Bluthochdruck, Demenz

Bluthochdruck und Demenz: 10 mmHg Senkung senkt Risiko um über 10%

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 14:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wearables erkennen Bluthochdruck zunehmend zuverlässiger, doch Studien zeigen weiterhin deutliche Messungenauigkeiten. Hersteller setzen auf KI und neue Sensoren.

Blutdruckmessung per Smartwatch: Fortschritte und Grenzen der Wearable-Technik
Nahaufnahme einer Smartwatch am Handgelenk zur Überwachung von Gesundheitsdaten in einem professionellen Umfeld. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Smartwatches und Smart Rings sollen künftig Bluthochdruck frühzeitig erkennen. Die Technik macht Fortschritte, kämpft aber noch mit erheblichen Genauigkeitsproblemen.

Sensoren im Alltag: Messen mit Einschränkungen

Führende Hersteller setzen bei der Blutdruckmessung primär auf die Photoplethysmographie (PPG). Dabei messen optische Sensoren die Volumenänderungen des Blutstroms. Eine im September 2025 veröffentlichte Studie zur Apple Watch zeigt jedoch deutliche Grenzen: Die Erkennungsrate für Bluthochdruck lag bei 41 Prozent aller Fälle, bei schweren Verläufen wurden 54 Prozent erreicht. Warnmeldungen gibt das System erst nach einem 30-tägigen Messzyklus bei wiederholten Mustern aus.

Samsung verfolgt einen anderen Ansatz. Die Galaxy Watch 7 verlangt eine regelmäßige Kalibrierung mit einem zertifizierten Oberarmmessgerät – alle 14 Tage, um die Messgenauigkeit innerhalb eines Toleranzbereichs von maximal 10 mmHg zu halten. Äußere Faktoren machen der Technik aber zu schaffen: Nach sportlicher Betätigung häuften sich Fehlversuche, Messungen nach Mahlzeiten wichen um bis zu 9,2 mmHg ab.

Smart Rings: Große Versprechen, offene Fragen

Auch bei den kompakten Fingerrringen wird die Entwicklung kritisch beobachtet. Anbieter wie Hama erfassen mit dem Ring One grundlegende Gesundheitsdaten wie Herzfrequenz und Schlafqualität. Crowdfunding-Projekte wie der Ring One Gen 2 von Muse Wearables versprechen dagegen Blutdruckmessung ganz ohne Kalibrierung. Fachleute zeigen sich skeptisch – die technischen Dokumentationen des Herstellers sind widersprüchlich.

KI soll Diagnosen verbessern

Das Fraunhofer IZM arbeitet derweil an einem Sensorsystem, das bis zu 240 kardiologische Parameter auswerten kann. Mithilfe von Large Language Models wie MedGemini sollen komplexe Datenmuster analysiert werden, um Hausärzte bei der Diagnose von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu unterstützen. Angesichts der rund 55.000 von der WHO identifizierten Krankheiten und 13.000 Symptome könnten solche Systeme Überweisungen zu Fachärzten künftig effizienter gestalten.

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Geschlechterunterschiede und Demenzrisiko

Die medizinischen Leitlinien unterstreichen die Bedeutung präziser Messungen – gerade bei Frauen. Die European Society of Hypertension (ESH) setzt für sie strengere Grenzwerte an: Während bei Männern Werte bis 140/90 mmHg als normal gelten, liegt die Grenze bei Frauen bei 130/90 mmHg. Ab 50 Jahren steigt das Risiko durch hormonelle Umstellungen deutlich. Eine kanadische Studie mit über 110.000 Teilnehmerinnen deutet zudem darauf hin, dass Östrogen-Tabletten das Bluthochdruck-Risiko im Vergleich zu Gels oder Pflastern um 14 Prozent erhöhen können.

Bluthochdruck steht außerdem in engem Zusammenhang mit Demenz. Eine dänische Untersuchung mit über 500.000 Personen belegt: Sowohl ein hoher Body-Mass-Index als auch Hypertonie steigern das Risiko für kognitive Einschränkungen. Eine Blutdrucksenkung um lediglich 10/4 mmHg kann das Demenzrisiko um mehr als zehn Prozent reduzieren. Als optimal gelten Werte unter 120/70 mmHg.

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Ausblick: Was die nächsten Monate bringen

Apple arbeitet Berichten zufolge an der Integration von Blutdrucksensoren für die nächste Generation seiner Ultra-Modelle. Die Vorstellung wird für den Herbst 2026 erwartet. Die Sensoren sollen primär langfristige Trends analysieren, wofür noch Zertifizierungen durch Behörden wie die FDA ausstehen. Gesundheitsfunktionen für Datenbrillen werden geprüft, dürften aber erst ab 2027 marktreif sein.

Bereits Mitte August kommt die Google Pixel Watch 5 auf den Markt. Sie bietet validiertes Schlaf-Tracking und einen satellitengestützten Notruf. Fachgesellschaften betonen jedoch: Wearables ersetzen keine ärztliche Diagnose. Sie dienen der Identifikation von Trends und als Indikator für eine notwendige klinische Abklärung.

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