Bluthochdruck, Hypertonie-Häufigkeit

Bluthochdruck im Alter: 75% der über 70-Jährigen betroffen

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 12:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mit zunehmendem Alter steigt die Hypertonie-Häufigkeit deutlich. Schlaf, Schmerzmittel, Ernährung und Bewegung beeinflussen das Herz-Kreislauf-Risiko.

Bluthochdruck im Alter: Risiken, Therapie und wichtige Warnzeichen
Ein sonnendurchfluteter, ruhiger Raum mit einem Holztisch und einem Glas Wasser. Illustration mit AI erstellt.

Bluthochdruck gilt als stiller Risikofaktor: Er verläuft häufig ohne spürbare Symptome, schädigt aber über Jahre Herz, Gefäße und Nieren. Gerade im höheren Lebensalter nimmt die Häufigkeit deutlich zu, wie mehrere aktuelle Berichte zeigen.

Definition und Häufigkeit steigen mit dem Alter

Als Bluthochdruck gilt laut Prof. Bernhard Kuch vom Stiftungskrankenhaus Nördlingen ein Wert von systolisch über 140 mmHg und diastolisch über 90 mmHg. Optimal seien Werte zwischen 120-129/70-79 mmHg.

Die europäische ESC-Leitlinie aus dem Jahr 2024 unterscheidet zudem einen Normalbereich bis 120/70 mmHg und einen erhöhten Bereich von 120-139/70-89 mmHg, bevor ab 140/90 mmHg von Hypertonie gesprochen wird.

Der Anteil der Betroffenen steigt mit dem Alter erheblich: Während im Alter von 40 bis 49 Jahren etwa 20 bis 25 Prozent betroffen sind, liegt der Anteil bei den 60- bis 70-Jährigen bereits bei 60 bis 61 Prozent.

Bei den über 70-Jährigen sind es sogar 75 Prozent. Empfohlen wird deshalb, spätestens ab dem 35. Lebensjahr regelmäßig den Blutdruck messen zu lassen.

Therapieentscheidungen richten sich nach Risiko

Nach der ESC-Leitlinie 2024 wird bei Hypertonie ab 140/90 mmHg sofort eine medikamentöse Therapie eingeleitet. Bei lediglich erhöhten Werten ohne weitere Risikofaktoren wird zunächst auf Lebensstiländerungen gesetzt; liegen Risikofaktoren vor, kann die medikamentöse Behandlung sofort oder nach drei Monaten beginnen.

Zu den gängigen Wirkstoffgruppen zählen Diuretika, Kalziumantagonisten, Betablocker, ACE-Hemmer und Sartane. Bei schwer einstellbarem Hochdruck kommt zudem die Verödung sympathischer Nervenfasern an den Nierengefäßen zum Einsatz. Bleibt der Blutdruck trotz drei eingesetzter Medikamente über 140/90 mmHg, sollte laut einem Bericht auch ein Conn-Syndrom als mögliche Ursache abgeklärt werden.

Wann es zum Notfall wird

Von einem hypertensiven Notfall ist die Rede, wenn der Blutdruck über 180/110 mmHg steigt und gleichzeitig Symptome wie Brustschmerz, Atemnot, Verwirrtheit, Sehstörungen oder Krampfanfälle auftreten – dann ist der Notruf 112 angezeigt.

Bei Ruhewerten von 190 bis 200 mmHg systolisch, verbunden mit Luftnot, Brustschmerz oder Benommenheit, wird ein Krankenhausbesuch empfohlen; typischerweise liegen die Werte dabei systolisch zwischen 200 und 220 und diastolisch zwischen 100 und 120 mmHg.

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Nächtlicher Blutdruck und Schlafqualität als Risikofaktor

Ein weiterer Aspekt betrifft das sogenannte Non-Dipping: Fällt der Blutdruck nachts nicht um die üblichen 10 bis 20 Prozent ab, stehen Herz und Gefäße unter Dauerstress, was das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt erhöht.

Als Hauptursachen gelten obstruktive Schlafapnoe, ein falscher Einnahmezeitpunkt von Blutdrucksenkern, Nierenerkrankungen, Diabetes, Herzinsuffizienz sowie Salz- und Alkoholkonsum. Diagnostiziert wird das Phänomen über eine 24-Stunden-Langzeitmessung. Auffällig ist dabei, dass rund 80 Prozent der Fälle obstruktiver Schlafapnoe unentdeckt bleiben.

Auch die Schlafdauer selbst spielt eine Rolle: Eine Metaanalyse von Cappuccio aus dem Jahr 2011, die 15 Studien mit über 470.000 Teilnehmern auswertete, ergab bei weniger als sechs Stunden Schlaf ein um 48 Prozent erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen und Sterblichkeit. Bei sechs bis sieben Stunden Schlaf lag das erhöhte Risiko bei 10 bis 15 Prozent, bei mehr als neun Stunden bei 38 Prozent.

Medikamente mit Nebenwirkungen auf den Blutdruck

Nicht nur Hypertonie selbst, auch bestimmte Schmerzmittel können den Blutdruck beeinflussen. Eine Studie des Universitätsspitals Zürich aus dem Jahr 2017 mit 444 Patienten – darunter 408 mit Arthrose und 36 mit rheumatoider Arthritis – zeigte, dass Ibuprofen in einer Dosierung von dreimal 600 bis 800 Milligramm täglich nach vier Monaten den Blutdruck um 3,7 mmHg ansteigen ließ.

Naproxen (zweimal 375-500 mg) führte zu einem Anstieg um 1,6 mmHg, während Celecoxib (zweimal 100-200 mg) den Blutdruck um 0,3 mmHg senkte. Nach Angaben der Herzmedizin verdoppelt sich das Herzinfarktrisiko bei regelmäßiger Ibuprofen-Einnahme über ein bis sieben Tage bereits. Auch Paracetamol kann laut Deutscher Hochdruckliga den Blutdruck erhöhen.

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Ernährung, Prävention und ein biologischer Alterungsprozess

Präventiv rückt zunehmend die Ernährung in den Fokus. Eine Metaanalyse im British Journal of Nutrition, durchgeführt von Plant-Based Health Professionals UK gemeinsam mit dem Imperial College London auf Basis von Daten von über 143.000 Menschen aus acht Studien, zeigte, dass regelmäßiger Nussverzehr das Bluthochdruck-Risiko um etwa 16 Prozent senkt.

Bei 28 Gramm Nüssen täglich lag die Risikoreduktion bei 20 Prozent, bei 30 Gramm gegenüber völligem Verzicht bei 26 Prozent – mehr Nüsse brachten laut der Analyse keinen zusätzlichen Nutzen. Weltweit sind der Auswertung zufolge über 1,4 Milliarden Menschen von Bluthochdruck betroffen.

Ein biologischer Alterungsprozess könnte das Risiko zusätzlich verschärfen: Eine im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie des Instituto Cardiovascular de Mount Sinai in New York, die Daten von fast 91.000 Menschen auswertete, zeigte, dass die sogenannte klonale Hämatopoese bei 25 Prozent der über 70-Jährigen und bei 50 Prozent der über 80-Jährigen auftritt und Arteriosklerose begünstigt.

Den Autoren zufolge kann ein gesunder Lebensstil – mit 150 Minuten Bewegung pro Woche, ausgewogener Ernährung und ausreichend Schlaf – Entzündungsprozesse und das Herz-Kreislauf-Risiko senken.

Die verschiedenen Untersuchungen legen nahe, dass Bluthochdruck im Alter ein vielschichtiges Phänomen ist, bei dem Blutdruckmessung, Schlafqualität, Medikamenteneinsatz und Lebensstil zusammenwirken.

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de | wissenschaft | 70095296 |