Botnetz-Schlag: FBI und Google lahmlegen 2 Millionen Smart-TVs
Veröffentlicht am: 08.07.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gleich zwei Meldungen erschüttern die Sicherheitsbranche: Während Ermittler ein riesiges Botnetz aus gekaperten Smart-TVs und Streaming-Boxen zerschlugen, entdecken Forscher eine neue Spionagesoftware für Android-Geräte.
FBI und Google zerschlagen NetNut-Botnetz
Am 2. Juli 2026 gelang US-Behörden und Technologiekonzernen ein bedeutender Schlag gegen die organisierte Cyberkriminalität. In einer koordinierten Aktion von FBI, Google Threat Intelligence, Lumen und der US-Steuerbehörde IRS wurde das als "NetNut" oder "Popa" bekannte Residential-Proxy-Netzwerk lahmgelegt. Die Behörden beschlagnahmten mehrere zentrale Domains, darunter netnut.com, proxyjet.io und divinetworks.com.
Das Ausmaß des Botnetzes ist gewaltig: Mindestens zwei Millionen Geräte waren kompromittiert – darunter Smart-TVs, Android-basierte Streaming-Boxen und andere smarte Haushaltsgeräte. Die Täter hatten schädliche Software-Kits (SDKs) in die IoT-Geräte eingeschleust und sie so in ferngesteuerte Proxys verwandelt. Diese Infrastruktur verschleierte die wahre Herkunft von Cyberangriffen und wurde von verschiedenen kriminellen Gruppen genutzt.
Die Zahlen belegen die Dimension des Problems: Allein in einer Woche im Juni 2026 griffen rund 316 verschiedene Bedrohungscluster auf das NetNut-Netzwerk zurück. Sie nutzten es für sogenannte Password-Spraying-Angriffe, Credential-Stuffing und Werbefraud. Mit der Beschlagnahmung der Kommando-Server haben die Ermittler die Verbindung zwischen den Betreibern und den Millionen infizierter Heimgeräte gekappt. Sicherheitsexperten beobachten nun, ob die Täter versuchen, die Infrastruktur neu aufzubauen.
Wer die Sicherheitslücke in seinen IoT-Geräten nicht schließt, riskiert, dass Smart-TVs und Android-Boxen zum Einfallstor für Cyberangriffe werden – wie das NetNut-Botnetz mit zwei Millionen kompromittierten Geräten zeigt. Dieser Report liefert eine konkrete Checkliste, um Ihr Unternehmen vor Password-Spraying, Credential-Stuffing und Spionagesoftware zu schützen. Jetzt kostenlosen Sicherheits-Report anfordern
RedWing: Spionagesoftware aus dem Telegram-Katalog
Parallel zu diesem Erfolg schlagen Sicherheitsforscher Alarm wegen einer neuen Android-Spionagesoftware namens RedWing. Die Experten von Zimperium zLabs entdeckten den Schädling, der als "Malware-as-a-Service" (MaaS) vermarktet wird – ein Mietmodell, das selbst wenig versierten Kriminellen den Zugang zu hochentwickelten Überwachungswerkzeugen ermöglicht.
Die neue Android-Spionagesoftware RedWing wird als Malware-as-a-Service auf Telegram vermietet – für nur 280 Euro im Monat können Kriminelle Banking-Apps überlagern, SMS abfangen und Kameras aktivieren. Prüfen Sie, ob Ihre Firmengeräte betroffen sind, und sichern Sie sich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Absicherung. Android-Sicherheitsaudit jetzt herunterladen
Das Geschäftsmodell ist dreist und effektiv zugleich: Über einen Telegram-Bot können Abonnenten maßgeschneiderte Schadsoftware zusammenstellen. Die Betreiber erstellen Phishing-Seiten, die täuschend echt die offiziellen App-Stores nachahmen – darunter Google Play, Samsungs Galaxy Store, Huaweis AppGallery und RuStore. Einmal installiert, fordert die App umfangreiche Berechtigungen, darunter Zugriff auf die Android-Barrierefreiheitsdienste und die Möglichkeit, sich als Standard-SMS-App festzulegen. Zudem werden Nutzer aufgefordert, die Akku-Optimierung zu deaktivieren – damit die Spionage-App dauerhaft im Hintergrund läuft.
Die Fähigkeiten von RedWing sind alarmierend: Die Software kann Banking- und Kryptowährungs-Apps mit gefälschten Eingabefenstern überlagern, SMS abfangen und Anrufe über versteckte Weiterleitungsbefehle umleiten. Hinzu kommen Fernsteuerung per VNC, Keylogging sowie die Möglichkeit, Kamera und Mikrofon des Geräts zu aktivieren. Die Forscher identifizierten 82 konkrete Ziel-Apps, darunter überwiegend russische Finanzinstitute. Der Preis für das Abo liegt bei umgerechnet rund 280 Euro pro Monat – mit Rabatten für die Vermittlung neuer Kunden. RedWing gilt als Variante der bereits bekannten Oblivion-Malware und wird mit russischsprachigen Tätern in Verbindung gebracht.
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