Bluthochdruck, Fälle

Bluthochdruck: Rund 30 Prozent der Fälle bleiben unentdeckt

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 15:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Weltweit leben rund 1,4 Milliarden Erwachsene mit Hypertonie; regelmäßige Messungen können helfen, unerkannte Risiken frühzeitig aufzudecken.
Ein heller, minimalistischer Untersuchungsraum in einer Arztpraxis mit einem Stethoskop auf einer Metallablage. Illustration mit AI erstellt.

Experten weisen verstärkt darauf hin, dass Bluthochdruck in vielen Fällen vollkommen ohne spürbare Symptome verläuft. Da Betroffene die schleichende Belastung des Herz-Kreislauf-Systems meist nicht bemerken, sind regelmäßige Messungen unerlässlich, um schwerwiegende gesundheitliche Folgeschäden frühzeitig zu verhindern.

Hohe Dunkelziffer bei arterieller Hypertonie

Die weltweite und nationale Verbreitung von Bluthochdruck bleibt auf einem hohen Niveau. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) litten im Jahr 2024 weltweit etwa 1,4 Milliarden Erwachsene im Alter von 30 bis 79 Jahren an Hypertonie, wobei vielen von ihnen die Erkrankung unbekannt ist.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) hat sich die Zahl der Betroffenen weltweit seit 1990 verdoppelt. In Deutschland sind nach RKI-Angaben rund 20 bis 30 Millionen Menschen von erhöhtem Blutdruck betroffen. Aus der GEDA-Studie des RKI geht hervor, dass hierzulande 30,9 Prozent der Frauen und 32,8 Prozent der Männer Hypertonie aufweisen.

Auch die Deutsche Hochdruckliga beziffert die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf 20 bis 30 Millionen Menschen und betont, dass die meisten nichts von ihrer Erkrankung wissen. Rund 30 Prozent der Fälle bleiben demnach unentdeckt.

Eine ähnliche Situation zeigt sich im Vereinigten Königreich: Nach Schätzungen von NHS England aus dem Jahr 2026 leben etwa 4,1 Millionen Menschen in England mit Bluthochdruck, ohne davon zu wissen. Die British Heart Foundation schätzt die Gesamtzahl der Hypertoniker im Vereinigten Königreich auf circa 16 Millionen, wovon fast 5 Millionen unwissend seien.

Das Fehlen von Warnsignalen birgt Gefahren

Das Tückische an der Erkrankung ist ihr Verlauf: Hypertonie verursacht meist keine Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Müdigkeit. Dennoch schädigt ein dauerhaft hoher Druck die Arterien im Gehirn und kann schwere Folgen wie einen Schlaganfall auslösen.

Mediziner betonen, dass auch ein allgemeines Wohlbefinden einen überhöhten Blutdruck keineswegs ausschließt. Beschwerden wie Kopfschmerz, Schwäche oder Schwindel erlauben keine verlässliche Einschätzung; Klarheit verschafft allein die Messung mit einem Tonometer.

Unbehandelt richtet der erhöhte Druck über Jahre hinweg unbemerkt Schäden an den Gefäßen an. Nach Einschätzung von Fachleuten können diese mitunter erst nach mehr als 20 Jahren zutage treten.

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Zu den in den Nationalen Versorgungsleitlinien (NVL) genannten Folgen zählen Arteriosklerose, koronare Herzkrankheit (KHK), Netzhautschäden, Nierenschäden, periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Herzinsuffizienz. Zudem gilt Bluthochdruck als Risikofaktor für Demenz.

Hypertonie erhöht das Risiko für einen Schlaganfall um das Fünffache. In Deutschland erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall; mindestens 70 Prozent dieser Ereignisse ließen sich Untersuchungen zufolge durch die Kontrolle und Behandlung von Risikofaktoren verhindern.

Wie verbreitet unerkannte Auffälligkeiten sind, verdeutlichte eine Untersuchung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe aus dem Vorjahr: Bei einem Test von 2.342 Mitarbeitenden aus Unternehmen und Behörden wies fast die Hälfte einen erhöhten oder kritischen Blutdruck auf, während nur knapp ein Fünftel Medikamente gegen Hypertonie einnahm.

Grenzwerte und Empfehlungen zur Früherkennung

Für eine zuverlässige Diagnose reicht eine einzelne Messung in der Regel nicht aus. Hilfreich sind die Führung eines Heimtagebuchs sowie ein 24-Stunden-Monitoring.

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Nach Definition der WHO liegt eine Hypertonie vor, wenn bei Erwachsenen an verschiedenen Tagen wiederholt Werte von 140/90 mmHg oder höher gemessen werden. Britische Richtlinien definieren Grenzwerte ab 140/90 mmHg bei einer Messung in einer Gesundheitseinrichtung und ab 135/85 mmHg bei einer Heimmessung.

Die Europäische Kardiologie-Gesellschaft legte 2024 Richtwerte fest: Demnach gilt ein Wert unter 120/70 mmHg als nicht erhöht, während ein Bereich von 120/70 bis 139/89 mmHg als erhöhter Blutdruck eingestuft wird.

Ab Werten von 140/90 mmHg besteht der Verdacht auf eine arterielle Hypertonie. Bei Heimmessungen sollte ein Durchschnittswert ab 135/85 mmHg ärztlich abgeklärt werden. Als normal gilt ein Blutdruck von 120/80 mmHg; bei Werten von über 140/80 mmHg raten Mediziner zum Praxisbesuch.

Erwachsenen wird grundsätzlich empfohlen, den Blutdruck mindestens einmal jährlich zu kontrollieren – insbesondere ab dem 40. Lebensjahr, bei Übergewicht, chronischem Stress oder bei einer familiären Vorgeschichte von Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Der britische Gesundheitsdienst empfiehlt Personen über 40 Jahren eine Überprüfung mindestens alle fünf Jahre. In Deutschland haben gesetzlich Versicherte ab einem Alter von 35 Jahren alle drei Jahre die Möglichkeit, sich in der Hausarztpraxis auf ihr Schlaganfallrisiko untersuchen zu lassen.

Vorgehen bei kritischen Werten und Therapietreue

Werden Werte ab 180/120 mmHg gemessen, sollte nach einer kurzen Ruhephase erneut kontrolliert werden. Bleiben die Werte anhaltend hoch oder treten Symptome wie Brustschmerzen, Atemnot oder Verwirrung auf, ist unverzüglich ärztliche Hilfe erforderlich. Bei Notfallzeichen wie einer plötzlichen Gesichtslähmung, Armschwäche oder Sprachstörungen muss sofort der Notruf gewählt werden.

Zur Senkung der Risiken tragen eine regelmäßige Kontrolle, eine reduzierte Salzaufnahme, rund 150 Minuten Bewegung pro Woche, die Regulierung des Körpergewichts sowie eine verlässliche Medikamenteneinnahme bei. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass ein normaler Messwert unter laufender Medikation nicht bedeutet, dass die Hypertonie dauerhaft geheilt ist. Verschriebene Tabletten sollten daher keinesfalls eigenmächtig abgesetzt werden.

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