Bluthochdruck, Kombinationspräparate

Bluthochdruck: Kombinationspräparate senken Therapieabbrüche um 39%

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 01:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine große Metaanalyse zeigt: Bestimmte Wirkstoffkombinationen verbessern die Therapietreue bei Hypertonie-Patienten deutlich.

Bluthochdruck-Studie: Kombipräparate senken Therapieabbruch-Risiko
Eine Hand hält eine Blisterpackung mit verschiedenen Medikamenten in einer modernen medizinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine umfangreiche Metaanalyse, die im Fachblatt JAMA veröffentlicht wurde, liefert neue Erkenntnisse zur Therapietreue bei der Behandlung von Bluthochdruck. Die Untersuchung, die mehr als 700 Studien mit insgesamt über 159.000 Probanden umfasst, belegt signifikante Unterschiede in der Beständigkeit der Medikamenteneinnahme in Abhängigkeit von der gewählten Wirkstoffklasse und Darreichungsform. Demnach senken Kombinationspräparate das Risiko eines Therapieabbruchs bei Patienten mit Hypertonie um 39 Prozent.

Signifikante Unterschiede bei Wirkstoffkombinationen

Die Analyse zeigt, dass insbesondere die Kombination aus einem Sartan und einem Kalziumkanalblocker die Therapietreue fördert und das Abbruchrisiko um 39 Prozent reduziert. Auch eine Monotherapie mit Sartanen allein erwies sich als vorteilhaft für die Adhärenz und senkte das Risiko eines Behandlungsstopps um 27 Prozent.

Im Gegensatz dazu identifizierten die Forscher Wirkstoffkonstellationen, die mit einer höheren Abbruchquote assoziiert sind. Eine Monotherapie mit Kalziumkanalblockern erhöhte das Abbruchrisiko um 43 Prozent. Bei bestimmten Kombinationen fiel die Bilanz noch negativer aus: Die gemeinsame Gabe von ACE-Hemmern und Kalziumkanalblockern steigerte das Risiko um 46 Prozent, während die Kombination aus Betablockern und Thiaziddiuretika sogar eine Erhöhung um 58 Prozent verzeichnete.

Marktentwicklung und regulatorische Entscheidungen

Parallel zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt sich der Markt für entsprechende Wirkstoffe stabil. Für das Präparat Losartan wurde für das Jahr 2025 ein Marktvolumen von 1,49 Milliarden USD verzeichnet; Prognosen gehen von einem Anstieg auf 1,83 Milliarden USD bis zum Jahr 2030 aus. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte bereits im Frühjahr 2025 eine flüssige Variante von Losartan zugelassen.

Auf europäischer Ebene gab der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) am 24. Juli 2026 eine positive Empfehlung für ein Präparat des Herstellers Accord Healthcare ab. Indes verlängerte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) das Ruhen der Zulassungen für Irbesartan-haltige Arzneimittel bis August 2028.

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Lieferengpässe und Rückrufe belasten die Versorgung

Trotz der medizinischen Fortschritte sieht sich die Branche mit logistischen und qualitativen Herausforderungen konfrontiert. Das Unternehmen 089Pharm musste einen Rückruf für Ramipril veranlassen, da Mängel bei der Bruchfestigkeit der Tabletten festgestellt wurden. Zudem erfolgte ein Rückruf von mehr als 11.000 Flaschen des Wirkstoffs Chlorthalidon.

Besonders kritisch bewertete die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) am 16. Juli 2026 die Situation bei den Herzglykosiden Digitoxin und Digoxin. Ein konkretes Beispiel für die Lieferproblematik ist Digitoxin AWD 0,07 von Teva, das seit dem 1. Juli 2026 nicht verfügbar ist. Eine Behebung dieses Engpasses wird erst für Ende Januar 2027 erwartet.

Ökonomische Rahmenbedingungen im Gesundheitssektor

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Für Patienten und Apotheken ergeben sich zudem veränderte wirtschaftliche Vorzeichen. Während Kombinationspräparate wie Candesartan/HCT im Vergleich zum Einzelbezug der Wirkstoffe eine Ersparnis von bis zu 38 Prozent bieten können, sind die gesetzlichen Zuzahlungen für Versicherte in einigen Bereichen um 50 Prozent gestiegen.

Die Apothekenlandschaft steht ebenfalls unter Druck. In Nordrhein wurden zum Stand 1. Juli 2026 insgesamt 1.886 Apotheken gezählt, wobei 14 Schließungen lediglich vier Neueröffnungen gegenüberstanden. Das Apothekenhonorar, das im Juli 2026 bei 9,00 Euro lag, soll zum 1. Januar 2027 auf 9,50 Euro angehoben werden. Gleichzeitig ist jedoch eine Erhöhung des Zwangsrabatts auf 2,07 Euro für das Jahr 2027 vorgesehen, was die wirtschaftliche Kalkulation der Betriebe weiter beeinflussen dürfte.

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