Bluttest, Alzheimer-Risiko

Bluttest erkennt Alzheimer-Risiko: 12-fach höher bei gealterten Zellen

16.06.2026 - 06:52:43 | boerse-global.de

Forscher identifizieren Langlebigkeitsgene und entwickeln Bluttests, die Krankheitsrisiken Jahre vor der Diagnose erkennen.

Altersforschung: Neue Bluttests und Gentherapie gegen das Altern
Bluttest - Nahaufnahme einer DNA-Helix, die sich mit leuchtenden Zellstrukturen vor einem dunklen Hintergrund verflechtet und Langlebigkeitsforschung symbolisiert. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Genetische Faktoren, zelluläre Marker und Umweltbedingungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig entstehen neue Bluttests, die Krankheitsrisiken Jahre im Voraus erkennen.

Genvariante bremst Entzündungen im Alter

Auf der Konferenz der European Society of Human Genetics (ESHG) in Göteborg präsentierten Forscher im Juni 2026 neue Daten der Leiden Longevity Study. Die Analyse von 212 langlebigen Geschwistergruppen zeigte: Deren mittelalte Nachkommen erkranken im Schnitt 13 Jahre später an kardiometabolischen Erkrankungen als die Vergleichsgruppe.

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Wissenschaftler der Universität Leiden identifizierten in vier Genomregionen insgesamt 350 potenzielle Langlebigkeitsgene. Besonders vielversprechend: eine Variante im CGAS-Gen, die in zwei Familien nachgewiesen wurde. Bei den Trägern ist nur eine Kopie des Gens aktiv – was die Entzündungsreaktion reduziert. Die Forscher vermuten, dass diese gedämpfte Aktivität vor chronischen Entzündungen im Alter schützt. Weitere Studien dazu laufen am Max-Planck-Institut in Köln mit Killifischen.

Bluttest erkennt Risiken Jahre vor der Diagnose

Eine in Nature Medicine veröffentlichte Studie der Stanford University beschreibt einen Bluttest, der das biologische Alter einzelner Zelltypen bestimmt. Machine-Learning-Modelle analysierten mehr als 7.000 Proteine in über 60.000 Blutproben.

Die Ergebnisse zeigen: 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung altern in mindestens einem Zelltyp beschleunigt. Ein erhöhtes biologisches Alter von Astrozyten korreliert mit einem bis zu 12-fach höheren Alzheimer-Risiko. Bei gealterten Muskelzellen stellten die Forscher ein 12,7-fach erhöhtes Risiko für Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) fest – bereits drei Jahre vor einer klinischen Diagnose. Raucher mit stark gealterten Atemwegsepithelzellen hatten ein um 58 Prozent gesteigertes Lungenkrebsrisiko.

Sozioökonomischer Status beeinflusst das Alterungstempo

Die biologische Alterung hängt nicht nur von der Genetik ab. Eine Metastudie in Nature Human Behaviour wertete epigenetische Uhren von rund 66.000 Menschen aus 140 Studien aus. Das Ergebnis: Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status oder aus marginalisierten Gruppen zeigen eine beschleunigte biologische Alterung. Die Differenzen betragen bis zu 40 Jahre im biologischen Alter – und sind bereits im Kindesalter messbar.

Eine Studie der Vetmeduni Wien an Zebrafinken aus dem Jahr 2025 belegt zudem transgenerationale Effekte. Enkel von alten Großmüttern verfügten über 43 Prozent kürzere Telomere. Diese Verkürzung der Chromosomenenden wird über Generationen weitergegeben – selbst wenn die Elterngeneration jung ist.

Gentherapie verlängert Leben von Mäusen um 20 Prozent

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Wissenschaftler der Autonomen Universität Barcelona (UAB) veröffentlichten im Juni 2026 Ergebnisse einer einmaligen Gentherapie bei alten Mäusen. Durch einen viralen Vektor (AAV-FGF21) stieg die Lebenserwartung der Tiere um 20,54 Prozent. Die Therapie verbesserte Stoffwechsel sowie die Funktion von Leber, Nieren und Herz. Für dieses Jahr wurde bereits eine klinische Studie für Patienten mit metabolischer Steatohepatitis (MASH) genehmigt.

Die Natur liefert weitere Vorbilder: Eine Studie der Vetmeduni Wien aus dem Jahr 2023 untersuchte Nacktmulle, die bis zu 30 Jahre alt werden können. Diese Tiere verfügen über einen größeren Pool an Darmstammzellen mit langsamerer Teilungsrate – was Mutationen und Krebsrisiko reduziert.

Großprojekte treiben die Forschung voran: Das SenNet-Konsortium erstellt mit einem Budget von 191 Millionen US-Dollar einen Atlas seneszenter Zellen. Der Harvard-Forscher David Sinclair plant im Rahmen eines 101 Millionen US-Dollar dotierten Wettbewerbs klinische Tests für ein orales Medikament zur zellulären Reprogrammierung – für eine biologische Verjüngung.

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