Bluthochdruck: Salzfreie Kost senkt den systolischen Wert stärker als DASH
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deErnährungsinterventionen spielen in der Behandlung von Bluthochdruck eine zentrale Rolle. Eine klinische Vergleichsstudie der Nuh Naci Yazgan Universität und der Erciyes Universität, die im Fachjournal Medicine veröffentlicht wurde, liefert differenzierte Daten zur Wirksamkeit verschiedener Ernährungsansätze bei primärer Hypertonie.
Vergleich von DASH-Diät und salzfreier Kost im Studienverlauf
Die randomisierte Untersuchung der beiden türkischen Universitäten umfasste 60 Patienten mit primärer Hypertonie, die zu gleichen Teilen auf zwei Gruppen mit jeweils 30 Personen aufgeteilt wurden. Über einen Zeitraum von zwei Monaten untersuchten die Wissenschaftler die Effekte einer DASH-Diät im direkten Vergleich zu einer salzfreien Ernährung.
Zu Beginn der Erhebung lag der systolische Ausgangswert in der DASH-Gruppe bei 133,6 mmHg und in der Gruppe mit salzfreier Ernährung bei 131,59 mmHg, was keinen statistisch signifikanten Unterschied darstellte. Nach einem Monat sanken die systolischen Werte auf 127,98 mmHg unter der DASH-Diät sowie auf 124,34 mmHg bei salzfreier Kost; auch hier ergab sich noch keine statistische Signifikanz.
Nach zwei Monaten zeigte sich jedoch ein statistisch signifikanter Unterschied: Während die DASH-Gruppe einen systolischen Wert von 126,81 mmHg aufwies, ging der Wert in der salzfreien Gruppe auf 121,03 mmHg zurück. Beim diastolischen Blutdruck betrugen die Werte nach zwei Monaten 78,53 mmHg bei der DASH-Ernährung gegenüber 74,48 mmHg bei der salzfreien Variante, wobei dieser Unterschied statistisch nicht signifikant ausfiel.
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Großstudien und Reviews zur Natriumreduktion
Die Effekte einer reduzierten Natriumaufnahme werden durch weitere wissenschaftliche Arbeiten gestützt. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2021, der 21 Studien mit insgesamt 1.197 Teilnehmern auswertete, stellte fest, dass eine Salzreduktion den systolischen Blutdruck im Schnitt um etwa 6,9 mmHg und den diastolischen Blutdruck um 3,9 mmHg senkte.
Zudem ging die Albuminurie zurück, wenngleich Langzeiteffekte auf das Fortschreiten von Nierenerkrankungen nicht bestätigt wurden. Allgemein zeigt die Studienlage, dass eine Reduktion um rund 2,4 g Speisesalz pro Tag den systolischen Blutdruck bei Hypertonikern im Mittel um etwa 2,3 mmHg senken kann.
Eine im The New England Journal of Medicine publizierte Studie an 20.995 Teilnehmern in 600 ländlichen Orten Chinas untersuchte über eine mittlere Nachbeobachtungszeit von 4,74 Jahren den Einsatz von Salzersatz, bestehend aus 75% Natriumchlorid und 25% Kaliumchlorid, im Vergleich zu herkömmlichem Salz.
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Bei den Probanden mit einem Durchschnittsalter von 65,4 Jahren traten 3.000 Schlaganfälle, 4.007 schwere kardiovaskuläre Ereignisse und 5.042 Todesfälle auf. Die Schlaganfallinzidenz sank von 33,65 auf 29,14 pro 1.000 Personenjahre, was einer relativen Risikoreduktion von etwa 14% entsprach.
Schwere kardiovaskuläre Ereignisse gingen um etwa 13% und die Gesamtsterblichkeit um etwa 12% zurück, ohne dass es zu einer signifikanten Zunahme von Hyperkaliämien kam. Personen mit Nierenerkrankungen waren hierbei ausgeschlossen.
Empfehlungen und Richtlinien internationaler Fachgesellschaften
Weltweit formulieren Behörden und Fachgremien Vorgaben zur Salzzufuhr. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt weniger als 5 g Salz pro Tag. Die US-amerikanische FDA rät zu einer Zufuhr von unter 2.300 mg Natrium täglich, während die American Heart Association für Erwachsene mit Bluthochdruck weniger als 1.500 mg pro Tag nahelegt. Die Japanische Hochdruckgesellschaft empfiehlt Betroffenen weniger als 6 g Speisesalz täglich.
Fachleute weisen zudem darauf hin, dass bei Nierenerkrankungen Vorsicht geboten ist: Die KDIGO-Leitlinie aus dem Jahr 2024 empfiehlt für die meisten Betroffenen mit chronischer Nierenerkrankung unter 2 g Natrium pro Tag, warnt jedoch vor dem unbedachten Einsatz kaliumbasierter Salzersatzstoffe.
Zudem warnen chinesische Gesundheitsstellen davor, dass ein vollständiger Salzverzicht bei älteren Personen zu einer Hyponatriämie mit Schwächezuständen führen kann. Da ein Großteil des Salzkonsums aus verarbeiteten Lebensmitteln stammt, bildet die gezielte Reduktion industriell verarbeiteter Produkte einen zentralen Baustein der Hypertonieprävention.
