerk und Beratung, doch Produktivitätsverluste durch Kontrollaufwand und steigende Betrugsfälle bremsen den Fortschritt.

KI-Transformation: Chancen, Risiken und neue Hürden am Arbeitsmarkt
Botsitting-Problem - Eine Hand interagiert mit einer schwebenden, leuchtenden holografischen Benutzeroberfläche, die Daten und Werkzeuge anzeigt. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während immer mehr Unternehmen auf die Technologie setzen, zeigen sich gleichzeitig gravierende Sicherheitslücken und Produktivitätsprobleme.

Automatisierung im Mittelstand und Handwerk

Die Nutzung von KI ist in der deutschen Wirtschaft längst angekommen. Laut Bitkom setzten bereits 2025 rund 36 Prozent der Unternehmen auf Künstliche Intelligenz, weitere 47 Prozent planten konkrete Einsatzszenarien. Ein wesentlicher Treiber: die seit Anfang 2025 geltende E-Rechnungspflicht im B2B-Sektor.

Auch das Handwerk öffnet sich der Technologie. Die Software „Das Programm“ der synatos GmbH bindet Sprachmodelle wie ChatGPT oder Claude über eine technische Schnittstelle (MCP) an. Die Systeme erstellen VOB-konforme Angebote, verfassen Mahnungen oder führen betriebswirtschaftliche Auswertungen durch. Ziel dieser „Vertical-AI“-Ansätze: den administrativen Aufwand für Fachbetriebe minimieren.

Doch das Image des Handwerks hinkt hinterher. Ein Autodesk-Bericht aus 2026 zeigt: 82 Prozent der 14- bis 23-Jährigen in den USA gehen sicher mit KI-Tools um, aber 66 Prozent bevorzugen einen Beruf mit physischer Herstellung. Nur 24 Prozent der Befragten verbinden das Handwerk mit Hochtechnologie.

Strategischer Wandel in Beratung und Softwareentwicklung

In der Steuerberatung führt die KI-gestützte Automatisierung von Belegerkennung und Buchungsvorschlägen zu einem Rollenwandel. Statt reiner Verwaltung rücken strategische Beratungsleistungen in den Fokus. Innovative Kanzleimodelle setzen zunehmend auf klare Rollenverteilung statt auf Generalisten.

Die Softwareindustrie erlebt einen ähnlichen Umbruch. SAP nutzt KI-Systeme bereits für Code-Entwurf, Tests und Wettbewerbsanalysen. Die Unternehmensführung warnte: Das klassische Programmieren als eigenständiges Berufsbild könnte an Bedeutung verlieren. Statt Stellenstreichungen setzt SAP auf Umschulungsprogramme für neue Aufgabenbereiche.

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Produktivitätshürden durch „Botsitting“

Die versprochenen Effizienzgewinne bleiben oft aus. Ein Glean-Bericht zeigt: Büroangestellte verbringen durchschnittlich 6,4 Stunden pro Woche damit, KI-Ergebnisse zu kontrollieren oder zu korrigieren. Experten nennen das Phänomen „Botsitting“. In Technik-Agenturen führt die mangelnde Präzision der Systeme bereits dazu, dass Fachkräfte Aufgaben wieder selbst übernehmen.

Die Risiken durch Missbrauch sind enorm. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg verzeichnete für 2025 einen Rekordschaden von 212 Millionen Euro durch KI-Deepfake-Betrug. Die Dunkelziffer? Die Ermittler schätzen sie auf nahezu eine Milliarde Euro.

Regulierung und Förderung

Der EU AI Act bildet die rechtliche Grundlage für KI in Europa. Seit Februar 2025 gelten spezifische Verbote für bestimmte KI-Praktiken, zudem eine Kompetenzpflicht für Anwender. Politische Vertreter fordern jedoch ausreichend Freiräume für Innovationen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

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Die neuen gesetzlichen Anforderungen der EU-KI-Verordnung stellen viele Unternehmen vor große Herausforderungen bei der rechtssicheren Dokumentation. Sichern Sie sich diesen kompakten Umsetzungsleitfaden, um alle Fristen und Pflichten des AI Acts im Blick zu behalten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

Der Mittelstand bekommt Unterstützung: In Mecklenburg-Vorpommern trat Ende Juni 2026 eine Richtlinie in Kraft, die kleinen und mittleren Unternehmen Zuschüsse von bis zu 50.000 Euro für KI-Lösungen gewährt – etwa in Produktion, Logistik oder IT-Sicherheit.

Bildungsträger reagieren auf den Bedarf. Die Volkshochschule Oldenburg bietet für das zweite Halbjahr 2026 spezialisierte Kurse zu autonomen KI-Agenten, Prompting-Techniken und KI in der Personalentwicklung an. Ziel: Fachkräfte auf die veränderten Anforderungen vorbereiten.

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