Bluthochdruck messen: Präzise Werte senken falsch-positive Diagnosen um 22 Prozent
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 14:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deBluthochdruck gilt als einer der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bleibt jedoch von vielen Betroffenen über Jahre hinweg unbemerkt. Aktuelle Fachberichte und Ratgeber thematisieren die Gefahren der unerkannten Hypertonie und heben hervor, dass eine verlässliche Diagnose vor allem von standardisierten Selbstmessungen und modernen digitalen Hilfsmitteln abhängt.
Millionen Menschen ohne gesicherte Diagnose
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind sich rund 44 Prozent der Erwachsenen mit Bluthochdruck weltweit ihrer Erkrankung nicht bewusst. Zudem hat sich die Zahl der Hypertonie-Betroffenen weltweit seit 1990 verdoppelt. In Deutschland leiden laut der Deutschen Hochdruckliga (DHL) etwa 20 bis 30 Millionen Menschen an Hypertonie; etwa jeder Fünfte weiß demnach nichts von den eigenen überhöhten Werten.
Eine frühe Erkennung wird dadurch erschwert, dass Symptome oft unspezifisch ausfallen. Beobachtet werden etwa Abgeschlagenheit, Schwindel, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Nasenbluten, innere Unruhe, Ohrensausen oder Kurzatmigkeit, insbesondere wenn diese Beschwerden gemeinsam auftreten.
Nächtlicher Bluthochdruck wird zudem häufig durch Schlafapnoe verursacht, wobei Durchschlafstörungen, nächtliches Herzrasen, Nachtschweiß, Tagesmüdigkeit sowie morgendliche Kopfschmerzen als Warnzeichen gelten.
Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt zur Orientierung eine „30-50-80“-Regel: Bereits mit 30 Jahren sollte der eigene Blutdruck bekannt sein, mit 50 Jahren gut eingestellt sein und mit 80 Jahren vor Folgeschäden schützen. Zeigen sich bei zwei Messungen an verschiedenen Zeitpunkten erhöhte Werte, werden Blutdrucksenker empfohlen.
Richtwerte und Zielkorridore der Fachgesellschaften
Deutsche Fachgesellschaften definieren eine arterielle Hypertonie ab Messwerten von mehr als 140/90 mmHg in der Praxis; bei Messungen zu Hause liegen die Schwellenwerte etwa fünf Einheiten darunter.
Nach den Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) liegt eine Hypertonie bei einem Praxisblutdruck von mindestens 140/90 mmHg, einer Selbstmessung von mindestens 135/85 mmHg oder einem 24-Stunden-Mittelwert von mindestens 130/80 mmHg vor. Als erhöhter Blutdruck gilt ein systolischer Wert von 120 bis 139 mmHg oder ein diastolischer Wert von 70 bis 89 mmHg.
Hinsichtlich der therapeutischen Zielwerte bestehen Nuancen zwischen den Verbänden:
- US-amerikanische Fachgesellschaften nennen Werte unter 130/80 mmHg als Ziel.
- Die European Society of Hypertension (ESH) formuliert das Ziel allgemein mit unter 140/90 mmHg, für jüngere Erwachsene unter 65 Jahren unter 130/80 mmHg und ab 65 Jahren unter 140/80 mmHg.
- Die ESC visiert systolisch 120 bis 129 mmHg und diastolisch 70 bis 79 mmHg an.
Experten wie der Kardiologe Peter Radke weisen jedoch darauf hin, dass Abweichungen von 10 mmHg in der Regel weitgehend unproblematisch sind.
Fehlerquellen bei der Heimmessung minimieren
Um eine verlässliche Diagnose zu ermöglichen, kommt es auf die korrekte Vorbereitung und Durchführung der Heimmessung an. Vor der Messung sollte 30 Minuten auf Sport, Koffein und Nikotin verzichtet werden.
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Vor dem Start empfiehlt sich eine fünf- bis zehnminütige Ruhephase in einer ruhigen Umgebung bei entleerter Blase. Während der Messung sitzen die Personen mit angelehntem Rücken und flach auf dem Boden stehenden Füßen, ohne zu sprechen oder zu telefonieren.
Für die Heimanwendung gelten automatische Oberarmgeräte als genauer als Handgelenk-Geräte, da letztere empfindlich auf die exakte Position reagieren. Die Manschette muss direkt auf der Haut liegen, wobei die Manschettenmitte rund zwei Zentimeter über der Ellenbeuge über der Oberarmarterie positioniert wird.
Eine unpassende Manschettengröße kann die Messergebnisse um bis zu 15 mmHg verfälschen; daher sollte der Armumfang vorab ermittelt werden. Der Arm wird, leicht um etwa 45 Grad abgespreizt, auf Herzhöhe abgestützt.
Bei einer Erstmessung sollte an beiden Armen gemessen werden; künftige Kontrollen erfolgen dann an dem Arm mit den höheren Werten. Zur Bestimmung des finalen Werts wird nach dem Aufpumpen eine Pause von einer Minute eingehalten, bevor ein bis zwei Folgemessungen durchgeführt werden, aus denen der Durchschnitt gebildet wird.
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Zur Feststellung einer Hypertonie sind Messungen an mindestens drei verschiedenen Tageszeiten in gleicher Position mit demselben Gerät erforderlich. Berichten zufolge reduziert eine präzise Messung die diagnostische Unsicherheit um nahezu 40 Prozent, senkt falsch-positive Diagnosen um 22 Prozent und steigert die Zielgenauigkeit von Medikamenten um 35 Prozent.
Digitale Geräte und klinische Einordnung
Geräte für den Hausgebrauch arbeiten meist mit Oszillometrie und sollten eine CE- oder FDA-Zertifizierung tragen. Zudem empfiehlt sich eine Kalibrierung alle ein bis zwei Jahre gegen ein Quecksilber-Gerät. Neben klassischen Oberarmgeräten existieren neuere Technologien wie das Wearable Hilo, das rund 35 Messungen täglich am Handgelenk optisch erfasst und monatlich per Oberarmmanschette rekalibriert wird.
Unabhängig von der genutzten Technik dürfen einzelne abweichende Werte nicht überinterpretiert werden; eine Anpassung von Medikamenten erfordert stets ärztliche Rücksprache. Bei krisenhaften Werten um oder über 180/120 mmHg in Verbindung mit Beschwerden wie Atemnot oder Brustschmerz ist eine umgehende Notfallversorgung notwendig.
