Bluthochdruck, Hohe

Bluthochdruck: Hohe Therapietreue senkt schwere Herz-Kreislauf-Risiken um 11 Prozent

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Analyse von neun Studien verbindet regelmäßige Medikamenteneinnahme mit niedrigerem Blutdruck und weniger schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen.
Ein steriler, aufgeräumter Untersuchungsraum einer Arztpraxis mit einem Stethoskop auf einem weißen Tisch. Illustration mit AI erstellt.

Die konsequente Einnahme verordneter Medikamente spielt bei der Behandlung von Bluthochdruck eine zentrale Rolle für den Therapieerfolg. Eine auf dem ESC Congress vorgestellte Analyse von Individualdaten von 91.339 Teilnehmern aus neun klinischen Studien unter Leitung von Qianqian Yang von der Universität Oxford verdeutlicht den Einfluss der Therapietreue.

Bei einer hohen Adhärenz, definiert als die Einnahme von mindestens 80 Prozent der verordneten Dosis, fiel der systolische Blutdruck in der Behandlungsgruppe um 5,2 mmHg niedriger aus als in der Vergleichsgruppe. Bei einer niedrigen Adhärenz von unter 80 Prozent betrug dieser Unterschied lediglich 3,0 mmHg.

Signifikante Reduktion kardiovaskulärer Risiken

Die Auswertung der Daten zeigt zudem konkrete Auswirkungen auf schwerwiegende Folgeerkrankungen. Schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle, Myokardinfarkte, ischämische Herzkrankheiten sowie herzbedingte Hospitalisierungen und Todesfälle traten bei hoher Adhärenz um 11 Prozent seltener auf. Bei Patienten mit niedriger Adhärenz konnte hingegen keine statistisch signifikante Reduktion dieser Ereignisse festgestellt werden.

Gleichzeitig verdeutlichen die Erhebungen ein verbreitetes Langzeitproblem: Die Therapietreue sank im Verlauf der Beobachtung von 88 Prozent im ersten Jahr auf 79 Prozent im fünften Jahr. Weltweit leiden rund 1,4 Milliarden Erwachsene im Alter von 30 bis 79 Jahren an Hypertonie, wobei etwa die Hälfte von ihnen die verschriebenen Medikamente nicht wie verordnet einnimmt.

Bei den Ergebnissen handelt es sich laut Berichten um eine statistische Assoziation und keinen Kausalitätsbeweis. Bei auftretenden Nebenwirkungen oder versäumten Einnahmen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, anstatt Medikamente eigenmächtig abzusetzen oder anzupassen.

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Empfehlungen für den klinischen Alltag

Aufgrund dieser Befunde empfehlen die Autoren der Analyse, die Einnahmetreue im Rahmen der Routineversorgung regelmäßig zu überprüfen. Auch Prof. Felix Mahfoud von der ESC sprach sich dafür aus, Adhärenzprüfungen zur Routine zu machen. Zur Verbesserung der Einnahmeverlässlichkeit rät die Analyse dazu, Therapieregime zu vereinfachen und verstärkt auf Kombipräparate sowie Medikamente mit längerer Wirkdauer zu setzen.

Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher aus dem Vorstand der Deutschen Herzstiftung warnte ebenfalls vor dem eigenmächtigen Absetzen oder Reduzieren von Blutdrucksenkern, da scheinbar normale Werte häufig erst das Resultat der Medikation seien. Laut Tiefenbacher liegt die Therapietreue im Schnitt unter 50 Prozent.

Eine Dosisanpassung oder ein Absetzen sei meist nur bei deutlicher Gewichtsabnahme und grundlegenden Lebensstiländerungen denkbar; pro verlorenem Kilogramm Körpergewicht sinke der obere Blutdruck um etwa 1 bis 2 mmHg, bei einer Abnahme von 10 Kilogramm entsprechend um 10 bis 20 mmHg.

Zeige eine Langzeitmessung über 24 Stunden Werte um 90 mmHg in Verbindung mit Schwindel, sei eine ärztliche Anpassung erforderlich. Hilfsmittel wie Tablettenboxen oder digitale Erinnerungen könnten das Vergessen einzelner Dosen verhindern.

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Qualität von Generika und Scheinresistenzen

Im Zusammenhang mit der Medikation verweisen Mediziner zudem auf die Gleichwertigkeit von Qualitätsgenerika. Der Kardiologe Lin Wei-wen betonte, dass sich Generika in ihrer Wirkung meist nicht von Originalpräparaten unterscheiden und Lieferengpässe abfedern helfen.

Treten nach einem Präparatewechsel erhöhte Werte auf, sollten zunächst Stress, Schlafmangel, Ernährung oder Einnahmelücken geprüft werden. Auch die philippinische Fachärztin Dr. Mariane Bonita-Bautista verwies auf Auswertungen von 47 Artikeln im Journal of the American Medical Association, wonach kein Wirksamkeitsunterschied zwischen Markenpräparaten und Generika bei Herzmedikamenten bestehe.

Fehlende Therapieeffekte sind zudem oft nicht auf biologische Resistenzen zurückzuführen. Nach Angaben von Dr. Hisashi Kai und der Japanischen Hypertonie-Gesellschaft liegt bei Patienten, die trotz dreier Antihypertensiva die Zielwerte verfehlen, in knapp 90 Prozent der Fälle lediglich eine Pseudoresistenz vor.

Ursachen hierfür seien häufig unregelmäßige Einnahmen, falsche Messungen, ungünstige Wirkstoffdauern oder Wechselwirkungen, beispielsweise durch Schmerzmittel.

Marcus van der Giet von der Charité Berlin und Vorsitzender der Deutschen Hochdruckliga wies darauf hin, dass Substanzen wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac gefäßerweiternde Botenstoffe hemmen und den Blutdruck potenziell leicht steigern können.

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